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KREUZLINGEN: «Es hat uns zusammengeschweisst»

Neun Monate hat Dorena Raggenbass die Stadt interimistisch geführt. Sie war eine so präsente wie beliebte Ersatzpräsidentin. Jetzt freut sie sich darauf, wieder mehr Zeit für ihr Departement und für sich zu haben.
Martina Eggenberger Lenz

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Dorena Raggenbass, sind Sie froh, dass ihre Zeit als Interimsstadtpräsidentin bald vorbei ist?

Ich bin froh, wenn ich mich wieder voll in meinem Departement einsetzen kann. Man merkt schon, dass ich ein Dreivierteljahr nicht da war. Ich habe ja im Büro des Präsidiums gearbeitet, wegen der kürzeren Wege im Stadthaus. Das hatte im Gegenzug zur Folge, dass die schnellen, spontanen Absprachen in meinem Departement ein Haus weiter zu kurz gekommen sind.

Und wie haben Sie die letzten Monate persönlich erlebt?

Die Gesamtbelastung war gross. Es gab viel mehr Sitzungen, mehr zu leiten, mehr zu koordinieren. Das war zeitlich nicht ganz einfach zu managen. Meine Erfahrungen der vergangenen elf Jahre im Stadtrat machten es mir sicherlich leichter, zusätzliche Arbeiten zu begleiten und Verantwortung zu übernehmen.

Man hatte den Eindruck, Sie seien omnipräsent. Offiziell haben Sie jetzt ja hundert Prozent gearbeitet. Das reichte wohl kaum, oder?

Ja, es ist noch einiges oben drauf gekommen. Befriedigend für mich ist rückblickend, dass nichts liegen geblieben ist. Diese besondere Zeit hat mir bestätigt, dass mit guter Zusammenarbeit vieles möglich ist.

Welche Projekte mussten in ihrem eigenen Departement hintenangestellt werden?

Das Kulturzentrum, auch wenn eine Projektgruppe hierfür ein Betriebs- und Nutzungskonzept erarbeitet. Es braucht aber noch mehr Unterstützung durch die Stadt. Zweitens das Kulturkonzept, das noch zusammengefasst werden muss. Diese zwei Themen habe ich auf Eis gelegt, werde sie nun aber sofort wieder aufnehmen.

Es gab Leute, die gesagt haben: Dorena Raggenbass macht es so super, sie soll das Präsidium gleich fix übernehmen. Ehrt Sie das?

Es freut mich natürlich, wenn auch von aussen ersichtlich war, dass ich nicht nur da sitze und Däumchen drehe. Schön zu hören, dass man mir das Amt zugetraut hätte. Wäre ich nicht 61, sondern sechs Jahre jünger, hätte ich wohl kandidiert. Ideal ist, wenn man wie jetzt Thomas Niederberger, die Möglichkeit hat, mindestens drei Amtsperioden zu wirken. Kontinuität und Erfahrung sind wichtig.

Man hatte von aussen auch den Eindruck, das Verhältnis zwischen Gemeinderat und Stadtrat habe sich sofort entspannt, als Sie das Ruder übernahmen.

Ich hatte schon immer eine gute Verbindung zum Gemeinderat. Die Gesamtstimmung war anders. Ob man das jetzt entspannt nennen will, oder nicht, sei dahingestellt.

Auch der Stadtrat als Team wirkte plötzlich wieder sehr aufgestellt, kam als geeinte Truppe rüber. Was hat sich da geändert?

Na ja, nach aussen wirkte das vielleicht noch mal anders, als es wirklich war. Wir hatten auch zuvor keinen Streit. Aber wenn sich ein Team neu zusammensetzt oder einer nicht mehr da ist, dann kann das spürbar zusammen schweissen.

Nach dem Ausscheiden von Andreas Netzle gab es plötzlich eine links-grüne Dominanz.

Trotzdem gab es nicht nur Schulterklopfen und Einigkeit. Wir hatten keineswegs immer die gleiche Meinung. Es gibt immer Stoff für Diskussionen.

Wäre der Entscheid, den «Kreuzlinger Nachrichten» nach dem Kauf durch Christoph Blocher das amtliche Publikationsorgan zu entziehen, mit Netzle anders ausgefallen?

Das mag sein.

Mit dem Kulturzentrum ist es auch plötzlich vorwärts­- ge­gangen.

Da ist natürlich vieles intern schon vorher aufgegleist worden, auch schon im Frühling, als An­dreas Netzle noch da war.

Der Stadtrat hat die Situation also nicht ausgenutzt?

Nein, alle Projekte sind gemäss Agenda weiter gelaufen. Einiges haben wir neu wieder aufgenommen, das Parkhaus an der Seestrasse und das Projekt Bahnhof Bernrain. Vor allem aber blieb nichts liegen.

Thomas Niederberger wird nun vom Angestellten zum Chef. Wie gehen Sie damit um?

Wir sind alle vom Volk gewählt. Jeder hat sein Departement und seine Projekte. Das Einzige, was der Stadtpräsident mehr hat, ist, dass er bei Stimmengleichheit entscheidet. Wir sind ein Team. Wir alle tragen den Rollenwechsel von Thomas Niederberger mit Überzeugung mit.

Ist es für das Team von Relevanz, welcher Partei sich Thomas Niederberger anschliesst?

Jeder politisch erfahrene Mensch kann sich vorstellen, was für einen Stadtrat der richtige Entscheid wäre. Es gilt allgemein als gut, wenn möglichst alle Parteien vertreten sind. Da fehlt jetzt eine Ecke.

Sonst droht Opposition von Mitte-Rechts. Stellen Sie sich eigentlich wie angekündigt ein weiteres Mal zur Wahl?

Ja. Barbara Kern hört bekanntlich auf. Wir anderen haben bereits abgemacht, dass wir wieder zusammen als Team antreten. Wenn ich erneut gewählt werde und gesunde bleibe, dann würde ich gerne noch mal vier Jahre mitarbeiten. Ich möchte die angesprochenen Projekte und noch ein paar andere gerne weiter begleiten.

Worauf freuen Sie sich nach dem 28. Februar am meisten?

Dass ich guten Gewissens wieder einmal Ferien planen kann. Ich freue mich auf die Freiheit, nur auf mein Departement Rücksicht nehmen zu müssen. Ich habe mich zuletzt schon sehr in der Verantwortung gefühlt.

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