KREUZLINGEN: Blockade von der Schützenstrasse

Die neue Verkehrsführung am und um den Boulevard beschäftigt nun auch noch das Bundesgericht. Der Start der einjährigen Versuchsphase im Mai ist dadurch bereits wieder in Frage gestellt.

Urs Brüschweiler
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Blick vom Boulevard in die Schützenstrasse, wo sich die Diskussionen zuspitzen. (Bild: Reto Martin)

Blick vom Boulevard in die Schützenstrasse, wo sich die Diskussionen zuspitzen. (Bild: Reto Martin)

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Die Gegner verstummen nicht. Der Verkehr auf dem Boulevard bleibt auch 2017 ein Zankapfel. Der einjährige Versuch für ein neues Verkehrsregime kann wahrscheinlich doch noch nicht im kommenden Mai starten. Nachdem das kantonale Ver­waltungsgericht im November letzten Jahres der Stadt Recht ­gegeben hatte, wurde dieser ­Entscheid nun noch einmal weitergezogen. «Wir haben vom Bundesgericht die Mitteilung erhalten, dass vor Ablauf der Frist am 1. Februar eine Beschwerde eingegangen ist», sagt Stadtpräsident Andreas Netzle auf Anfrage. Spekulieren, wie lange dies den Versuch nun verzögere, wolle er nicht. Das Verwaltungsgericht in Frauenfeld hatte ein Jahr gebraucht, um den Rechtsfall zu entscheiden (unsere Zeitung berichtete). Es sei noch offen, ob die Lausanner Richter der Beschwerde aufschiebende Wirkung zugestehen. Falls sie dies nicht tun, bestehe die Hoffnung, doch noch wie geplant im Mai starten zu können.

«Es ist auf jeden Fall ärgerlich für uns», sagt der Stadtpräsident über die Verzögerung. Der Knackpunkt sei nach wie vor das kleine Stück der Schützenstrasse bei der Coop-Tankstelle, welches nur noch von Ost nach West – also Richtung Nationalstrasse – befahren werden dürfte. Diese Massnahme zur Verkehrsverlagerung stört nicht nur den aktuellen Beschwerdeführer, auch viele Anwohner der Schützen- und der Gutenbergstrasse sind damit nicht einverstanden.

Keine Sammeleinsprache wegen der Kosten

Der ehemalige Stadtpolizist Rolf Senn etwa wandte sich mit einem Leserbrief an unsere Zeitung, in dem er für ein Nein bei der anstehenden Abstimmung über die Romanshornerstrasse wirbt und generelle Kritik an der städtischen Verkehrspolitik übt. Inhaltlich bezieht er sich aber hauptsächlich auf eine Sammeleinsprache aus seinem Quartier gegen das geplante Verkehrsregime am und um den Boulevard. Als das Projekt 2014 öffentlich auflag, habe er 116 Unterschriften gesammelt und bei der Rekursinstanz, dem kantonalen Departement für Bau und Umwelt, eingereicht. Unerwartet habe er in der Folge von dort eine Ankündigung einer Kostenfolge zwischen 1000 und 2500 Franken erhalten. Die Gemeinschaft sei nicht bereit gewesen, dieses finanzielle Risiko zu tragen, worauf die Sammeleinsprache zurückgezogen wurde.

Das Anliegen der Schützen- und Gutenbergstrassen-Anwohner habe man dennoch der Stadt mit auf den Weg gegeben, sagt Rolf Senn. Versehen mit der Bitte, das Ganze noch einmal zu überdenken. Doch dies geschah nicht, weshalb die Stimmung im Quartier diesbezüglich nach wie vor negativ ist. Im Januar folgte nun ein weiteres Schreiben an den Stadtrat von einem anderen Anwohner. Ein Kritikpunkt dabei war, dass durch die Einbahn-Regelung beim Karussell für sie grosse Umwege entstünden. Konkret: Wer von der Gutenbergstrasse mit dem Auto an den Boulevard will, müsste über die Nationalstrasse, den Plaza-Kreisel und die Löwenstrasse fahren.

Umweg für einige wäre zumutbar

Während des laufenden Verfahrens können am Verkehrsregime sowieso keine Änderungen vorgenommen werden. Aber auch sonst nimmt der Stadtrat die Missmutbekundungen zwar zur Kenntnis, bleibt in der Sache aber konsequent. Die vorliegende Lösung sei jener Kompromiss, der am meisten Zuspruch erhalten hatte, sagt der Stadtpräsident. Dass die neue Verkehrsanordnung für einige auch Nachteile bringe, sei angesichts des Nutzens für die Gesamtheit unumgänglich. Netzle hält den erwähnten Umweg jedoch für zumutbar und stützt sich dabei auch auf das Urteil des Verwaltungsgerichts, dass dies – zumindest für eine einjährige Testphase – ebenso sah. «Wir wollen den Versuch unbedingt machen.» Alleine schon deswegen, um Erkenntnisse zu erhalten, ob die neue Signalisationen ihre gewünschte Wirkung entfalten könne.