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KREUZLINGEN: Bei den einen gab es Tränen

Nach 50 Jahren in der Gastronomie hat Ueli Kopp genug. Er schliesst sein Bistro mit Delikatessen «Amuse-Bouche» in Kreuzlingen. Für ihn, aber vor allem für seine Stammgäste, ist es ein schwerer Abschied.
Nicole D'orazio
Posieren nochmals mit den Pfannen: Elisabeth Tillmann und Ueli Kopp hören im «Amuse-Bouche» auf. (Bild: Andrea Stalder)

Posieren nochmals mit den Pfannen: Elisabeth Tillmann und Ueli Kopp hören im «Amuse-Bouche» auf. (Bild: Andrea Stalder)

KREUZLINGEN. Die Weihnachtsdekoration steht gleich neben dem Eingang. Auf den Tischen stapeln sich Teller, eine Schneid- und eine Kaffeemaschine oder Pfannen in verschiedenen Grössen. Im «Amuse-Bouche» an der Bachstrasse, dem Bistro und Delikatessenladen in einem, war am Freitag Ausverkauf. «Wir veranstalten einen kleinen Flohmarkt», sagt Ueli Kopp und lacht. «Wir brauchen alles nicht mehr.» Nach fast fünf Jahren hat er sich entschieden, endgültig in Pension zu gehen und das Bistro auf Ende Juni zu schliessen.

2010 hatte Kopp sein Restaurant Jakobshöhe verkauft. Doch der Ruhestand war ihm dann doch zu langweilig. So eröffnete er das kleine Lokal, wo er kochte, wozu er Lust hatte. «Nur noch einfache Sachen», sagt er. «Es gab in der Regel ein Mittagsmenü. Denn mir war vor allem der Kontakt zu den Gästen wichtig. In einer Küche bin ich lange genug gestanden», erzählt der 62-Jährige. Ruedi Graf, früher Küchenchef in der «Seeburg», stieg ins Geschäft ein, ehe er sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste.

Hier wurde Politik gemacht

Den Kontakt zu seinen Gästen hat der Spitzenkoch richtig genossen. «Wir durften auf eine ganz tolle Kundschaft zählen. Unglaublich, wie schnell die fünf Jahre vorbei gegangen sind», meint Kopp. Im kleinen Lokal sei oft heftig diskutiert worden, erzählt er. «Vor allem über Politik, wie es am Stammtisch üblich ist. Hier wurde Politik gemacht.» Er hätte die Gespräche teilweise auch beeinflussen und in die, seiner Meinung nach, richtige Richtung lenken können, sagt Kopp und lacht.

Es sei auch vorgekommen, dass über den Stadtpräsidenten Andreas Netzle debattiert wurde, und dieser dann genau zur Tür hereinkam. «Ich fand es toll, dass er sich den Leuten immer gestellt und mit ihnen diskutiert hat», sagt Kopp. So hätten auch Vorurteile aus der Welt geräumt werden können. Die vielen tollen Gespräche werde er schon vermissen, meint der Scherzinger. «Wir hatten auch viele Frauen hier, oder Pensionierte, die über Mittag kamen», erzählt Kopp.

Viel Wehmut bei den Gästen

Viele Gäste würden es nicht glauben, wenn er sage, dass er aufhöre. «Die meisten sind wehmütig und glauben, dass ich später etwas Neues anfange. Es hat auch Tränen gegeben.» Solche Situationen hasse er, gibt Kopp zu. «Es ist dann schwierig, sich dem zu stellen.» Es sei für ihn aber ein Abschied für immer als Gastronom und Koch. Deswegen wollte er die letzten zwei Wochen mit dem Flohmarkt zelebrieren. «Was wir nicht verkaufen gebe ich weg, für einen guten Zweck.»

Etwas traurig ist auch Elisabeth Tillmann. Sie hat 25 Jahre für Kopp gearbeitet. «Wir sind halt langsam müde, aber es war eine schöne Zeit», sagt sie. Sie habe sehr gerne für Kopp gearbeitet. «Ich war lange ihr Chef, aber hier im Bistro hat sie mir gesagt, wo es langgeht», ergänzt dieser und lacht.

Promoter für Walliser Wein

Langweilig wird es ihm in Zukunft nicht werden. Für das Walliser Weinunternehmen von Jean-René Germanier wird er die Promotion übernehmen. «Ich mache nur Werbung und stelle Kontakte her, ich verkaufe keinen Wein», betont Ueli Kopp. «Zuerst will ich allerdings etwas Ruhe und das Leben geniessen.» Geplant hat er noch nichts. «Ich bin sehr spontan, das war schon immer so.» Gut möglich, dass es zuerst in die Toscana und dann ins Wallis geht. Und auch hinter dem Herd wird er ab und zu stehen. «Aber nur noch privat. Das Kochen an sich ist mir ja nicht verleidet», sagt er mit einem breiten Grinsen. Und auch das Lokal an der Bachstrasse wird nicht leer stehen. Laut Kopp wird es dort eine Pizzeria geben.

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