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KREUZLINGEN: Hilferuf der Ladenbetreiber

Sie leiden seit 38 Tagen. Jetzt gehen sie auf die Barrikaden: Die Gewerbetreibenden am Boulevard äusserten sich am Dienstagabend zur neuen Verkehrsführung. Einige haben Existenzängste.
Annina Flaig
Stadtpräsident Thomas Niederberger erklärt den Detaillisten die Hintergründe des neuen Verkehrsregimes. (Bild: Donato Caspari)

Stadtpräsident Thomas Niederberger erklärt den Detaillisten die Hintergründe des neuen Verkehrsregimes. (Bild: Donato Caspari)

Annina Flaig

annina.flaig@thurgauerzeitung.ch

Er hat gespürt, dass es brodelt. Deshalb hat Andreas Haueter gehandelt: Der Präsident des Kreuzlinger Gewerbevereins hat am Dienstag im Trösch die Mitglieder zusammengetrommelt. Rund 50 sind gekommen. Die meisten mit vollem Kropf. Das war spürbar. So gibt es Zwischenrufe und entnervtes Brummeln, als Stadtpräsident Thomas Niederberger, Stadtrat Ernst Zülle und Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau, am Anfang der Veranstaltung einen Überblick geben über die Geschehnisse, die zur neuen Verkehrsführung auf dem Boulevard geführt haben. Sie wurde am 12. Februar probehalber in Kraft gesetzt und soll den Durchgangsverkehr verringern.

Gewerbler haben die Lösung selber mitentwickelt

Irgendwann steht jemand auf und sagt: «Genug der Zahlen. Jetzt wollen wir Detailisten etwas sagen. Deshalb sind wir ja hier.» Es folgt eine eigentliche «Chropfleerete». «Wenn sich die Situation nicht verbessert, könnt ihr die Schaufenster ab September mit bunten Bällen füllen. Denn bis dahin wird es keine Gewerbler mehr geben», sagte Vincenza Freienmuth, Gemeinderätin und Geschäftsführerin des Sanitätshauses Karl Steuer. Sie habe in den vergangenen 38 Tagen eine Umsatzeinbusse von 40 Prozent hinnehmen müssen und kenne Leidensgenossen, die bereits Existenzängste hätten. Niederberger betont, dass die neue Verkehrsführung auf einem Konsens beruhe und am sogenannten «runden Tisch» entstanden sei, an dem auch Vertreter des Gewerbes sassen. «Und das waren nicht die Dümmsten», ruft Ralph Schär, der selber dabei war. Der Inhaberer des Haberer Schuhfachgeschäfts wehrt sich gegen Vorwürfe wie jene von Fabrizio Ribezzi, der in der Stadt mehrere Restaurants betreibt. Ribezzi ist der Meinung, dass das Ganze nicht zu Ende gedacht worden ist. Schär betont, dass es sich um einen hart erkämpften Kompromiss handle. Schreinerei-Inhaber Werner Meister, ebenfalls in der Arbeitsgruppe, pflichtet ihm bei: «Ihr wisst genau, dass eine Initiative für einen komplett autofreien Boulevard auf dem Tisch lag. Wenn diese angenommen worden wäre, hätten wir heute hier ein viel grösseres Desaster.»

Kunden verirren sich auf den Umwegen

Umsatzeinbrüche der Verkehrsführung zuzuschreiben, greift laut Schär zu tief. So sei das Wetter für die Modebranche ungünstig gewesen. Zuzana Arnold von der Stadtapotheke hält dem entgegen: Aufgrund der Grippewelle hätte sie eine höhere Kundenfrequenz haben müssen. Dem sei aber nicht so. «Seit die Einfahrt vom Helvetiaplatz her verboten ist, finden meine Kunden aus Deutschland den Weg nicht mehr.» Die Gewerbler schlagen eine Stunde lang fast unisono in die gleiche Kerbe. Daniel Moos, Mitinitiant der Boulevard-Initiative betont, dass es viele gäbe, die für einen autofreien Boulevard plädieren, sodass sie an der Strasse genüsslich einen Kaffee trinken könnten. Daraufhin wollen ihm einige den Sand aus den Augen reiben. Kreuzlingen sei nun mal nicht Paris an der Seine, sondern eher ein Vorort von Kon-stanz, sagen sie. Stadtpräsident Thomas Niederberger versichert den Anwesenden, dass er sie verstehe und ihren Puls fühle.

Was weiter passiert

Die Stadt wird die Verkehrszählungen vorläufig fortsetzen. Parallel dazu wird im Mai eine Befragung mit 150 Betrieben und 300 Haushaltungen durchgeführt. Im August werden die Ergebnisse am runden Tisch diskutiert. Im September will der Stadtrat entscheiden, ob die neue Verkehrsführung im Stadtzentrum definitiv umgesetzt, angepasst oder abgebrochen wird. «Es muss aber nicht sein, dass bis dahin nichts passiert», sagt Zülle. Er betont aber auch: «Bisher haben sich zwar vor allem diejenigen gemeldet, die gegen diese Lösung sind. Das heisst aber nicht, dass sie in der Mehrheit sind.» (afl)

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