KREUZLINGEN: Das Thurgauer Kabarett-Triumvirat

Der Thurgauer Abend ist eine Mogelpackung», fand Thomas Götz. «De Schuran isch än Düütsche.» Ansonsten war der Weinfelder sehr zufrieden mit der Ausgestaltung des Programms. Ebenso wie die 200 Gäste in der Semi-Aula.

Urs Brüschweiler
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Das Who is Who des Thurgauer Kabaretts auf der Bühne der Campus-Aula: Jan Rutishauser, Uwe Schuran, Thomas Götz und Markus Keller. (Bild: Andrea Stalder)

Das Who is Who des Thurgauer Kabaretts auf der Bühne der Campus-Aula: Jan Rutishauser, Uwe Schuran, Thomas Götz und Markus Keller. (Bild: Andrea Stalder)

Der Thurgauer Abend ist eine Mogelpackung», fand Thomas Götz. «De Schuran isch än Düütsche.» Ansonsten war der Weinfelder sehr zufrieden mit der Ausgestaltung des Programms. Ebenso wie die 200 Gäste in der Semi-Aula. Mit KellerSchuran, Jan Rutishauser und Götz' verschiedenen Alter Egos fand sich die Elite der Thurgauer Satire beim Kabarett in Kreuzlingen (KIK) ein.

Die Güttinger Nachwuchshoffnung Jan Rutishauser erzählte in seiner Dreiviertelstunde Bühnenzeit stolz von seinen Erwähnungen im «Who is Who» der TZ von 2013 und 2014. Doch als er seiner damaligen Freundin berichtete, dass er zu den 100 Prominentesten im Kanton zähle, erwiderte diese bloss: «Was? Händ diä kan andere gfunde?» Obwohl Rutishauser grippegeschwächt auftrat, zeigte der diplomierte Pantomime seine ganze körpersprachliche Begabung. Die überschwengliche Gestik reichte ins tänzerische und untermalte seine charmanten Jugend-Anekdoten von der Suche nach Coolness und weiblicher Zuneigung.

Mehr Glühweinstände

Deutlich weniger bewegt hatten sich zuvor Markus Keller und Uwe Schuran. Sie fläzten sich nach bester Frauenfelder Wochenschau-Manier in ihren Sesseln und widmeten sich für einmal den Kreuzlinger Polit-Abgründen. Dass sie auch hier nah am Puls der Zeit sind, bewiesen sie etwa mit einem fingierten Video-Statement von Ex-Stadtrat Michael Dörflinger. «Es huere Theater wird jetzt gmacht, wäg dem Parkhuus.» KellerSchuran gaben der Grenzstadt einen bedenkenswerten Vorschlag mit auf den Weg: In den leerstehenden Läden solle man Glühweinstände eröffnen. In Frauenfeld sei das der Renner. «Die Leute kaufen dann zwar nicht mehr, aber sie saufen es sich dafür schön.» Markus Keller stimmte zum Schluss noch ein Chanson über den Boulevard an. Notabene wie bereits beim letzten KellerSchuran-Ausflug nach Kreuzlingen 2014. Aber auf dem Boulevard hat sich seither ja auch nichts verändert.

Langfinger, aber keine Dörflinger

Wie immer eine Augenweide war Sabine Schnyder, die kleine Schwester des parteilosen Kantons- und Nationalrats Arnold Schnyder. Sie wandte sich an den anwesenden Stadtpräsidenten bezüglich des «familiären Parkhausprojekts», das in Kreuzlingen bachab ging: «Thurgauer sind zwar Langfinger, aber kei Angst, Herr Netzle, es sind nöd alles Dörflinger.» Obwohl sie den attraktiven und netten jungen Jan Rutishauser sehr entzückend fand, wünscht sie sich als Feministin auch einen Thurgauerinnen-Abend im Kabarett in Kreuzlingen. Immerhin ist sie stolz auf die Frauenmehrheit im Thurgauer Regierungsrat, die entschieden habe, Jakob Stark ins Publikum zu entsenden. Selbiger spielte dann gleich noch die Hauptrolle in einem köstlichen Einspielfilm. Wie seine Vorgänger auf der KIK-Bühne unterhielt auch Thomas Götz in all seinen Ausprägungen das Publikum vorzüglich. Der erste Thurgauer Kabarettabend war eine grosse Bereicherung für das städtische Kulturleben.

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