KREUZLINGEN: Er besucht jeden Hafen

Rolf Zwicky, Präsident des Yachtclubs, ist Kapitän des Segelboots Imperator. Dieses gehört ihm nicht nur, er hat das Schiff auch selbst entworfen.

Viola Stäheli
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Rolf Zwicky steht auf seinem Segelboot Imperator. Seit sieben Jahren fährt er damit kreuz und quer über den Bodensee. (Bild: Donato Caspari)

Rolf Zwicky steht auf seinem Segelboot Imperator. Seit sieben Jahren fährt er damit kreuz und quer über den Bodensee. (Bild: Donato Caspari)

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Die Segel sind eingepackt. Die «Imperator» schaukelt sanft. Sie ist fest am Steg angebunden. Rolf Zwicky steht stolz vor dem Schiff. Ihm gehört es – und nicht nur das: Er hat es selbst entworfen. «Nein, das ist nicht mein erstes Schiff», sagt er. Zwicky kann auf eine langjährige Segelkarriere zurückblicken und hat schon die unterschiedlichsten Schiffstypen ausprobiert. «Diese Erfahrungen habe ich alle verwendet, als es ­darum ging, einen Entwurf anzufertigen», erzählt der 59-Jährige. Ein Designer aus England hat ihm geholfen. Anschliessend liess Zwicky das Schiff nach dem Plan bauen, werkelte aber auch selber daran. «Vor allem das ­Innenleben habe ich selbst gemacht», sagt der Bottighofer. Für ihn war das eine ziemliche Herausforderung – er ist gelernter Informatiker und hat nur bedingt handwerkliche Kenntnisse. Er ist aber mit dem Endergebnis zufrieden. Seit sieben Jahren bringt ihn das Segelboot nun kreuz und quer über den Bodensee.

Ohne Radio und Kühlschrank geht es nicht

«Auf meinem Schiff dürfen auf keinen Fall ein Radio und ein Kühlschrank fehlen», sagt Zwicky. Ist er mit dem Schiff unterwegs, schätzt er es, Musik zu hören. Und dazu sollte im Kühlschrank stets ein kühles Bier oder auch eine Flasche Prosecco stehen. Zwicky ist so oft es geht mit seinem Schiff unterwegs. «Von Bottighofen her habe ich nur fünf Minuten an den Hafen», sagt er. Deshalb ist er manchmal auch spontan am Abend auf dem Wasser. Der Höhepunkt des Jahres sind aber die alljährlichen Sommerferien, die Zwicky mit seiner Partnerin auf dem Segelboot ­verbringt. In einer Woche ist es wieder so weit, dann wird das Paar sämtliche Häfen des Bodensees abfahren. Aufs Segeln gekommen ist Zwicky durch seine Schwester. Diese machte einst einen Ferienkurs – und nahm ihren damals 13-jährigen Bruder mit. «Da hat’s mich sofort gepackt», sagt Zwicky. Er begann bei den Junioren und nahm nach und nach an internationalen Regatten teil. 1984 qualifizierte sich ­Zwicky ­sogar für die Olympiade. ­Inzwischen ist seine Zeit im Hochleistungssport vorbei. Zwar macht er nach wie vor bei kleineren Regatten in der Nähe mit, bei denen ihn durchaus der Ehrgeiz wieder packt. Aber im Grossen und Ganzen geht er es nun ­ruhiger an. «Aber klar, ich achte schon darauf, dass die Segel stets richtig ­gestellt sind – und mein Boot ist auch nicht das langsamste», sagt er schmunzelnd. Zwicky engagiert sich nach wie vor für den ­Segelsport: Er ist Präsident des Yachtclubs Kreuzlingen. «Früher habe ich viel von Clubs erhalten, jetzt ist es an der Zeit, etwas zurückzugeben. Und das ist meine Erfahrung.» Vor kurzem ist er zudem in den Zentralvorstand des Landesverbandes Swiss Sailing gewählt worden. Am Segeln fasziniert ihn vor allem die Vielseitigkeit. Egal, welches Alter – das Segeln bietet für jeden etwas. «Ausserdem ist das Segeln deshalb spannend, weil man auf den Wind angewiesen ist», sagt Zwicky. Diesem muss man sich anpassen – dafür gleitet das Boot lautlos übers Wasser.