KREUZLINGEN: Eis im Ballon

Sportler und das Fernsehen sollen Platz haben in der Bodensee-Arena. Der Stadtrat legt einen Kompromissvorschlag mit einem zusätzlichen Eisfeld vor.

Urs Brüschweiler
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Hotel, Restaurant, Kunsteisbahn, TV-Studio und Eventhalle: Die Bodensee-Arena wird vielfältig genutzt. (Bild: Andrea Stalder)

Hotel, Restaurant, Kunsteisbahn, TV-Studio und Eventhalle: Die Bodensee-Arena wird vielfältig genutzt. (Bild: Andrea Stalder)

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler

@thurgauerzeitung.ch

Die Zahlen zu den Kostenfolgen sind erst Schätzungen. Details wurden noch nicht verhandelt. Dennoch wird der Gemeinderat nächsten Donnerstag einen weitreichenden Entscheid fällen müssen. Das Schweizer Fernsehen möchte bekanntlich von 2019 bis 2027 jeweils von September bis Mai die Bodensee-Arena fix belegen (unsere Zeitung berichtete). Für die anderen Nutzer der Halle war dies eine Hiobsbotschaft. Insbesondere der Eishockey-Club sieht sich in seiner Existenz bedroht und legte in der Folge ein eigenes Nutzungskonzept vor. Ein «Kompetenzzentrum für Eissport» schwebt ihm vor, in Zusammenarbeit mit der Nationalen Elite-Sportschule, welche ihre Talente künftig lieber in Kreuzlingen als in Romanshorn trainieren sähe.

Die Entscheidung wird weitergeschoben

Der Entscheid über ihre Mieter liegt grundsätzlich bei der Bodensee-Arena AG. Als Unternehmen im hundertprozentigen Besitz der Stadt Kreuzlingen holt sich der Verwaltungsrat jedoch beim Stadtrat zuerst grünes Licht. Der Stadtrat delegierte den Entscheid nun an den Gemeinderat weiter, indem er ihm nächsten Donnerstag eine Botschaft über eine Ergänzung des Baurechtsvertrags zwischen Stadt und Arena vorlegt. Darin soll neu explizit festgehalten werden, dass die Bodensee-Arena einem Veranstalter die Halle auch über längere Zeit exklusiv zur Verfügung stellen darf. Das Stadtparlament wird formal nur über diese Passagen befinden. Doch die Botschaft enthält auch die Gegenüberstellung mehrerer Nutzungsmodelle mit Schwerpunkten eher beim TV oder beim Eissport. Die Varianten wurden von der Stadt in Zusammenarbeit mit der Arena und den Eissportlern aufbereitet. Eines dieser Modelle, ein Kompromiss, der ein Nebeneinander möglich machen soll, empfiehlt der Stadtrat zur Weiterverfolgung. Sagt der Gemeinderat also am Donnerstag Ja, werde das auch als Zusage zu diesem Modell verstanden, erklärt Stadtpräsident Andreas Netzle.

Traglufthalle auf dem Parkplatz

Das bevorzugte Konzept erlaubt den Abschluss des Vertrags mit dem SRF. Die fehlende Eiszeit würde dafür mit einem zusätzlichen Eisfeld auf dem heutigen Parkplatz kompensiert und sogar etwas ausgeweitet. Überdeckt würde die Eisfläche mit einer Traglufthalle, einem Ballon. Technisch wäre das machbar, sagt Stadtpräsident Andreas Netzle. Die Planung sei jedoch noch nicht weit fortgeschritten. Die Investitionskosten für den «Ballon» müsste die Bodensee-Arena tragen, knapp eine Million Franken sind es gemäss deren Schätzung. «Alles, was wegen des Schweizer Fernsehens gebaut werden muss, muss durch die Mehreinnahmen gedeckt sein», betont Stadträtin Dorena Raggenbass. Die künftigen Beiträge der Stadt an die Arena würden in dieser Modellberechnung also bei 400000 Franken pro Jahr bleiben. Ausser dem möglichen Wegfall der Defizitgarantie von 100000 Franken kostete der Hallenbetrieb den Steuerzahler also gleich viel wie heute.

Beim Nein drohen der Stadt höhere Beiträge

Sagt der Gemeinderat Nein zur Baurechtsänderung, verabschiedet sich das Fernsehen aus Kreuzlingen. Eventuell würde dann das reine Eissportzentrum favorisiert. Die Berechnungen der finanziellen Folgen driften dabei auseinander, je nachdem ob die entsprechende Hochrechnung von der Arena oder vom Hockey-Club stammen. Für die Stadt sei jedoch wahrscheinlich, dass ihr jährlicher Beitrag an die Bodensee-Arena dann erhöht werden müsste. Für eine solche Aufstockung wäre aber die Zustimmung des Gemeinderates oder der Stimmbürger nötig.

Egal welches Konzept zum Zuge kommt, weitere Investitionen in die Arena sind sowieso bereits geplant. Zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Franken wird die Stadt in den nächsten Jahren unter anderem für ein neues Lagergebäude ausgeben.