KREUZLINGEN: Das Tier mit den meisten Haaren

Das Seemuseum widmet seine nächste Sonderausstellung dem Fischotter. Diese dauert vom 20. Juli bis 4. März nächsten Jahres. Morgen Mittwoch ist Vernissage.

Nicole D’orazio
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Ursula Steinhauser und Julian Fitze posieren mit einem ausgestopften Fischotter. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Ursula Steinhauser und Julian Fitze posieren mit einem ausgestopften Fischotter. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Fischotter gibt es in der Region Kreuzlingen schon lange keine mehr. «1989 wurde er in der Schweiz letztmals nachgewiesen. Seither gilt er als ausgerottet. Er wurde wegen des Fells und Fleischs stark bejagt», sagt ­Museumsleiterin Ursula Steinhauser bei der Vorstellung vor den Medien. Auch weil man Angst hatte, er würde zu viele Fische fressen. «Schade. Ich hoffe, dass wir eines Tages wieder welche hier haben, wie das ja auch beim Biber der Fall ist.» Einige Wassermarder könne man wieder in Teilen der Schweiz beobachten. Dies mache Hoffnung auf eine Rückkehr.

Vorerst erfährt man in der Ausstellung «Der Fischotter kommt zurück» alles über das herzige Tier, seinen Lebensraum und warum es ihm schwerfällt, in der Region wieder heimisch zu werden. Diese wurde vom Bündner Naturmuseum vor zehn Jahren im Auftrag der Stiftung Pro Lutra gestaltet und realisiert. Das Naturmuseum Luzern hat sie letztes Jahr aktualisiert. «Wir möchten die Bevölkerung frühzeitig über den Fischotter informieren», sagt Steinhauser. «Er ist ein zurückhaltender Zeitgenosse, nicht wie der Biber. Daher wäre er schwieriger wahrzunehmen.»

Der Fischotter hat bis zu 100 Millionen Haare

«Die Ausstellung ist ideal für Familien und Schulklassen», sagt Julian Fitze, der seit Mai im Seemuseum für Bildung und Vermittlung zuständig ist. Man hofft deswegen, dass viele Lehrer mit ihren Schülern ins Seemuseum kommen. «Es gibt erstmals einen Museumskoffer und wir haben auch ein echtes Fell zum Anfassen.»

Dazu sei spannend zu wissen, dass der Fischotter das Tier mit den meisten Haaren überhaupt sei. «Auf einem Quadratmillimeter sind es 500, auf einem Quadratzentimeter 50000 Stück.» Zum Vergleich: Der Mensch hat 300 Haare pro Quadratzentimeter. Insgesamt wird das Tier von 80 bis 100 Millionen Haaren gegen Wärmeverlust geschützt. «Der Fischotter wird so nie nass», weiss Fitze.

Beim Begleitprogramm zur Ausstellung spannt das Seemuseum mit der Volkshochschule Konstanz zusammen. «Das ist für uns eine Premiere», sagt Ursula Steinhauser. «Das ist ein guter Anfang. Es ist wichtig für uns, grenzüberschreitend zu denken.» Sie hofft, dass so auch viele Schulklassen und Neugierige aus Deutschland nach Kreuzlingen kommen.