KREUZLINGEN: Das «Trösch» kann starten

Der Gemeinderat hat gestern den Kredit für die Führung des Begegnungszentrums genehmigt. Ja gesagt hat er nach langer Diskussion auch zur Sanierung und Aufwertung der Romanshornerstrasse.

Martina Eggenberger Lenz
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Die Bauarbeiten am «Trösch» sind schon weit fortgeschritten. (Bild: Reto Martin)

Die Bauarbeiten am «Trösch» sind schon weit fortgeschritten. (Bild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. Mit «geschenkten Gäulen» durfte sich das Gemeindeparlament gestern Abend befassen. Im ersten Fall ging es um den Strassenabschnitt vom Blauhausplatz bis zum Ziilkreisel. Dieser soll nicht nur saniert, sondern aufgewertet werden – und das mit Millionenbeiträgen von Bund und Kanton. Die Vorlage hatte aber nicht nur Befürworter, das liegt am unkonventionellen Konzept mit Mischverkehr sowie extrabreitem Trottoir und der Tatsache, dass neu der Bus auf der Fahrbahn hält.

Die SVP war ganz dagegen, die FDP/EVP gespalten. Und so blieb es bis zur Schlussabstimmung. Bruno Rieser, SVP, fand die vorgesehene 6,3-Meter-Fahrbahn für Lastwagen zu schmal, «Das ist schlicht verantwortungslos». André Troll, FDP/EVP, gefiel das Konzept der gemeinsamen Fahrbahn für Autos und Velos nicht. Alexander Salzmann, FDP/EVP, wollte detaillierter über die reinen Sanierungskosten informiert werden.

Vertrauen in Statement von Velo-Verband

Die Vertreter von SP, CVP und Freie Liste hingegen sahen das Projekt durchwegs positiv. Christian Winterhalter, SP, hob hervor, dass mit Pro Velo zusammengearbeitet wurde und der Verband die gemeinsame Fahrbahn von Auto und Velo gutgeheissen habe. Alfredo Sanfilippo, CVP, erklärte, es gebe gar nicht viele Alternativen zum vorliegenden Konzept, und Christian Forster, Präsident der vorberatenden Kommission, sprach von einer durchdachten Botschaft. Stadtrat Ernst Zülle konnte mit seiner engagierten Stellungnahme wohl noch einige Unentschlossene auf seine Seite ziehen. So hiess es am Ende 23 Ja zu 13 Nein bei einer Enthaltung. Der 2,89-Millionen- Franken Kredit kommt nun als nächstes vors Volk.

Pilotprojekt wird als grosse Chance gesehen

Ausserdem geht Kreuzlingen zum ersten Mal eine privat-öffentliche Partnerschaft ein. Mit einem deutlichen Mehr von 28 Ja zu 5 Nein und drei Enthaltungen genehmigte der Gemeinderat den Gesamtkreditrahmen von 450 000 Franken für die Führung des Haus Trösch. Die Geschwister Roell stellen es der Stadt gratis als Begegnungszentrum zur Verfügung. Die öffentliche Hand wird das Haus die nächsten fünf Jahre managen. Elmar Raschle, CVP, dankte den Spendern für das grosse Geschenk und verglich das Haus mit einem frisch gepflanzten Baum, den man jetzt noch etwas stützen müsse, bis er Wurzeln schlage. «Das Trösch wird ein Erfolg werden», zeigte sich Markus Brüllmann, SP, überzeugt. Das dürfe auch etwas kosten. Barbara Jäggi, FDP, sprach von einer grossartigen Sache, die in der Anfangsphase unterstützt werden müsse. Kollege René Knöpfli bemerkte, eine Ablehnung des Geschäftes wäre «arrogant». Und Eva Häberlin, FL, gestand: «Wir haben lange einen Haken gesucht - aber keinen gefunden.» Die «Selbstlosigkeit» der Bauherren blieb der SVP suspekt. Etwa sieben Millionen Franken hätten die Geschwister Roell ins Begegnungszentrum investiert, erklärte Judith Ricklin für die Fraktion. «Da hätten sie doch auch die 90 000 Franken für eine professionelle Führung übernehmen können.» Die zuständige Stadträtin Dorena Raggenbass verteidigte die privat-öffentliche Partnerschaft. Nur die Stadt verfüge über die wichtigen Kontakte zu den Vereinen. Sie warnte zudem davor, das Projekt mit jenem eines Kulturzentrums im Schiesser-Areal zu vermischen. «Im Kulturzentrum wird es keine Räume für Kindergeburtstage geben.»

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