KREUZLINGEN: Blaualge verursacht Fischsterben

Im Ziegeleiweiher in Emmishofen sind diese Woche hunderte Fische verendet. Laut Behörden sind Algentoxine und akuter Sauerstoffmangel die Todesursache. Haustiere sollen sich vom Wasser fernhalten.

Martina Eggenberger Lenz
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Im Kreuzlinger Ziegeleiweiher blühen giftige Blaualgen. (Bild: NANA DO CARMO)

Im Kreuzlinger Ziegeleiweiher blühen giftige Blaualgen. (Bild: NANA DO CARMO)

Gestunken hat es am Ziegeleiweiher schon länger. Aber nicht nach Fisch, sondern nach Algen, wie die Anwohner Alfred und Erich Herrmann berichten. Am Mittwoch haben die Anstösser dann aber festgestellt, dass massenweise tote Tiere ans Ufer geschwemmt werden. «Es war richtig schlimm.» Sie haben umgehend reagiert und die Behörden alarmiert.

Die Polizei ist ausgerückt und der Fischereiaufseher wurde vor Ort bestellt. «Das ist schon ein Fischsterben von einer ziemlichen Dimension», berichtet Roman Niedermann, der für das Gebiet verantwortlich ist. Haufenweise Hechte, Barsche, Karpfen und Edelkrebse seien verendet, bilanziert er. Beim Einlauf habe er viele Kleinfische beobachtet, die nach Luft schnappten. Möwen kreisen auf der Suche nach Kadavern um das eigentlich idyllische Gewässer.

So können die Blaualgen aussehen. (Bild: NANA DO CARMO)

So können die Blaualgen aussehen. (Bild: NANA DO CARMO)

Alge produziert ein gefährliches Gift

Ein Fremdverschulden konnte rasch ausgeschlossen werden. Margie Koster, Gewässerbiologin beim kantonalen Amt für Umwelt, sagt, ihr seien die Algen im Weiher sofort aufgefallen. Eine Laboranalyse habe dann bestätigt, dass es sich bei der vorgefundenen Art um die Blaualge Microcystis aeruginosa handelt. Diese produziert ein Gift, das für Tiere, aber auch für Menschen gefährlich werden kann. Die Fische seien wohl an einer Kombination von Algentoxinen und akutem Sauerstoffmangel gestorben. «Im Uferbereich war der Sauerstoffgehalt praktisch gleich null, wie Messungen gezeigt haben.» Das Vorkommen der Blaualge an sich sei nichts ungewöhnliches, erklärt Koster. Das Problem sei, dass der Ziegeleiweiher nicht sehr tief und der Durchfluss relativ gering ist. Das macht es der Alge einfach, sich zu verbreiten. Das Gift geht, wenn die Alge abstirbt, ins Wasser über und wird so von den Tieren aufgenommen. Aus diesem Grund raten die Behörden dringend davon ab, aktuell im Weiher zu fischen, zu baden oder Haustiere in die Nähe des Gewässers zu lassen. Man geht davon aus, dass andernorts schon Hunde gestorben sind, weil sie mit Blaualgen verseuchtes Wasser getrunken haben. Beim Menschen können Hautreizungen hervorgerufen werden.

Die Gewässerbiologin des Kantons hofft, dass sich die Situation in den nächsten Tagen rasch entspannt. Das Gift baue sich schnell ab und der Regen und die tieferen Temperaturen sollen die Wasserqualität verbessern.

Letzte Algenplage vor zehn Jahren

Das Einsammeln der toten Fische wurde von der Stadt koordiniert. Ein Team der Arbeitsintegration der Sozialen Dienste stand im Einsatz. Die toten Tiere wurden laut dem Kreuzlinger Umweltbeauftragten Stefan Braun zur Kadaversammelstelle gebracht. Zuletzt gab es vor zehn Jahren beim Ziegeleiweiher ein grösseres Algenproblem. Es sei schon so, dass die hydrologische Situation des Weihers nicht ideal sei, sagt Braun. Bislang sei man bei der Stadt aber nicht von einem dringenden Handlungsbedarf ausgegangen. Man werde die Situation weiter beobachten und gegebenenfalls Massnahmen prüfen. Margie Koster vom Amt für Umwelt meint, es würde sicher nicht schaden, die Sauerstoffzufuhr zu verbessern oder mehr Frischwasser zuzuführen. (meg)