Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KREUZLINGEN: Er geht allem genau auf den Grund

Beim Lunch mit Alexander Salzmann: Die TZ hat den FDP-Kandidaten fürs Stadtpräsidium bei der Arbeit abgeholt und während des Essens ausgehorcht. Über seinen Job, seine Hobbys und seine politischen Hauptthemen.
Nicole D’orazio
Polenta mit Fleischvögeln und Gemüse, dazu einen Menusalat: Alexander Salzmann sitzt im Restaurant Pionier im Axa Superblock in Winterthur vor seinem Mittagessen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Polenta mit Fleischvögeln und Gemüse, dazu einen Menusalat: Alexander Salzmann sitzt im Restaurant Pionier im Axa Superblock in Winterthur vor seinem Mittagessen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Im Restaurant Pionier im Superblock Winterthur, das als Mensa der Axa dient, herrscht Hochbetrieb. Alexander Salzmann bleibt cool und hat seine Wahl schnell getroffen: Polenta mit Fleischvögeln, Gemüse und einem Menusalat. «Mir kommt es nicht so darauf an, was ich esse. Hauptsache, es ist gut und macht mich satt», sagt er und lacht. Der 44-Jährige isst mit verschiedenen Personen zu Mittag. Er hat ein System. «Ich verabrede mich mit Leuten aus verschiedenen Abteilungen. Es ist wichtig für mich, ein breites Netzwerk zu haben. So erfahre ich immer wieder Spannendes und auch, wo es sich lohnen würde nachzubohren.» Er sieht sich als Augen und Ohren des Verwaltungsrates. Salzmann ist Leiter interne Revision für Lebensversicherungen, berufliche Vorsorge, Personaldienst und Vertrieb des Versicherungskonzerns. Das tönt etwas nach einem Ermittler oder Unternehmenspolizisten.

Anspruchsvoll, gibt aber auch viel zurück

So würden es seine Mitarbeiter nicht ausdrücken. «Wir gehen zwar Dingen auf den Grund, aber wir sind keine Polizei», betont die Kollegin, die seit 2015 mit Salzmann zusammenarbeitet. «Revisionen sind spannend. Bei Prämien kann viel schief gehen», findet der langjährige Mitarbeiter. Die beiden stellen ihrem Chef ein gutes Zeugnis aus. Er sei fordernd, versuche sie zu fördern und auszubilden und bringe ihr viel Vertrauen entgegen, sagt sie. «Ich fühle mich gut aufgehoben.» – «Er kümmert sich gut um die Kollegen, fördert eine kooperative Zusammenarbeit, ist zuverlässig und stellt jobbedingt kritische Fragen», findet der Mitarbeiter. «Natürlich können wir auch mal lachen.» Das Klima im Team bezeichnen beide als gut. Es müsste nicht sein, dass Salzmann weggeht.

Der Chef hat ihnen von der Kandidatur als Stadtpräsident von Kreuzlingen erzählt. «Wir haben oft darüber diskutiert. Er hat mir auch seine Unterlagen gezeigt», erzählt der Mitarbeiter. Er habe Salzmann dann zu bedenken gegeben, dass er fast zu perfekt sein wolle.

Einen fixen Arbeitsplatz braucht er nicht

Das Bürosystem der Versicherung ist für den FDP-Kandidaten eine gute Variante. «So könnte das Stadthaus funktionieren», begründet er. Bei der Axa werde kaum noch mit Papier gearbeitet, und nicht mehr alle hätten einen fixen Arbeitsplatz, sondern einen Spind, und arbeiten, wo es Platz hat. «Ich kann überall arbeiten, finde das spannend, und der Informationsfluss ist vielfältiger», erzählt er. «Ein eigenes Büro ist mir wurst.» Salzmann hat nicht nur mit Schweizer Kollegen zu tun. Er ist für die Revision in zehn Ländern verantwortlich. «Bei uns läuft daher viel über Skype. Einmal im Jahr gibt es ein Treffen in Köln.» Er kann daher perfekt Englisch. «Mit Französisch hätte ich ein Problem», gibt er zu. Wenn Salzmann von seiner ­Arbeit spricht, spürt man seine Begeisterung. Dennoch würde er gerne das Stadtpräsidium übernehmen. «Nach zehn Jahren ist es Zeit für etwas Neues. Ich hätte aber kein Problem, hier weiter zu machen, wenn es nicht klappt.»

Bis zur Wahl am 26. November will er die Stimmbürger von sich und seinen Ansichten überzeugen. «Wir müssen in Kreuzlingen weitere Industrie ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen. Kreuzlingen soll von einer Schlaf- zu einer Arbeitsstadt werden», zählt er eines seiner Kernthemen auf. «Wir müssen jederzeit bereit sein, sollte ein Investor anklopfen.» Dafür benötige man dringend neues Industrie- und Gewerbeland. Er denkt dabei an das Gebiet Kreuzlingen Süd neben der Autobahn. «Mit dem Kanton würde ich diesbezüglich Tacheles reden.» Salzmann will auch die Oberlandstrasse vorantreiben. «Wir müssen mit den Gemeindepräsidenten in der Region sprechen und eine Einigung erzielen. Sonst wird die OLS nie gebaut.» Auch das Thema Sicherheit ist ihm wichtig. «Wenn das Empfangs- und Verfahrenszentrum zu einem Ausreisezentrum wird, besteht die Gefahr, dass die Kriminalität steigt.» Dem müsse man entgegenwirken. Dem neuen «Egelsee» steht er diesmal offen gegenüber. «Wichtige Punkte bei der Schwimmhalle, die ich kritisiert hatte, sind ausgemerzt.»

Es kursieren Gerüchte, dass manche Mitarbeiter auf der Stadtverwaltung Angst vor seiner fordernden Art hätten. Das trifft den dreifachen Familienvater. «Die Angestellten sind Spezialisten in ihren Gebieten. Ich rede ihnen sicher nicht in ihre Arbeit rein.» Er würde Fragen stellen, auch kritische, und dann die Antworten interpretieren. Das sei seine Aufgabe. «Ich habe auch eine Engelsgeduld. Vor mir muss doch niemand Angst haben.» Zudem würde er nie einfordern, was er nicht vorlebe. Weiterbildung sei ihm zum Beispiel sehr wichtig. Wenn man miteinander vorwärtskommen wolle, müsse man sich ständig hinterfragen und lernen. «Damit fange ich immer bei mir selber an.»

Von der Musik in die Politik gewechselt

Salzmann hat eine musikalische Seite. Er spielt Saxofon. Zehn Jahre lang hat er zum Beispiel den Musikverein Eintracht Güttingen als Dirigent geleitet. «Das Vereinsleben war mehr, als nur zusammen zu musizieren. Das hat grossen Spass gemacht.» So schlimm könne er also nicht gewesen sein, kommt er auf die Befürchtungen aus der Verwaltung zurück. Mit der Musik aufgehört hat er, weil er entschieden hat, in die Politik zu gehen. Für die FDP sitzt er im Gemeinderat. «Wenn ich etwas mache, dann richtig», begründet er. Bei der Verabschiedung kommt noch eine Frage auf: Darf man ihm nur Alex sagen? Ungerne. «Denn Alex ist keine Melodie, sondern tönt nur nach Ta-ta. Alexander hingegen tönt viel besser: Ta-ta-taaa-ta.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.