KREUZLINGEN: Der Stadtschreiber tritt zur Wahl an

Thomas Niederberger gab gestern seine Kandidatur als Stadtpräsident bekannt. Einer Partei gehört der 47-Jährige nicht an. Sollte er gewählt werden, möchte er sich aber einer anschliessen.

Urs Brüschweiler
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Thomas Niederberger vor der Präsentation seiner Kandidatur. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Thomas Niederberger vor der Präsentation seiner Kandidatur. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Macht er es, oder macht er es nicht? Die Frage, ob Stadtschreiber Thomas Niederberger als Nachfolger von Stadtpräsident Andreas Netzle kandidieren will, wabert schon einige Monate durch die Stadt. Gestern hat er sie definitiv beantwortet. Und zwar mit Ja. «Nach reiflicher Über­legung und vielen Gesprächen habe ich mich entschieden», sagte der 47-Jährige gestern bei einer Presseorientierung im Restaurant Fischerhaus.

Familie und Umfeld haben ihn bestärkt

«In den vergangenen Wochen haben mich viele Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger immer wieder darauf angesprochen.» Das habe ihn gefreut. Aber auch persönlich wolle er nach 18 Jahren als Stadtschreiber – 12 Jahre in Romanshorn und seit 2011 in Kreuzlingen – den nächsten Schritt machen. Die Stadt sei ihm ans Herz gewachsen. Er und seine Familie fühlten sich sehr wohl hier und hätten in Kreuzlingen Wurzeln geschlagen. ­Niederberger ist seit zwei Jahren Präsident des Quartiervereins Kurzrickenbach und hat auch das beliebte Nationenfest aufgebaut.

Die Ausgangslage für den 26. November, den Tag der Ersatzwahl für den per Ende Juli zurückgetretenen Andreas Netzle, ist jedoch recht pikant. Denn der amtierende Stadtrat Ernst Zülle kandidiert ebenfalls, und beide arbeiten eng zusammen. «Wir haben ein gutes und offenes Gespräch geführt und sind uns einig: Egal, was bei der Wahl herauskommt, es soll unser berufliches wie privates Verhältnis nicht belasten.»

Auch für die Kreuzlinger Parteienlandschaft birgt Niederbergers Kandidatur Sprengstoff. Er ist heute parteilos und wird so auch den Wahlkampf bestreiten. «Ich bin aber der Meinung, dass ein Stadtpräsident einer Partei angehören sollte», sagt er und kündigt bereits heute völlig transparent an, dass er sich nach seiner Wahl einer Partei anschliessen würde. «Ich bezeichne mich als Mann der Mitte.» Nach seiner Auslegung gehören dazu die CVP und die FDP. Die entsprechenden Gespräche würde er dann aber erst nach einer erfolgreichen Wahl führen. Für den Wahlkampf wird Niederberger ein Unterstützungskomitee auf die Beine stellen. «Eine Kerngruppe besteht bereits.» Namen wolle er aber jetzt noch keine nennen. Wichtig sei ihm, dass die Gruppe möglichst breit abgestützt sei. «Wir werden in den nächsten Tagen die Arbeit aufnehmen.»

Viel Erfahrung und bestens vernetzt

Niederberger sieht Kreuzlingen als «attraktive und spannende Stadt mit tollen Heraus­forderungen und Projekten». Er habe durch seine Arbeit viel Erfahrung gesammelt und sei bestens vernetzt. Nun will er zusammen mit dem Stadtrat etwas bewegen und die Stadt vorwärtsbringen. Er sieht sich in einer vermittelnden Rolle und will alle Institutionen und Organisationen dazu bringen, an einem Strick zu ziehen. Er habe gute Drähte in viele Kreise, man kenne ihn als fairen und sozialen Menschen. Ein wenig schmeichelt er bereits dem Gewerbe, das er als wichtig für eine lebendige Stadt bezeichnet. Er wolle die Massnahmen zu deren Unterstützung und zur Stärkung des Zen­trums intensivieren.