KREUZLINGEN: Fünf Stimmen entscheiden

Das Stadthaus mit Tiefgarage und Festwiese kann realisiert werden. Mit 50,06 Prozent ist das Ergebnis denkbar knapp ausgefallen. Die Freude bei den Befürwortern ist gross.

Nicole D'orazio
Merken
Drucken
Teilen
Jubel im Rathaus: Der Kreuzlinger Stadtpräsident Andreas Netzle verkündet das positive Abstimmungsresultat zum Stadthaus, und die Anwesenden freuen sich. Zuvorderst Stadträtin Dorena Raggenbass und Christian Lohr, Präsident des Pro-Komitees. (Bild: Andrea Stalder)

Jubel im Rathaus: Der Kreuzlinger Stadtpräsident Andreas Netzle verkündet das positive Abstimmungsresultat zum Stadthaus, und die Anwesenden freuen sich. Zuvorderst Stadträtin Dorena Raggenbass und Christian Lohr, Präsident des Pro-Komitees. (Bild: Andrea Stalder)

Stadtpräsident Andreas Netzle macht es spannend. Mit einem Pokerface steht er vor den Stimmbürgern, die gestern Mittag ins Rathaus zur Verkündung der Abstimmungsresultate zu den drei städtischen Vorlagen gekommen sind. Dann verkündet er: 2068 Stimmbürger haben sich für den Baukredit für das Stadthausprojekt mit Tiefgarage und der Neugestaltung der Festwiese für 47,5 Millionen Franken ausgesprochen, 2063 waren dagegen – 5 Stimmen Unterschied. Das entspricht einem Zuspruch von 50,06 Prozent. Der Jubel unter den Anwesenden ist gross. Sie liegen sich in den Armen und beglückwünschen sich. Der eine oder andere verdrückt eine Freudenträne. Gegner des Projektes sind keine anwesend oder lassen sich nichts anmerken.

«Ich verspüre eine ganz grosse Erleichterung», sagt Netzle. «Endlich ist es möglich, in Kreuzlingen etwas Grosses zu realisieren. Das ist gut für die Stadt.» Man habe dreimal nachgezählt, versichert er. «Wir haben die Stimmzettel durch drei verschiedene Notenzählmaschinen laufen lassen, als wir sahen, dass es so knapp ist.» Er persönlich sei während der ganzen Auszählung vor lauter Spannung herum getigert, und es habe ihn schon Nerven gekostet, kann er im Nachhinein mit einem Lachen sagen. «Die zwei Haufen sahen ja auch genau gleich aus, man konnte keine Vorhersage machen.»

Beim Seeburgpark war es ähnlich knapp

Ein ähnlich knappes Resultat mit 28 Stimmen Unterschied habe es vor über 50 Jahren schon einmal gegeben, sagt Netzle. Bei der Abstimmung über den Seeburgpark. «Heute sagen alle, Gott sei Dank hat man damals die Vorlage angenommen. Nun hoffen wir, dass man das auch über das Stadthaus irgendwann sagen wird.»

«Das ist einer meiner schönsten Momente in meiner politischen Karriere», sagt Christian Lohr, CVP-Nationalrat und Präsident des Pro-Komitees. Es sei ein gutes und nachhaltiges Projekt für die Stadt. «Bei dem unglaublich knappen Resultat ist nun extrem wichtig, alle kritischen Wähler zu überzeugen, dass es eben doch richtig ist, das Stadthaus zu bauen. Man muss sie nun ins Boot holen.» Es solle schliesslich ein Stadthaus für alle Kreuzlinger sein.

Andreas Haueter, Präsident von Gewerbe Kreuzlingen, ist einfach nur happy. «Die Knappheit ist natürlich ein Thema», meint er. «Ich hoffe aber, dass das Ergebnis nun einen positiven Impuls in der Stadt gibt.»

«Wir sind für Kreuzlingen begeistert», sagt Irene Herzog, SVP-Ortspräsidentin. «Es wäre aber schöner gewesen, wenn das Resultat deutlicher gewesen wäre.» Das zeige, dass eben doch jede einzelne Stimme zähle und dass es sich lohne abzustimmen.

Stadträtin Dorena Raggenbass war die letzten Tage nervös, wie sie sagt. «Ich habe mir viele Gedanken gemacht, weil wir gespürt haben, dass es knapp wird. Nun war das Glück auf unserer Seite.» Die Stimmbeteiligung von über 50 Prozent sei hoch. «Den Leuten war es wichtig.» Nun könne der Stadtrat kurz durchschnaufen, bevor es mit der Detailplanung los gehe. «Das ist auch ein Vertrauensbeweis für uns und weitere Projekte.»

Stadträtin Barbara Kern war im Vorfeld ebenfalls nervös und hat schlecht geschlafen. «Ich habe aber immer daran geglaubt, dass es ankommt», sagt sie. «Es braucht Aufbruchstimmung in der Stadt.»