KREUZLINGEN: Büchsenschiessen und Magenbrot

Die Berner Jodler legten sich dieses Jahr richtig ins Zeug und verwandelten die Bühne im evangelischen Kirchgemeindehaus dem Motto getreu in einen Jahrmarkt.

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Die Berner Jodler singen über die Chilbi. (Bild: Desirée Müller)

Die Berner Jodler singen über die Chilbi. (Bild: Desirée Müller)

Dirigentin Luzia Bösch schnappt sich einen der weichen Bälle, die auf dem Marktstand auf Spieler warten, und schmettert ihn gegen die Blechbüchsen, die scheppernd zu Boden fliegen. Präsident Werner Mazenauer schlendert durch die Stände, schaut sich Plüschteddys an und stellt sich für eine Zuckerwatte an. Gleich denkt man an einen Besuch am Jahrmarkt – doch die Berner Jodler geniessen am Sonntag die Chilbi-Stimmung auf der Bühne des evangelischen Kirchgemeindehauses in Kreuzlingen. Die Zuschauer beobachten das bunte Treiben und naschen gebrannte Mandeln und Magenbrot. Das Motto des volkstümlichen Nachmittags ist schnell klar.

«Als ich unser Repertoire durchsah, bemerkte ich, dass wir viele Lieder haben, die zur Chilbi passen», erklärt Luzia Bösch. Seit 2003 lassen sich die Jodler jedes Jahr ein Thema einfallen. Eine so aufwendig dekorierte Bühne gab es bisher aber noch nicht. In der Tat geht es in den Stücken um die junge Liebe, die an der Chilbi entflammt, oder Rivalitäten zweier Liebesanwärter, die zwischen den Buden ausgetragen werden.

Die Kapelle Sowieso besteht aus drei Teenagern aus dem Toggenburg, die sich im Hackbrett-, Akkordeon- und Klavierspielen auskennen. Sie begeistern Waltraut Steiner aus Kreuzlingen. «Solche Talente soll man unbedingt fördern. Schön, sind sie heute da», sagt sie. Heidi Hafen lächelt nach dem letzten Stück. «Das ist einfach gut fürs Gemüt», sagt sie und kauft Lösli.

Neue Sänger haben sich schnell eingefügt

Luzia Bösch lässt sich im Foyer in einen Sessel fallen. Die diesjährige Unterhaltung war speziell für die Dirigentin. «Wir haben neue Sänger bekommen», erzählt sie. Es freut sie, dass sie sich in kürzester Zeit eingegliedert haben. Präsident Mazenauer bringt Bösch ein Glas Wasser. «Jodeln macht sehr durstig», erklärt sie lachend. Mazenauer sei mit wenig im Leben glücklich, erzählt er. Der Nachmittag hätte aber auch für ihn nicht besser laufen können. Celina Waldmeier läuft an den beiden vorbei. Die Schauspielerin und Regisseurin der Theatergruppe Sulgen hat ihren Auftritt noch vor sich. Im zweiten Teil steht ein herrliches Lustspiel auf dem Programm, bei dem sich drei Junggesellen bei «Bauer, ledig, sucht» anmelden. Heiraten sie innerhalb eines Jahres, winkt ihnen ein grosses Erbe. «Ich denke, der Mix des Nachmittags ist uns gelungen», sind sich die Berner Jodler einig.

Desirée Müller

kreuzlingen

@thurgauerzeitung.ch