Kreuzlingen erhält Privatbank

KREUZLINGEN. Julius Bär sieht in Kreuzlingen nicht nur im grenzüberschreitenden Geschäft Potenzial. Auch der Thurgau ist für die Privatbank interessant, die den Schritt an den Bodensee von langer Hand plante.

Martin Knoepfel
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Führen die Niederlassung: (von links) Thomas Bachofner, Daniel Geisselhardt und Hary Finocchi. (Bild: Stefan Schaufelberger)

Führen die Niederlassung: (von links) Thomas Bachofner, Daniel Geisselhardt und Hary Finocchi. (Bild: Stefan Schaufelberger)

Weisse Stühle kontrastieren mit dem braunen Parkett. In einigen Räumen sind die Decken mit kunstvollen Stuckaturen verziert. In anderen hängen Gemälde der Julius Bär Art Collection – sie umfasst nur Werke junger und zum Zeitpunkt des Kaufs unbekannter Schweizer Künstler – an den Wänden. Wer hingegen Teppiche erwartet, in denen man bis zu den Knöcheln versinkt, wird enttäuscht.

Die Inneneinrichtung – weltweit nach den Richtlinien des französischen Architekten Bruno Moinard gestaltet – strahlt Understatement aus.

Gestern lud die Bank Julius Bär zur Medienkonferenz in ihre Kreuzlinger Niederlassung in der Villa Egloff an der Hauptstrasse ein. Die Bank hat rund eine Million Franken in die langfristig gemietete Liegenschaft investiert.

Soweit möglich, seien die Aufträge an einheimische Firmen gegangen, sagte Daniel Geisselhardt, Niederlassungsleiter und somit Chef des elfköpfigen Teams.

Von langer Hand geplant

Vor vier Jahren habe die Bank entschieden, wo sie in der Deutschschweiz zusätzlich präsent sein wolle, sagte Gian Rossi, der bei Julius Bär für die Deutschschweiz, Deutschland und Nordeuropa zuständig ist. Die Liste enthielt Kreuzlingen, Zug, St. Gallen und St. Moritz. Mit Kreuzlingen ist der letzte Ort auf der Liste abgehakt.

Von Anfang an sei für ihn klar gewesen, dass er mit Geisselhardt, den er seit zehn Jahren kenne, die Niederlassung Kreuzlingen aufbauen wolle. Es brauche ein Team, das am Standort gut verankert sei. Bisher arbeitete das Kreuzlinger Team in St. Gallen.

Das Potenzial in Kreuzlingen schätzt Rossi sehr hoch ein. Es gehe nicht nur ums grenzüberschreitende Geschäft, obwohl Süddeutschland und Vorarlberg interessante Wirtschaftsräume seien.

Rossi räumte aber auch ein, dass die Probleme des Euro Personen aus Süddeutschland dazu bewegen könnten, in die Schweiz umzuziehen, Firmen hier anzusiedeln oder einen Teil des Vermögens in der Frankenzone verwalten zu lassen.

Geisselhardt sagte, dass von Kreuzlingen aus auch der Thurgauer Markt bearbeitet werde. Geisselhardt war früher für die CS in Kreuzlingen tätig. Wie viel Kundenvermögen mit ihm zu Julius Bär gewechselt hätten, könne und dürfte er nicht sagen.

Das Geschäftsmodell basiere nicht darauf, der CS Kunden wegzunehmen.

Julius Bär biete ausschliesslich das Private Banking an, aber den ganzen Service, so dass es bei der Beratung keine Interessenskonflikte und keinen Druck gebe, bankeigene Produkte zu verkaufen.

Weisser Fleck beseitigt

Geisselhardt wie Rossi sind überzeugt, dass die Kunden heute wieder stark auf die Sicherheit der Bank achten. Da stehe man gut da.

Der Verwaltungsratspräsident der Julius-Bär-Gruppe, Raymond Bär, wies an der Eröffnung darauf hin, dass nun ein weisser Fleck auf der Landkarte der Bank verschwunden sei und dass Julius Bär die einzige Privatbank mit einem Standort zwischen Schaffhausen und St. Gallen sei.

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