KREUZLINGEN: Ausreisezentrum: «Ängste muss man berücksichtigen»

Das Kreuzlinger Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) soll nach dem Willen des Bundes in ein Ausreisezentrum umgewandelt werden. Die ersten Änderungen des neuen Asylgesetzes seien seit dem 1. Oktober in Kraft, erklärte Elena Müller von der Gruppe «Fremde und Wir».

Kurt Peter
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Denise Graf Amnesty International (Bild: kp)

Denise Graf Amnesty International (Bild: kp)

KREUZLINGEN. Das Kreuzlinger Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) soll nach dem Willen des Bundes in ein Ausreisezentrum umgewandelt werden. Die ersten Änderungen des neuen Asylgesetzes seien seit dem 1. Oktober in Kraft, erklärte Elena Müller von der Gruppe «Fremde und Wir». Sie hatte am Freitagabend in den Torggel Rosenegg geladen, um über die anstehenden Änderungen zu informieren. «Das neue Asylgesetz wird erst 2019 vollumfänglich in Kraft sein, spätestens dann soll das bisherige EVZ in ein Ausreisezentrum umgewandelt sein», erklärte Elena Müller. Die aktuell 290 Plätze fassende Anlage müsste auf 320 Plätze erweitert werden, damit seien bauliche Massnahmen am Standort nötig. Derzeit werde eine Vereinbarung zwischen Bund, Kanton und Standortgemeinde erarbeitet, eine breit abgestützte Gruppe diskutiere unter anderem die Bereiche Sicherheit, Unterbringung und Beschäftigung.

Als Referentin eingeladen war Denise Graf, Flüchtlingskoordinatorin von Amnesty International Schweiz. Sie bezeichnete den Standort Kreuzlingen als «Warte- und Ausreisezentrum». Dies, weil in Kreuzlingen auch Personen untergebracht würden, die noch auf ihren Asylentscheid warten müssten. «Die Aufenthaltsdauer beträgt zwischen einem Monat und, im Extremfall, neun Monaten», erklärte Denise Graf. Wenn Flüchtlinge aus verschiedenen Gründen nicht in ein anderes Land transferiert werden könnten, würden diese in den Kantonen verteilt.

Beschäftigung ist das A und O

«Der Aufenthalt im Ausreisezentrum beginnt mit dem negativen Asylentscheid und dauert in der Regel bis zur freiwilligen Ausreise im Rahmen eines Rückkehrprogramms oder bis zur zwangsweisen Rückführung», sagte Graf. Die Ängste der Bevölkerung, vor allem, dass ein Ausreisezentrum mehr Unruhe in die Gemeinde bringe, müssten berücksichtigt werden. Massnahmen seien unter anderem umfangreichere Beschäftigungsprogramme. Daneben verlange ein Ausreisezentrum auch eine intensivere Betreuung. Für Kreuzlingen würden auch Kurzausbildungen diskutiert. Diese sollten möglichst mit Projekten im Heimatland des Asylsuchenden vernetzt sein. Denn die Kurzausbildungen mündeten in ein Rückkehrprogramm und sollten die freiwillige Heimkehr fördern. «Die Menschen können dann etwas vorweisen und im besten Fall später weitergeben und verlieren nicht ihr Gesicht.»

Vereine wie Agathu (Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau) leisteten wertvolle Arbeit, meinte Denise Graf. Sprach- und Sportangebote, Informationen über Kultur und Zusammenleben, aber auch Musikkurse sollten die Asylsuchenden beschäftigen. «Möglich sind auch gemeinnützige Arbeitseinsätze», erklärte Graf. Die betroffenen Menschen seien meist um jede Art der Beschäftigung froh. Kreuzlingen solle die Möglichkeiten mit den Nachbargemeinden absprechen.