KREUZLINGEN: Gewerbe im Höhenflug

Der Weltrekordhalter im horizontalen Fallschirmspringen motivierte das Publikum am ­Unternehmerabend der Gewa, Ängste zu überwinden. Beim Apéro verrieten die Gäste, wovor sie Bammel haben.

Martina Eggenberger Lenz
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Schreiner Werner Meister, Nationalrat Markus Hausammann, Referent Marc Hauser und Gewerbepräsident Andreas Haueter. (Bild: Reto Martin)

Schreiner Werner Meister, Nationalrat Markus Hausammann, Referent Marc Hauser und Gewerbepräsident Andreas Haueter. (Bild: Reto Martin)

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Wie ein Angsthause sieht er nicht aus. Doch Marc Hauser sagt über sich selbst, er sei einer. Weil er seine Höhenangst überwinden wollte, ist er damals zum ersten Mal mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug gesprungen. Die Angst ist ihm nach eigenen Angaben bis heute geblieben. Und das, obwohl der Berner Unternehmer mittlerweile Weltrekordhalter im so genannten Speed Tracking ist. Der Fallschirmspringer kommt in der Luft auf eine Geschwindigkeit von 304 km/h.

Die 200 Anwesenden im Dreispitzsaal waren beeindruckt von der Botschaft des Referenten, grosse Ängste zu überwinden und den Mut zu haben, sich unrealistisch hohe Ziele zu setzen. «Versuchen Sie doch einfach mal, ganz unschweizerisch oben rein zu gehen», forderte Hauser das Publikum auf.

Maisfeld-Landung oder Anden-Trekking

Gewerbepräsident Andreas Haueter sagte beim Apéro, auch er habe schon Ängste überwinden können. Einmal sei er von einer Klippe ins Meer gesprungen. Eine spezielle Flug-Erfahrung hat auch Werner Meister, Vize-Präsident, schon gemacht. Auf einem Rundflug mit einem Kleinflugzeug ist der Sprit ausgegangen. «Die Notlandung führte schliesslich ins Maisfeld. Da wird einem dann schon bewusst, dass das auch hätte in die Hosen gehen können.» Nationalrat Markus Hausammann betont, er probiere stets, gelassen mit Ängsten umzugehen. Allgemein habe er weniger Angst um sich als um ihm nahe stehende Personen. Ein spezielles Erlebnis hat Kantonsrat Reto Lagler hinter sich. Er hat vor kurzem in den Anden einen Alp-Abgang hoch zu Ross begleitet und dabei wegen den steinigen Wegen ab und zu ein mulmiges Gefühl gehabt. Bankerin Nathalie Quiquerez sagt über sich selbst, sie liebe den Kick und sei darum auch schon Fallschirm gesprungen. Mut erfordert habe es auch, mit 24 Jahren schon eine Führungsposition zu übernehmen. Das nötige Selbstbewusstsein habe sie durch das Reisen durch Lateinamerika gewonnen. Kantonsrat und Unternehmer Klemenz Somm kennt das Phänomen der Höhenangst. Beim Bergwandern überwinde er diese regelmässig. Er halte sich an den Spruch «Der Weg aus der Angst führt durch die Angst.» Kantonsrätin Cornelia Zecchinel hat ebenfalls schon Momente der Angst erlebt. Schlimm war für sie die Nacht, in der das Nachbarhaus brannte. «Das ist mir richtig eingefahren.»

Mowag-Chef Oliver Dürr fühlt sich durch das Referat in seinem Weg bestätigt. «Mir entspricht die Just-do-it-Mentalität, und ich bin es gewohnt, die Ziele hoch zu stecken.» Ist, wer mit dem Unternehmer-Gen ausgestattet ist, vor Ängsten gefeit? Jürg Kocherhans, der Präsident der Kreuzlinger Arbeitgebervereinigung, betont, er habe keine Angst. Schon gar nicht vor dem Scheitern. Nach etwas Bedenkzeit schickt er nach: «Doch, jetzt erinnere ich mich: Als Bub ging ich nicht mehr gerne in den Keller, nachdem ich einen Vampir-Film gesehen hatte.» «Wir Unternehmer sind halt Optimisten», sinniert Hans-Jörg Schoop, der Leiter der TKB Kreuzlingen. Einmal habe er sich überwinden und rückwärts vom Drei-Meter-Brett springen müssen. Er habe es geschafft – ein gutes Gefühl.

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