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KREUZLINGEN: Der Beruf ist seine Bestimmung

Tobias Günter, Vikar der evangelischen Kirchgemeinde, wurde in einem festlichen Gottesdienst zum Pfarrer ordiniert. Er hielt eine beeindruckende Rede, und die vielen Kirchbesucher freuten sich mit ihm.
Desirée Müller
Die Ordination: Kirchenratspräsident Martin Schmidt und Vikar Tobias Günter im Beisein der Wegbegleiter und Unterstützer Damian Brot, Jonas Vetsch und Peter Solenthaler. (Bild: Desirée Müller)

Die Ordination: Kirchenratspräsident Martin Schmidt und Vikar Tobias Günter im Beisein der Wegbegleiter und Unterstützer Damian Brot, Jonas Vetsch und Peter Solenthaler. (Bild: Desirée Müller)

Desirée Müller

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

Tobias Günter strahlt. Der 28-Jährige steht am Eingang der Stadtkirche und begrüsst jedes Gemeindemitglied mit Handschlag und einigen persönlichen Worten. Wer einen Gottesdienst von Tobias Günter besucht, der kann davon ausgehen, dass er am nächsten Sonntag ebenfalls mit Namen begrüsst wird. Und das trotz seiner starken Sehschwäche. «Ich bin der Tobias, das ist einfacher», stellt er sich mit einem charmanten Lächeln den Leuten vor. Die Kirche füllt sich schnell. Um kurz vor zehn Uhr sind alle Plätze besetzt. Auch die Familie von Tobias Günter ist hier. «Ich bin so stolz auf ihn. Es gab immer wieder Momente, in denen er Zweifel bekam», erzählt seine Schwester Bettina Günter. Doch die Bedenken hielten zum Glück jeweils nicht lange an.

Er ist bereit für die Aufgabe

Pfarrer Damian Brot tritt vor die Gemeinde und lächelt seinen Schützling an, der gespannt in der ersten Reihe sitzt. «In den letzten eineinhalb Jahren hat Tobias sein Handwerk bei uns gelernt», ist sein Ausbilder überzeugt. Er sei überzeugt, dass Tobias Günter nun bereit dafür ist, als Pfarrer und Seelsorger zu arbeiten. Die Gemeinde hätte schnell gemerkt, dass der Beruf Tobias’ Bestimmung ist. Er strahle Tag für Tag Freude aus.

Nach einer musikalischen Einlage der Gospel Joy Singers übernahm Tobias Günter das Wort. Seine Stimme ist klar und selbstsicher. Kein Versprecher, kein «Ähm». Seine Reden lernt er meistens auswendig und spricht auf Schweizerdeutsch zu der Gemeinde. Er ist ein eloquenter Redner. Tobias Günter spricht davon, dass für jeden der Weg das Ziel sein sollte und man in einer Zeit der «Erledigungsmentalität» auch mal dem Herzen folgen soll. «Mit Gott verbindet man gerne Pflicht, Tugend und Strenge. Eine gewisse Verbissenheit. Doch der Weg mit Gott soll viel mehr mit Freude und Lust gefüllt sein. Man muss Gott nicht immer gefallen wollen. Viel mehr die Momente mit ihm im Alltag spüren. Manchmal ist es einfach ein schöner Sonnenaufgang oder eine Tasse Kaffee auf dem Balkon, die uns glücklich machen.»

Seine Botschaft, so offen und ehrlich überbracht, kommt sichtlich bei der Gemeinde an. Tobias Günters weltnahe, aktuelle Predigt wird mit lautem, ausgiebigen Applaus bedacht. «Einfach unglaublich schön, unfassbar», tönt es aus den Reihen.

«Die Ordination kann Dir niemand mehr nehmen»

Der St. Galler Kirchenratspräsident Pfarrer Martin Schmidt übernahm anschliessend die Ordination. «Die Ordination kann Dir niemand mehr nehmen. Sie gilt auch nicht nur für einen bestimmten Kanton. Sie wird Dich dein Leben lang begleiten», sprach Schmidt zu Tobias Günter. Dieser war nach dem Akt sichtlich gerührt. «Heute habe ich so viele herzliche, warme Worte erfahren dürfen», freute sich der junge Pfarrer. Zum Abschluss des Festakts sprach Günter seine erste Segnung an einem Gottesdienst und lud danach zu einem gemeinsamen Apéro ein.

Noch eine Weile in Kreuzlingen

Einige Zeit wird Tobias Günter noch in Kreuzlingen weiterarbeiten. Nebst verschiedenen Aufgaben in der Kirchgemeinde übernehmen, wird er ein Praktikum im Wohnheim Besmerhuus absolvieren. «Ich bin sehr glücklich, es war eine wunderbare Feier. Und jetzt habe ich tierischen Hunger», sagt Tobias Günter und verabschiedet den letzten Gast – natürlich mit Namen.

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