KREUZLINGEN: Ein Platz für sexuelle Fantasien

Ein neues Kunstwerk bereichert die Stadt: Markus Brenner installiert im Bellevue-Areal eine Couch. Diese erinnert an Siegmund Freuds Liegesofa und all das, was sich hier einst zugetragen hat.

Drucken
Teilen
Ein lauschiger Platz am Grenzbach: So stellt sich Markus Brenner «Die Couch» vor. (Bild: PD)

Ein lauschiger Platz am Grenzbach: So stellt sich Markus Brenner «Die Couch» vor. (Bild: PD)

«Die Couch» von Markus Brenner heisst das Siegerprojekt des Wettbewerbs «Entdeckung des Stadtraumes», den die Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen zum vierten Mal ausgeschrieben hat. Mit dem Bellevue-Areal stand ein historisch geprägter Stadtteil im Visier. Die sechsköpfige Jury wählte in zwei Durchgängen von den 28 Eingaben das Siegerprojekt und vergab einen zweiten und dritten Platz, wie die Stadt Kreuzlingen mitteilt. Brenner konzentrierte sich auf die Geschichte des Ortes als ehemalige psychiatrische Heilanstalt und insbesondere auf die 45-jährige leitende Tätigkeit Ludwig Binswangers, der eine enge Freundschaft zu Siegmund Freud pflegte. Mit seinem Entwurf bezieht sich Brenner auf Freuds Liege­sofa. Freud gilt als Begründer der Psychoanalyse, der die Behandlung psychischer Krankheiten massgeblich veränderte.

Der Entwurf zeigt eine Sitzbank mit integriertem Kissen aus schalglattem Beton, das auf einem Fundament aus Kies und Magerbeton aufgestellt werden wird. Es wird sowohl am Tag wie auch in der Nacht sichtbar sein. Am Abend projiziert eine Lichtquelle das Bild eines Orientteppichs auf das Sofa und beleuchtet zusätzlich den Gehweg. Nebst Kissen zählt der Orientteppich zur typischen Ausstattung von Freuds Liegesofa. Mit Hilfe dieser einfachen Mittel soll eine Atmosphäre geschaffen werden, die ein offenes Sprechen über Tagträume, Erzählungen und sexuelle Fantasien begünstigt.

Wer sich hinlegt, wird ein Teil des Kunstwerks

Wer sich in der Nacht auf die Liege legt, wird Teil der Projektion und des Kunstwerks. Hingegen präsentiert sich «Die Couch» am Tag in einem nüchternen grau-weissen Farbton. Über die Ma­terialität thematisiert der Künstler Gegensätze wie Härte und Weichheit, was eine gedankliche Verknüpfung zur Therapieform zulässt. Brenner hat sowohl für den Tag wie auch für die Nacht jeweils eine funktional und formal gelungene Situation geschaffen, die in ihrer Ausführung sehr durchdacht ist. Die Arbeit sei formalästhetisch und inhaltlich überzeugend, wie es heisst.

Das Projekt ist mit geringem technischem Aufwand realisierbar und einfach zu unterhalten. Der genaue Standort wird noch definiert. Für das Projekt stehen 20000 Franken zur Verfügung. Die Zweit- und Drittklassierten erhalten ein Preisgeld von je 500 Franken. (red)

Ausstellung:

Die 28 eingereichten Projekte werden am 12. Mai von 18 bis 20 Uhr sowie am 13. Mai von 11 bis 14 Uhr im Haus Trösch an der Hauptstrasse 42 öffentlich präsentiert.