KREUZLINGEN: Enzler bei den Langfingern

Der Appenzeller Kabarettist spielte im ausverkauften Theater an der Grenze im Rahmen des KiK-Festivals.

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Kleine Freuden im Alltag des Kleinbürgers: Simon Enzler erklärt voller Stolz seinen Insektenvernichter «Eurokill 80». (Bild: Urs Brüschweiler)

Kleine Freuden im Alltag des Kleinbürgers: Simon Enzler erklärt voller Stolz seinen Insektenvernichter «Eurokill 80». (Bild: Urs Brüschweiler)

«Besser ab und zu fluchen, aber dafür sonst ein Feingeist.» Wobei Simon Enzler darauf besteht, dass die Flucherei höchstens die Hälfte der Zeit auf der Bühne einnehme. Wenn den Appenzeller Kleinbürger der heilige Zorn packt, wird der Umgangston herb. In seinem Programm «Primatsphäre», dass Enzler am Samstag bei «Kabarett in Kreuzlingen» zeigte, erklärt er, worauf es beim Fluchen ankommt. «Wichtig ist das Du. Das macht es viel persönlicher.» Wie etwa bei: «Du Plutschguuge, du elendigi.»

Fremde sind suspekt – besonders Thurgauer

Fast zweieinhalb Stunden sinniert Enzler in verschiedenen Episödchen über alltägliche Themen wie Klettverschluss, Stauseen oder Einkaufstourismus. Und er legt dem kleinkarierten Schweizer mit seinen zynischen Monologen den Finger in die Wunden. Was fremd ist, ist dem Innerrhödler Katholik schon einmal eher suspekt. Der Islam ist ihm dabei eigentlich noch egal, aber wenn der Nachbar «bschütted», treibt ihm das die Zornesröte ins Gesicht. Die Thurgauer sind dem Meister der Dialektsatire natürlich auch einige Sprüche wert. Die fehlende Wasserflasche auf der Bühne lässt ihn spontan an der moralischen Integrität des Publikums zweifeln. Ob sie denn überhaupt etwas verstanden habe, fragt Simon Enzler am Ende eine deutsche Zuschauerin. Man brauche natürlich schon etwas Fantasie, um seinem urigen Appenzeller Idiom folgen zu könne. Doch versucht er seine Ausdrücke unbedarft und holprig ins Hochdeutsche zu transferieren, wird seine zur Schau gestellte Selbstgerechtigkeit zur träfen Komik. Die Zuschauer freuen sich spitzbübisch über Enzlers Auftritt. Er bedient die helvetischen Klischees, sodass sich jeder ein wenig ertappt fühlt oder mindestens den Nachbarn wiedererkennt. Der Gast vom Alpstein kommt an beim Publikum. Eine Zugabe gibt er nur widerwillig. «Verdammti saublödi Mode das. Fertig heisst fertig.»

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler

@thurgauerzeitung.ch