KREUZLINGEN: Eine mit grossem Gerechtigkeitssinn

Beim Lunch mit Edith Wohlfender: Die TZ hat die SP-Kandidatin für das Stadtpräsidium im Büro abgeholt und mit ihr die Mittagspause verbracht. Gesprächsthemen waren ihre Kindheit, der vielfältige Beruf und eine attraktive Stadt.

Martina Eggenberger Lenz
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Im Altersheim Lindenhof hat sich Edith Wohlfender einen Salat vom Buffet geholt. (Bild: Urs Bucher)

Im Altersheim Lindenhof hat sich Edith Wohlfender einen Salat vom Buffet geholt. (Bild: Urs Bucher)

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@

thurgauerzeitung.ch

Edith Wohlfender mag es, in der Mittagspause ein paar Schritte an der Sonne zu gehen und frische Luft zu schnappen. Deswegen zieht es sie meist gar nicht in ein Restaurant. Für den kleinen Hunger genügen ihr ein bisschen Obst oder Gemüse. Richtig essen tut sie lieber abends, zusammen mit ihrem Mann. «Wir kochen beide gerne.» Da sie zum Lunch mit den Journalisten verabredet ist, hat sie dennoch einen Tisch reserviert. Es geht zum Altersheim Lindenhof. Dieses ist nur einen kurzen Fussmarsch von ihrem Büro in St. Gallen entfernt. «Mir gefällt der Ort, weil man hier in Ruhe reden kann», begründet Edith Wohlfender ihre Wahl. Es ist sogar genug warm, um draussen zu sitzen. Die Kreuzlingerin bestellt das vegetarische Menu. Zuerst gibt es einen Salat vom Buffet, danach Kichererbsen, Gemüse und Polenta. «Ich esse seit drei Jahren kein Fleisch mehr», erzählt die 57-Jährige. Das habe sie so entschieden.

Die Umfahrung hat die Politikerin in ihr geweckt

Die SP-Frau ist auf einem Bauernhof in Schmidshof in der Gemeinde Bussnang aufgewachsen. Sie hat sechs Geschwister. Das Elternhaus sei zwar interessiert gewesen, aber nicht politisch, sagt Wohlfender. Auch sie war lange nicht in einer Partei aktiv, habe jedoch schon früh über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügt. Dann ging es an ihrem Wohnort Kreuzlingen, wo sie mit Mann und Kindern seit über zwanzig Jahren lebt, darum, ob eine Südumfahrung gebaut werden soll. «Da habe ich mich erstmals so richtig engagiert.» Bekanntlich gegen die Strasse, oder wie Wohlfender sagt, gegen die Trennung der Stadt vom Naherholungsgebiet. Weil die Partei zu ihren Überzeugungen passt, entschied sich Wohlfender anschliessend, für die SP bei den Gemeinderatswahlen anzutreten. Der Rest ist bekannt. Die Spätzünderin hat eine beachtliche politische Karriere zurück gelegt. Apropos Karriere: Edith Wohlfender ist eine Frau, die sich offensichtlich sehr mit ihrer Arbeit identifiziert. Sie spricht gerne über ihren Job als Geschäftsleiterin des Berufsverbandes der Pflegefachleute, in welchem sie für vier Kantone und mehr als 3000 Mitglieder zuständig ist. Aber auf den Punkt bringen, was sie in dieser Funktion den ganzen Tag macht, scheint nicht einfach. Wohlfender hat berufspolitische, gesundheitspolitische und gewerkschaftliche Aufgaben. «Mein Stellenprofil ist drei Seiten lang.» Seit sieben Jahren setzt sie sich schon für ihre Berufsleute ein. Davor arbeitete die gelernte medizinische Praxisassistentin als Leiterin der Thurgauer Lungenliga.

Die Geschäftsstelle befindet sich in einem modernen Bau in St. Fiden. Alle Räume liegen im Sous-Parterre, so auch Wohlfenders kleines Büro, das sehr aufgeräumt wirkt. Sie sei relativ häufig unterwegs, erklärt die Chefin. Auch Abendtermine sind für sie normal. Das Team, das Wohlfender führt, ist klein und besteht ausschliesslich aus Frauen. Alle arbeiten Teilzeit. «Das ist mir ein besonderes Anliegen, dass Frauen auch in der Familienphase arbeiten können.» Sie selbst hat es vorgelebt. Heute sind die zwei Söhne erwachsen und ausser Haus.

Sie lässt Mitarbeiter mitentwickeln

Und, wie ist die Kreuzlingerin als Vorgesetzte so? Die einzige anwesende Mitarbeiterin kann Positives berichten: «Frau Wohlfender ist offen, geht auf mich ein und sie lässt mich eigene Ideen umsetzen.» Das Arbeitsklima in der Geschäftsstelle sei super. Man wechsle auch private Worte. Die Schilderungen decken sich mit Edith Wohlfenders Aussage, dass sie einen partizipativen Führungsstil pflegt. Es sei ihr wichtig, Stärken von Mitarbeitern zu erkennen und zu fördern. Diesen Weg würde sie auch im Stadthaus weitergehen wollen. Womit das Gespräch bei Kreuzlingen angekommen ist. Die Hauptanliegen der Kandidatin sind die lebenswerte, erschwingliche Stadt auch für Familien und Ältere und sichere Schul- und Velowege. Es gebe in Kreuzlingen zum Beispiel zu wenig günstigen Wohnraum, meint die SP-Frau. Sie will Wohnbaugenossenschaften fördern. Als Stadt müsse man einer solchen Bauland im Baurecht zur Verfügung stellen. Auch fehlen ihr Begegnungsorte in den kleinräumigen Strukturen, wo man sich treffen und aufhalten kann, unter anderem Spielplätze. Und leider werde trotz vielen 30er-Zonen zu schnell gefahren. Es gebe zu viele Gefahrenzonen für Fussgänger und Velofahrer. Das weiss Wohlfender aus Erfahrung. Beide Söhne wurden in Kreiseln schon von Autos angefahren.

Hat sie einmal ein paar Stunden frei, dann beschäftigt sich Edith Wohlfender gerne im Garten oder kreativ. Sie fertigt Tonfiguren an. Das Hobby hat sie schon vor Jahren für sich entdeckt. Ausserdem besucht die Kreuzlingerin gerne Kleinkunstveranstaltungen, zum Beispiel im Theater an der Grenze. In den Ferien geht sie gerne campen. Die Familie hat einen Wohnwagen. «Das bedeutet für mich einfach ein Stück Freiheit.» Die Mittagspause wird mit einem Espresso und einem kleinen Dessert abgeschlossen. Dann muss Edith Wohlfender zurück ins Büro. Sie verabschiedet sich mit einem herzlichen Händedruck.