KREUZLINGEN: Die SP setzt auf Erfahrung

Edith Wohlfender bewirbt sich fürs Stadtpräsidium. Die 57-Jährige war in der kommunalen und ist in der kantonalen Politik aktiv. Sie hofft auf die Unterstützung der Frauen.

Nicole D’orazio
Drucken
Teilen
Edith Wohlfender, hier im Grossen Rat, möchte Kreuzlinger Stadtpräsidentin werden. (Bild: Donato Caspari)

Edith Wohlfender, hier im Grossen Rat, möchte Kreuzlinger Stadtpräsidentin werden. (Bild: Donato Caspari)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio@thurgauerzeitung.ch

Seit zehn Jahren Kantonsrätin, neun Jahre Gemeinderätin und nun möchte sie Kreuzlinger Stadtpräsidentin werden: die SP-Frau Edith Wohlfender. Die 57-Jährige wurde vom Parteivorstand am Mittwoch nominiert. Am 22. September findet die offizielle Nomination an der SP-Mitgliederversammlung statt, wie es in einer Mitteilung heisst. Dann werde auch das Wahl- und Unterstützungskomitee präsentiert.

«Ich hatte in den letzten Wochen immer mal wieder den Gedanken, als Stadtpräsidentin zu kandidieren», sagt Wohlfender. «So ein Gedanke muss jedoch reifen, was in den Sommerferien der Fall war. Auch nach Gesprächen mit meinem Mann.» Nun springt sie aufs Kandidatenkarussell auf. «Ich möchte Kreuzlingen wieder ein Gesicht geben.» Es brauche ein Zentrum, eine Begegnungsstätte, welche die Leute anziehe und sich so Leben entwickelt. Zum Beispiel neue Geschäfte. «Für die Stadt sind innovative Ideen und neuer Raum gefragt.» Es gehe nicht nur um den Boulevard, sondern auch darum, wie man eine Verbindung vom neuen Stadthaus zum Boulevard schlagen kann. «Man muss das Gebiet entwickeln.»

Sie kann auch gut mit Zahlen umgehen

Als Kantonsrätin (seit 2007) und frühere Gemeinderätin (von 2003 bis 2012) setzt sie ihre politische Schwerpunkte in der Gesundheits- und Familienpolitik. Doch auch mit Zahlen kennt sich Wohlfender aus. Sie arbeitet als Geschäftsleiterin des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachpersonen der Kantone St. Gallen, Thurgau und der beiden Appenzell. «Ich habe einen Master in Management of Social Services. Dazu gehört natürlich die Betriebswirtschaftslehre.» In einer früheren Anstellung als Leiterin der Lungenliga habe sie diese zu einer modernen Non-Profit-Organisation entwickelt und gute Jahresergebnisse erzielt, sagt die Kreuzlingerin. «In meiner aktuellen Tätigkeit habe ich weniger Mittel zur Verfügung. Mit diesen müssen wir haushälterisch umgehen und sie gut einsetzen. Trotzdem sind Innovationen möglich.» Wohlfender möchte bis 65 Jahre arbeiten. «Das ist für mich schon länger klar.» Sie würde als Stadtpräsidentin deswegen zwei Legislaturen anstreben.

Im Fall der Geschlechterfrage sei sie bestimmt keine Alibi-Frau, betont sie. «Ich habe einen Leistungsausweis, der mich für das Amt qualifiziert.» Dennoch zähle sie stark auf die Unterstützung der Frauen. «Die Anliegen von uns Frauen sind mir sehr wichtig, und ich habe mich immer stark für sie eingesetzt.» Im Grossen Rat würde Wohlfender als Stadtpräsidentin bleiben. «Es ist wichtig, dass die Stadt Kreuzlingen vertreten ist. Man ist nahe am politischen Geschehen.»

Die Geschlechterfrage war nicht entscheidend

Der SP-Vorstand hat Edith Wohlfender aus mehreren Kandidaten ausgewählt. «Dass sie eine Frau ist, spielte eine Rolle, war aber nicht das Schlüsselkriterium», sagt Ortspräsident Cyrill Huber. «Sie bringt das Gesamtpaket mit.» Die SP möchte eine Person im Stadtpräsidium, die die Kreuzlinger Themen wie das Stadthaus, die Verkehrslenkung, den Boulevard, den Stadtbus oder die sozialen Brennpunkte bestens kennt, und die Umsicht hat, um dem Gewerbe und der multikulturellen Bevölkerung eine lebenswerte Stadt zu erhalten. Die Genossen wünschen sich eine mutige und zukunftsgerichtete Finanzpolitik und keine praktizierte Verzichtsplanung, um möglichst positive Finanzabschlüsse zu erzielen.