KREUZLINGEN: Es ist ruhig zur Viertelstund

Die Katholische Kirchgemeinde muss sich mit dem Thema des nächtlichen Glockengeläuts befassen. Es liegen zwei Beschwerden vor, die in St. Stefan und St. Ulrich Massnahmen fordern. Aktuell läuft eine Testphase.

Martina Eggenberger Lenz
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Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Es ist ein heisses Eisen, mit dem sich die katholische Kirchgemeinde und die Stadt Kreuzlingen befassen müssen. Und es geht darum, was höher zu gewichten wäre: gesetzliche Vorschriften oder lange Tradition. Fakt ist: bei der Bauverwaltung sind jüngst zwei Beschwerden eingegangen, die das nächtliche Glockengeläut der Kirchen betreffen. Es sei zu laut und gehöre abgestellt.

Der erste und ältere Fall betrifft St. Stefan. Um Klarheit zu erlangen, hat die Kirchenvorsteherschaft aufgrund der Beschwerde ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben. Das Resultat: Die zulässigen Grenzwerte werden überschritten. Nicht nur im Haus des Klägers, sondern auch in der näheren Wohnzone im Bereich der Kirche, wie der Kreuzlinger Bausekretär Jean-Marc Vannier bestätigt.

Mitteilung ruft zweiten Kläger auf den Plan

Aufgrund der Ergebnisse hätten sich die Vertreter der Kirche und der Kläger auf einen Kompromiss mit halbjährigen Testbetrieb geeinigt. Während diesem wird auf den Viertelstundenschlag zwischen 22 und 6 Uhr verzichtet. Seit Anfang März ist es deshalb um einiges stiller in der Stadt. Gemerkt haben das einige, wie Kirchenpräsident Thomas Gisler auf Anfrage sagt. Er erhalte Reaktionen von beiden Seiten, sowohl von Gegnern wie Befürwortern des nächtlichen Geläuts.

Die katholische Kirchgemeinde hat mit einer knappen Mitteilung auf ihrer Homepage über die Änderung informiert. Dies hat offenbar einen weiteren Glockengegner auf den Plan gerufen. Letzte Woche ist nämlich bei der Bauverwaltung eine zweite Reklamation eingegangen, die St. Ulrich betrifft.

Stadt muss in erster Instanz einen Entscheid fällen

Die Basilika läutet während der Testphase nachts ebenfalls nicht mehr zur Viertelstund. Die Verhandlungen mit dem zweiten Beschwerdeführer sind noch in der Anfangsphase und der Ausgang ist wohl ungewiss. Thomas Gisler will sich denn auch nicht weiter zur Sache äussern. Er verweist auf laufende Verfahren und verspricht, an der Kirchgemeindeversammlung vom 22. Mai zu informieren.

Eines ist klar: Wird an der Beschwerde festgehalten, muss die Stadt als erste Instanz einen Entscheid fällen, denn sie ist zuständig für die Einhaltung von Umweltschutzgesetz und Lärmvorschriften. Ein allfälliger Entscheid könnte danach bis vor Bundesgericht weiter gezogen werden. Dass es so weit kommt, hofft in Kreuzlingen wahrscheinlich niemand. Die Kirche hat einen Anwalt engagiert.