KREUZLINGEN: Breite Rutsche ist zu gefährlich

Zwei Tester haben bei der Anlage im Schwimmbad Hörnli ein Sicherheitsrisiko entdeckt. Das Problem ist die letzte Welle. Für die Unfälle in der Vergangenheit ist sie allerdings nicht verantwortlich.

Martina Eggenberger Lenz
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Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Die Breitrutsche im Schwimmbad Hörnli hat bereits mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Als sie vor sieben Jahren in Betrieb genommen wurde, kam es bald zu ersten Unfällen. Der Schlimmste ereignete sich vor vier Jahren, als ein Mann sich auf der Bahn den Kopf so stark anstiess, dass er unten bewusstlos liegen blieb und mit der Rega ins Spital gebracht werden musste. Doch die Verantwortlichen der Schwimmbadgenossenschaft haben das Problem von Anfang an ernst genommen und reagiert. Der Auslauf wurde korrigiert, eine Lichtsignalanlage installiert, die Aufsicht intensiviert.

Bei der Inbetriebnahme und auch bei nachfolgenden Kontrollen durch das Bundesamt für Unfallverhütung bfu konnten keine Mängel festgestellt werden. Vor einem Jahr aber war das bfu wieder vor Ort, dieses Mal ein anderer Mitarbeiter. «Dieser hat gemerkt, dass man beim Rutschen bei der letzten Welle unter Umständen abheben kann, je nach Gewicht und Tempo», erklärt Jürg Schlatter, der Präsident der Genossenschaft Schwimmbad Hörnli, auf Anfrage. Dadurch könne man ungünstig aufprallen und sich verletzen, lautete das Urteil des Prüfers.

TÜV empfiehlt Anpassung der Bahn

Die Vertreter der Genossenschaft wollten dem Problem auf den Grund gehen und gaben eine zweite Analyse in Auftrag. Man lud den TÜV Thüringen nach Kreuzlingen ein, der gemäss Schlatter auf solche Anlagen spezialisiert ist. Auch dieser Tester kam zum Schluss, dass die Dimension der letzten Welle ein Risiko darstellt. Eine bauliche Anpassung der Bahn wird empfohlen. «Wir haben sofort den Kontakt zu der Herstellerfirma gesucht», sagt der Genossenschafts-Präsident. So wie es aussehe, werde man auf die neuen Erkenntnisse reagieren müssen. Die Frage sei jetzt, was eine Abänderung der Bahn koste und wer für die Arbeiten aufkomme. Die Genossenschaft ist der Meinung, dass der Hersteller, der die Bahn als Unikat für Kreuzlingen gebaut hat, die Summe übernehmen müsste. «Die Rutsche ist offensichtlich eine Fehlkonstruktion», argumentiert Schlatter. Dummerweise sei das erst jetzt ausgekommen. Sicherheitshalber hat aber auch die Stadt Kreuzlingen 150000 Franken für die Anpassung der Breitrutsche ins Budget 2018 aufgenommen.

Verletzungen wegen falschen Rutschens

Auch wenn es auf der Wasserrutsche seit 2008 immer wieder zu kleineren Unfällen gekommen ist: Diese standen alle nicht im Zusammenhang mit der letzten Welle. Sie passierten, weil zu viele Personen aufs Mal oder in falscher Position runter rutschten. «Vielleicht hatten wir in dieser Sache aber auch einfach Glück», gibt der Genossenschafts-Präsident zu bedenken. Diese Saison habe es auf der Breitrutsche keine erwähnenswerten Zwischenfälle gegeben. Zwei andere Unfälle standen im Fokus: es gab einen tödlichen Unfall ausserhalb, aber nahe des Schwimmbereichs im See. Ein Motorbootfahrer war ins Wasser gestürzt und wurde von Helfern im Hörnli an Land gezogen. Einen weiteren Zwischenfall gab es im Bereich der Sprungmatte auf dem Spielplatz. Ein Mädchen hat sich beim Hüpfen das Bein gebrochen.