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KREUZLINGEN: Eine Liebeserklärung an Bäume

Die blinde Autorin Yvonn Scherrer sorgte im Museum Rosenegg bei ihrer Lesung für berührende Momente. Sie las aus ihrem Werk «Bäumig» vor.
Nach der Lesung signiert Yvonn Scherrer Bücher. (Bild: Manuela Olgiati)

Nach der Lesung signiert Yvonn Scherrer Bücher. (Bild: Manuela Olgiati)

Früher Sonntagabend im gut gefüllten Stucksaal des Museums Rosenegg: «Als kleiner Vorgeschmack auf die Reihe Literatur in den Häusern, die am 4. in Konstanz und 18. Februar in Kreuzlingen stattfindet, dürfen wir heute mehr Publikum begrüssen.» Mit diesen Worten stellte Pauli Stähli von der Gesellschaft für Musik und Literatur Kreuzlingen den 50 Zuhörern die Bücher seines Gastes vor.

Die seit früher Kindheit blinde Aromatherapeutin, Radio-Journalistin und Buchautorin Yvonn Scherrer nahm die Zuhörer mit auf eine literarische Reise und liess sie in die Welt von alten Bäumen hineinlauschen und -riechen. Applaus im Saal. Taschentücher mit Zitronenöl machen die Runde, auch weitere Öle werden herumgereicht. Wie fühlt sich Eibe an? «Schmöcked ihr dr Gruch vor Ärde?», fragt die warme Stimme von Yvonn Scherrer, während eine hölzerne Kugel von Hand zu Hand gleitet.

«Duft ist eine Sprache, die ohne Worte auskommt», sagt sie über ihre Experimente in breitem Berner Dialekt. Auch Farben sind ihr wichtig. Diese spielen in der Fantasie. «Das Riechen ist ein Ursinn.»

Geschichten, die Menschen mit Bäumen haben

Ihr Blick hängt über dem Publikum. Die Hände gleiten über das Lesegerät, auf welchem die Autorin die Texte ertastet. Es sind zwölf kurze Geschichten aus dem neusten Buch, das 2017 im Cosmos Verlag erschienen ist und «Böimig» heisst. Das dritte Buch der Autorin beschreibt Geschichten, die Menschen mit Bäumen haben. Eine Liebeserklärung gibt sie an den Apfelbaum ab, weil er im Thurgau gedeihe – dann erzählt sie von der Sommerlinde, dem Überlebenskünstler Ginkgo und weiteren Baumarten. Im Buch erhalten 40 Bäume eine witzige Stimme. Lebensbäume seien Sinnbild und Vorbild des Menschen, sagt Yvonn Scherrer. Es müssten zwei Bäume sein. Einer für das Lachen, der andere für den Gesang, einer für den Vollmond, der andere für den Leermond, einer für die Erfahrung, der andere für die Lebensessenz.

Zu hören sind Textpassagen, die einem das Flüchtige des Sehens eher klein erscheinen lassen. Dann, wenn sie die Intensität des langsamen Tastens und Berührens mit den Sinnen beschreibt. Beeindruckt lauschte das Publikum den Texten in Berner Mundart. «Fasziniert, wie farbig und bildhaft die Autorin erzählt», sagt Besucherin Roswitha Lippuner aus Kreuzlingen im Anschluss. Die Texte lassen über die Bedeutung nachdenken, was man mit den eigenen Augen sehen und durch Zwischentöne sonst noch wahrnehmen kann.

Manuela Olgiati

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

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