KREUZLINGEN: Den Kronprinzen gibt es nicht

Die Ausgangslage für die Suche eines neuen Stadtpräsidenten ist völlig offen. Trotzdem gibt es ein paar Namen von Personen, die ihren Hut in den Ring werfen könnten.

Urs Brüschweiler
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Die Kunstinstallation von Markus Brenner im Lichthof des Stadthauses, unweit des Stadtpräsidentenbüros. (Bild: Andrea Stalder)

Die Kunstinstallation von Markus Brenner im Lichthof des Stadthauses, unweit des Stadtpräsidentenbüros. (Bild: Andrea Stalder)

Der Stuhl des Chefs wird frei. Gesucht wird also ein Nachfolger, der die Geschicke der zweitgrössten Stadt im Thurgau in Zukunft leiten wird. Die Kreuzlinger Politik war darauf nicht vorbereitet. Entsprechend steht heute noch niemand in den Startblöcken. Über wahrscheinliche und weniger wahrscheinliche Bewerber kann man dennoch bereits spekulieren. Die politische Ausgangslage lässt fast alles offen. Ein Anspruch einer Partei lässt sich nicht herleiten. Weder aus der Parteistärke noch aus der Tradition. Die letzten vier Stadtammänner (seit 1958) waren Alfred Abegg (SP), Emil Heeb (FDP), Josef Bieri (CVP) und Andreas Netzle (parteilos). Dass Letzterer von auswärts kam und nicht zum Kreuzlinger Establishment gehörte, war bei der Wahl ein grosser Vorteil für ihn. Ob dieser Effekt nun erneut eintritt oder die Wähler jetzt wieder einen Einheimischen bevorzugen, ist heute noch nicht absehbar.

Die Stellvertreterin möchte nicht nachrücken

Netzles Stellvertreterin Dorena Raggenbass glänzte bei Stadtratswahlen immer mit herausragenden Ergebnissen. Den Schritt an die Spitze hat sie aber nie gesucht. Auch CVP-Stadtrat und Bauminister Ernst Zülle käme in Frage. Der Gewerkschafter steht für klare Worte und kämpft mit Leidenschaft. Ob er seinen Beruf als Zentralsekretär bei der Syna aber aufgeben will, ist fraglich. Seine Wahlchancen stünden indes nicht schlecht.

Potenzielle Kandidaten aus der örtlichen Politik

In der Ortspolitik gibt es einige, die mit dem Amt liebäugeln könnten. Aus den Reihen der SP würde vielleicht den Steckborner Stadtschreiber Hanns Wipf die Herausforderung reizen. Oder Ruedi Herzog, Prorektor der Kanti Romanshorn und frisch gebackener Präsident des Kreuzlinger Sportnetzes. Beiden liegt das Wohl der Stadt am Herzen, und ihre Wahlchancen wären intakt. Für die junge Historikerin, Kantonsrätin und Thurgauer SP-Präsidentin Nina Schläfli käme ein Stadtpräsidium wohl noch etwas zu früh. Bei der FDP setzte man jüngst voll auf das Pferd Michael Stahl bei der Wahl eines neuen Schulpräsidenten. Nicht wenige sagten damals, er sei noch zu jung, hätte aber das Zeug, einst Stadtpräsident zu werden. Mittlerweile ist Stahl 37 Jahre alt, ist Präsident der Einbürgerungskommission des Gemeinderates und hat just eine leitende Stelle bei der kantonalen Berufsberatung angetreten. Eine Kandidatur von ihm ist also eher fraglich.

Bei der CVP (ausser vielleicht Ernst Zülle) und bei der SVP sticht niemand heraus, von dem man eine Kandidatur erwarten würde. Von der SVP wurde aber zuletzt gemunkelt, sie hätte jemanden bei der Hand. Freie Liste-Gemeinderat Daniel Moos liebäugelt schon länger mit einer Stadtratskandidatur. Vielleicht geht der Energie-Berater der Stadt Frauenfeld ja nun in die Vollen. Zu Ruedi Wolfender, dem umtriebigen Abteilungsleiter bei der Stadtverwaltung, sagten schon viele, er solle sich zur Wahl aufstellen lassen. Kontakte und Kenntnisse über die Verwaltung hätte er wie kein Zweiter. Dass er aber Berufspolitiker werden möchte, ist eher zu bezweifeln.

Aus der Wirtschaft oder aus der Nachbarschaft

Unternehmer oder Anwälte mit dem nötigen Format für das Amt gäbe es in der Region Kreuzlingen reichlich. Doch geht selten ein Top-Shot aus der Wirtschaft den Weg in die Politik. Überraschungen sind aber möglich.

Vielleicht zieht das Amt des Stadtpräsidenten aber auch auswärtige Politiker an. Ausgezeichnete Wahlchancen hätte sicher Markus Thalmann, der beliebte Präsident der Nachbargemeinde Tägerwilen. Auch wenn seinen Umzug in die Stadt viele begrüssen würden, bleibt es wohl reine Fiktion, dass er seiner Gemeinde vor der Pension noch den Rücken kehren wird.

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler

@thurgauerzeitung.ch