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KREUZLINGEN: Das Gespräch wird angenehmer

Das Einbürgerungsverfahren läuft seit Anfang Jahr anders ab. Die Wissensfragen über die Stadt wurden vom mündlichen in den schriftlichen Teil verschoben. Den roten Pass erhält man aber nicht einfacher.
Nicole D’orazio

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Vor der mündlichen Befragung haben viele Bammel. Das gilt auch für Gesuchsteller, die den Schweizer Pass möchten. Diese bildet den zweiten Teil im ordentlichen Einbürgerungsverfahren und dauert bis zu einer Stunde. Gestellt werden dabei Fragen über Kreuzlingen und das Leben in der Stadt. Die Mitglieder der gemeinderätlichen Einbürgerungskommission (EBK) wollen dabei herausfinden, wie gut ein Gesuchsteller integriert ist. «Wir fragen zum Beispiel, wie der Stadtpräsident heisst oder was das RAZ ist», sagt Michael Stahl, Präsident der EBK. Seit 2009 wurde das Verfahren nicht mehr angepasst. Wenn Beschwerden von Einbürgerungswilligen kamen, dann richteten sich diese oft gegen die Befragung, welche teils als unfair empfunden wurde.

Nun hat die EBK das System geändert. «Seit Anfang 2017 verwenden wir einen überarbeiteten, schriftlichen Wissenstest», sagt Stahl. Die Wissensfragen über Kreuzlingen wurden von der Befragung in die schriftliche Prüfung verschoben. «Auf der psychologischen Ebene wird das Gespräch angenehmer, weil wir kein Wissen mehr direkt abfragen.» Das Gespräch werde zudem kürzer. Bisher dauerte es bis zu 60 Minuten, neu soll es noch 15 bis 30 Minuten dauern. «Natürlich wollen wir uns nach wie vor Zeit nehmen und die Gesuchsteller kennen lernen», sagt Stahl.

Keine Angst, etwas Falsches zu sagen

Als Grundlage für das Gespräch dienen Fragen aus dem schriftlichen Teil. «Dort wird gefragt, was jemandem an Kreuzlingen gefällt oder was er oder sie ändern würde. Das greifen wir auf. So muss niemand Angst haben, etwas Falsches zu sagen.» Das Ganze solle ungezwungen und locker ablaufen. Es werden auch nicht mehr alle neun EBK-Mitglieder an der Befragung dabei sein, sondern nur noch die Hälfte. Das sei für den Gesuchsteller angenehmer sowie für die Gemeinderäte einfacher. Das Gespräch ganz abzuschaffen kommt hingegen nicht in Frage. «Wir sind gesetzlich verpflichtet, zu prüfen, ob ein Gesuchsteller Mundart versteht», sagt Stahl. Die EBK-Mitglieder würden daher konsequent Schweizerdeutsch sprechen, die Bewerber dürfen selbstverständlich auf Hochdeutsch antworten.

Es wird nach wie vor das gleiche Wissen abgefragt

Das Einbürgerungsverfahren sei durch die Änderung nicht einfacher geworden, betont Stahl. «Es wird nach wie vor das gleiche Wissen abgefragt. Der schriftliche Test hat es in sich.» Da würde manch ein Schweizer nicht alle Antworten auf Anhieb kennen. Für den schriftlichen Teil habe man neu 80 statt 60 Minuten Zeit. «Es ist kein Speedtest. Die Einbürgerungswilligen sollen ihn in Ruhe absolvieren können.»

Die Änderung, die auf seine Initiative hin zustande gekommen ist, hat in der Kommission kaum zu Diskussionen geführt, sagt der Präsident. Er hat die Funktion seit November 2015. «Alle Mitglieder und somit auch alle Fraktionen haben ihre Meinung eingebracht. Von allen Seiten wurde die Anpassung wohlwollend angenommen. Auch, weil es keine Vereinfachung ist.» Der Gemeinderat müsse nicht darüber abstimmen, da es keine Reglementsänderung sei. Der neue Ablauf habe nicht mehr Gesuche als heute zur Folge, ist Stahl überzeugt. «Seit einem Jahr liegen uns allerdings massiv mehr Gesuche vor.» Er führt dies auf die Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative zurück.

Nach den Sommerferien werden die ersten Befragungen in der neuen Form durchgeführt. Bis dahin gilt der alte Ablauf. Denn jene Gesuchsteller haben den Wissenstest noch 2016 absolviert. «Wir sind bereits voll mit Terminen», erzählt Stahl. Er wolle nicht, dass die Gesuchsteller zu lange warten müssten. «2016 haben wir Zwischentermine einschieben müssen, um alle Gespräche zu bewältigen.» Das neue System werde auch die Kommissionsmitglieder entlasten, weil man mehr Gespräche pro Abend ansetzen könne.

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