KREUZLINGEN: Bei jedem Einkauf Steuern zahlen

Die grünen Ausfuhrscheine sind Oswald Petersen ein Dorn im Auge. Beim Gewerbelunch erklärte er, wie er die Mehrwertsteuersubvention abschaffen möchte.

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Oswald Petersen spricht vor den Teilnehmern des Kreuzlinger Gewerbelunches im Fischerhaus. (Bild: Nicole D’Orazio)

Oswald Petersen spricht vor den Teilnehmern des Kreuzlinger Gewerbelunches im Fischerhaus. (Bild: Nicole D’Orazio)

Steuerfrei in Deutschland oder einem anderen Nachbarland einzukaufen, soll für Schweizer nicht mehr möglich sein. Die Kreuzlinger Initiative zur Abschaffung der Mehrwertsteuersubvention (Kams) setzt sich dafür ein, dass Einkäufe im deutschen Raum auch unter 300 Franken besteuert werden müssen. Beim gestrigen Gewerbelunch von Gewerbe Kreuzlingen stellte Oswald Petersen, der Gründer von Kams, seine Idee vor. «Ich habe die Organisation 2012 gegründet. Wir sind die einzigen, die sich auf das Thema Mehrwertsteuer fokussieren», sagte er. Die Webseite von Kams sei schon über 23000 Mal besucht worden. «Und überall, wo wir unsere Idee vorstellen, erhalten wir viel Zuspruch.» Das Vermitteln sei daher kein Problem, sondern die Umsetzung.

Unter 300 Franken gibt es keinen Ausfuhrschein mehr

Bei Einkäufen unter 300 Franken sollen Schweizer die ausländische Mehrwertsteuer bezahlen müssen. «Man würde also keinen Ausfuhrschein mehr erhalten.» Bei Ausgaben über 300 Franken soll alles beim Alten bleiben. Einkaufstouristen müssen weiterhin die Schweizer Einfuhrsteuer bezahlen, sagt Petersen. «Ist das nachgewiesen, würde ihnen die deutsche Mehrwertsteuer wiederum zurückerstattet werden.» Eine Folge des neuen Systems wäre, dass der Preisunterschied zwischen Deutschland und der Schweiz sich um rund 30 Prozent verringern würde, sagt er weiter. «Damit würde der Einkaufstourismus um 30 Prozent sowie der Verkehr um 40 Prozent zurück gehen», ist Petersen überzeugt. Die Kams geht davon aus, dass von den 16 Millionen Ausfuhrscheinen, die derzeit ausgestellt werden, noch etwa 3,2 Millionen übrig bleiben. «Das wären drei Viertel weniger.» Zudem würden rund 600 Millionen Franken mehr Steuern eingenommen werden – in beiden Ländern zusammen.

«Natürlich gibt es auch Alternativen», sagt Oswald. Man könnte alles so lassen, wie es ist. Oft werde auch über die Einführung einer Bagatellgrenze diskutiert. In Frankreich seien es zum Beispiel 175 Euro. Die Doppel­besteuerung könnte allerdings ein Problem sein.

«Wir arbeiten nun seit vier Jahren an unserem Modell.» Die EU müsste ihr Recht für die Mehrwertsteuer sowie die EU-Staaten auch ihre nationalen Reglemente anpassen. «Das ist nun leider alles nicht so einfach», sagte Petersen.» Die Kams sei nun daran, in der Schweiz Unterstützung zu suchen. Erst dann könne man an die EU gelangen.

 

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio@thurgauerzeitung.ch