KREUZLINGEN: Das Geldpolster macht alle froh

Der Kreuzlinger Gemeinderat hatte gestern abend erwartungsgemäss wenig zu kritisieren. Er genehmigte einstimmig die städtische Rechnung 2015, die mit einem Ertragsüberschuss von 4,4 Millionen Franken schliesst.

Martina Eggenberger Lenz
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KREUZLINGEN. Der Millionenüberschuss ist erfreulich. In diesem Punkt waren sich gestern abend alle Fraktionen einig, und darum stimmten auch sämtliche Anwesenden der Rechnung der Stadt zu. Allerdings ziehen die Parteivertreter aus dem Ergebnis ganz unterschiedliche Konsequenzen. Für Alexander Salzmann, FDP/EVP, ist der Fall klar: «Die mit dem letzten Budget beschlossene Steuersenkung ist mehr als gerechtfertigt.» Trotz der Geldschwemme müsse man nun aber auf dem Boden bleiben und nicht zwingend mehr ausgeben wollen.

Ganz anders sieht das die SP. «Die Stadt muss sich entwickeln. Wir wollen gestalten und investieren, statt nur verwalten», erklärt Ruedi Herzog. Eine Einkaufsstadt sei man schon lange nicht mehr, aber eine Wohnstadt. Und in dieser müsse Lebensqualität geschaffen werden – und keinesfalls nur ein Stadthaus. Walter Schmid von der CVP sind die steigenden Sozialhilfeausgaben ein Dorn im Auge. Er kritisiert zudem die hohen Fremdplazierungskosten, welche von der Kesb angeordnet, aber von der Stadt bezahlt werden müssten. Auch bei der SVP ist man besorgt über die steigenden Sozialkosten, wie Barbara Hummel sagt. Immerhin verfüge man über ein solides Eigenkapitalpolster. Die Freie Liste denkt an morgen und prophezeit schwierigere Jahre. «Wenn wir bald die hohen Investitionen tätigen, wird das Geld auch schnell wieder knapp», sagte Urs Wolfender.

Fragiles Glück

Thomas Dufner, der Präsident der Finanz- und Rechnungsprüfungskommission hatte eingangs ebenfalls die Kosten im sozialen Bereich thematisiert, die 1,26 Millionen über Budget liegen. 81 Personen sind letztes Jahr zusätzlich in die Sozialhilfe gerutscht. Damit verzeichnet Kreuzlingen 740 Fälle. Dufner wies ausserdem darauf hin, dass ein grosser Teil der Mehreinnahmen von Grundstücksgewinnsteuern stammten, mit denen in Zukunft nicht gerechnet werden könne.

Ohne Gegenstimme genehmigt, aber mit einer Enthaltung, wurde ausserdem die Rechnung der Technischen Betriebe, die mit einem Plus von 1,39 Millionen Franken schliesst. Positiv vermerkt wurde, dass die TBK einige Grosskunden vertraglich binden konnte. Für Aufsehen gesorgt hat bei vielen die Prozentzahl des Frischwassers, das täglich die WC-Spülungen runtergeht: in Kreuzlingen sind das 30 Prozent. «Wir sind schockiert», bemerkte Vincenza Freienmuth, FDP/EVP, und war damit nicht alleine. Von der SP und der Freien Liste wurden Alternativen zum durch Zertifikate aufgepeppten Graustrom gewünscht. Ausserdem forderten mehrere Votanten, dass die TBK vorausschauend auf die zunehmende Elektromobilität reagiere.

SP ist nicht zufrieden

Eingegangen wurde zum Schluss noch auf die Beantwortung der schriftlichen Anfrage der SP zu einer Nutzungsagentur für leere Läden. Gemäss Christian Winterhalter ist die Partei alles andere als zufrieden. Der Stadtrat wolle einmal mehr lange planen, statt endlich Nägel mit Köpfen zu machen.