KREUZLINGEN: Die Basis ist ihm wichtig

Beim Lunch mit David Blatter: Die TZ hat den Kandidaten der SVP für das Stadtpräsidium während einer Mittagspause begleitet. Er öffnete die Tür zu seinem Büro, gab Privates preis und sagte, was er in Kreuzlingen ändern will.

Martina Eggenberger Lenz
Merken
Drucken
Teilen

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@

thurgauerzeitung.ch

Dieser Mann wird hier hoch­geschätzt. Das wird beim Besuch auf der Gemeindeverwaltung von Langrickenbach, wo David Blatter als Gemeindeschreiber arbeitet, sofort deutlich. Die Stimmung in der einfach eingerichteten Amtsstube ist locker. Die Türen zu den einzelnen Büros stehen offen. Zwei von sieben Mitarbeiterinnen sind an diesem Morgen da. David Blatter ist im Gemeindehaus Hahn im Korb. Die Frauen arbeiten alle Teilzeit, er ist der einzige Hundertprozentler im Haus.

Gefragt nach dem Chef, geraten die Anwesenden ins Schwärmen. Blatter habe vor zwei Jahren, als er hier anfing, keine einfache Situation angetroffen. Es gab Wechsel im Team, Ausfälle. «Er hat das bravourös gemeistert und Ruhe reingebracht», sagt eine langjährige Verwaltungsmitarbeiterin. «Er bewahrt immer einen ruhigen Kopf, auch bei schwierigen Kunden. Und er stärkt uns Mitarbeiterinnen stets den Rücken», erzählt eine andere Angestellte. Hierarchiedenken sei Blatter fremd. «Er ist kein Chef, dem man den Kaffee bringen muss.»

Teilzeitamt ging nicht mehr auf

Auch im Restaurant Kreuzstrasse in Zuben ist der Gemeindeschreiber ein gern gesehener Gast, den man mit Namen grüsst. An diesem Tag ist grad noch Mittagstisch für Senioren. Blatter geht auf die Leute zu, schüttelt Hände, wechselt ein paar Worte. Das Restaurant ist voll besetzt. Der «Stadtpräsi»-Kandidat hat es vorgeschlagen, weil ihm die ­Atmosphäre in der Landbeiz ­gefällt und weil er die gutbürgerliche Küche mag. Das Menü ist Riz Casimir, dazu gibt’s Suppe und Salat. Der 50-Jährige verzichtet auf Letzteren. «Alles zusammen ist etwas viel.» Zu trinken bestellt er ein Cola Zero. Normalerweise fährt Blatter über Mittag nach Hause, um mit seiner Frau und deren Sohn zu essen. Für diese kleine Auszeit im Arbeitsalltag nimmt er die zehnminütige Autofahrt gerne in Kauf.

2015 ist David Blatter nach zwei Legislaturen als Stadtrat zurückgetreten. Damals betrug das Pensum noch 50 Prozent. Im Endeffekt habe er wohl aber 75 Prozent für das Amt aufgewendet. Dazu kamen das Kantonsratsmandat und weitere Ämter. «Ich hatte keine Kapazität mehr für die Selbstständigkeit.» Klar profitiere man als Stadtrat von einer «schönen Entschädigung». Nur reiche diese eben doch nicht, wenn man gewisse Verpflichtungen habe, übt Blatter vorsichtige Kritik am System mit den Teilzeitämtern. Das Stadtpräsidium sei für ihn damals kein Thema gewesen. «Ich trete doch nicht gegen einen Kollegen an.» Jetzt, wo das Vollamt frei ist, reize es ihn aber sehr. Da könne man sich auf eine Sache konzentrieren. Weil er das Stadtpräsidium als 100-Prozent-Job versteht, schliesst David Blatter eine Rückkehr in den Kantonsrat aus. Der Wechsel von der Exekutive zum Gemeindeschreiber vor zwei Jahren sei schon eine Herausforderung gewesen. Die vorherige Stelleninhaberin war schon weg. Der Neue musste vieles ad hoc lernen. Doch in der kleinen Gemeinde hat Blatter einen starken Zusammenhalt ausgemacht. Am Anfang sei es ihm schon ein bisschen schwer gefallen, in den Gemeinderatssitzungen den Mund zu halten. «Ich wollte auf keinen Fall zu sehr dreinreden.»

David Blatter ist in Bottig­hofen aufgewachsen, in einer Arbeiterfamilie, wie er sagt. Er habe viel Zeit seiner Kindheit bei der Oma in Konstanz verbracht. Zwei Hobbys haben ihn viele Jahre begleitet: das Turnen und die Musik. Seit kurzem singt er im Männerchor Harmonie mit. In der Freizeit werke er gerne am Haus herum, sagt Blatter.

Seit zwanzig Jahren in der Politik aktiv

Zur Politik gebracht hat ihn ein Kreuzlinger Nachbar. Ob er nicht mal an einer SVP-Sitzung teilnehmen wolle, hatte dieser gefragt. Der Familienvater war knapp 30. «Es hat einfach gepasst: die Leute, die Gesinnung.» Und die SVP war auf Wachstumskurs. So gelang Blatter der Sprung in den ­Gemeinderat auf Anhieb, der Grundstein für die spätere politische Karriere war gelegt. Trotzdem ist der gelernte Banker kein Fundamentalist. Jede Partei habe etwas Gutes, sagt er. Ihm sei es wichtig, dass er seine eigene Auffassung vertreten könne.

Gefragt nach den wichtigsten Themen in Kreuzlingen, kommt der Kandidat auf den Verkehr zu sprechen. Der ehemalige Stadtbus-Verantwortliche würde zweigleisig fahren: einerseits ist ihm wichtig, dass der ÖV rund läuft und bevorzugt wird, etwa mit separaten Spuren und bei Kreiseln. Andererseits braucht es seiner Meinung nach auch zwei Verkehrsachsen durch die Stadt, sprich eine leistungsstarke ­Romanshornerstrasse. Auch die Spange Bätershausen möchte Blatter forcieren, «wenn das ­finanziell möglich ist».

Überhaupt die Finanzen: Geht es um Investitionen, zeigt sich Blatter von der vorsichtigen Seite. Die langfristige Tragbarkeit ist ihm bei einem Projekt am wichtigsten. Handlungsbedarf sieht er auch bei der Kommunikation. Dazu gehört für den Vertreter der Volkspartei auch, dass man sich die Basis anhört. «Ich habe schon das Gefühl, dass das in Kreuzlingen in der letzten Zeit zu wenig gemacht wurde.» Er diskutiere gerne von Mensch zu Mensch. Auch mit solchen, die anderer Meinung seien. «In der Politik hat man immer Gegner. Und manchmal tritt man jemandem auf den Fuss – aber bitte immer mit Anstand!», fasst David Blatter seine Überzeugungen zusammen.