KREUZLINGEN: Andreas Netzle hört auf

Nach zweieinhalb Amtsperioden kündigt der Stadtpräsident überraschend seinen Rücktritt an. Er wechselt im Sommer zurück in die Privatwirtschaft.

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Am Dienstagnachmittag hat Andreas Netzle seine Stadtratskollegen informiert, später die Mitarbeiter und die Gemeinderäte und gestern per Communiqué auch die Medien: Er tritt als Stadtpräsident zurück. Zu Wochenbeginn hat Netzle beim zuständigen Departement für Inneres und Volkswirtschaft sein Entlassungsgesuch auf den 31. Juli eingereicht. Nur noch knapp vier Monate bleibt er den Kreuzlingern erhalten. An der 1.-August-Feier will er sich offiziell von der Bevölkerung verabschieden.

Der 57-Jährige hat sich entschieden, sein politisches Mandat zu beenden und wieder in die Privatwirtschaft zu wechseln. Das betreffende Unternehmen werde dann über seine neue Stelle informieren.

Der Chefsessel bleibt bis Anfang 2018 frei

Die Rücktrittsankündigung während der Legislatur kommt überraschend. Netzle hatte nie Absichten geäussert, weniger als drei, wenn nicht sogar vier Amtszeiten im Stadthaus tätig sein zu wollen. Im Gegenteil: Im Vorfeld der letzten Wahlen 2015 sprach er davon, dass er sich körperlich und geistig fit für eine weitere Amtsdauer fühle.

Der Stadtpräsident spricht nun aber vom «richtigen Zeitpunkt» seines Rücktritts. In seinem Schreiben begründet er dies damit, dass der Nachfolger das in der Projektierung stehende Stadthaus in den nächsten vier Jahren bis zur Fertigstellung kontinuierlich begleiten könne.

Mit dem Rücktritt Netzles entsteht in Kreuzlingen eine Vakanz, die mehrere Monate andauern dürfte. Der frühestmögliche Termin für einen ersten Wahlgang wäre der 24. September – bei Einhaltung aller gesetzlichen Fristen und der Terminierung auf ein eidgenössisches Abstimmungsdatum. Ein zweiter Wahlgang könnte demnach am 26. November durchgeführt werden. Zuständig für das Festlegen der Termine ist der Stadtrat. Er tue das natürlich in Absprache mit den Parteien, sagt Andreas Netzle. Allenfalls komme auch eine Lösung ausserhalb der offiziellen Abstimmungssonntage in Frage. Berücksichtigt man weiter die dreimonatige Kündigungsfrist, die mögliche Kandidaten einhalten müssen, wird klar, dass ein neuer Stadtpräsident oder eine neue Stadtpräsidentin frühestens 2018 das Amt antreten wird. Der Kanton wird das Entlassungsgesuch des Stadtpräsidenten voraussichtlich trotzdem genehmigen. Es müsse lediglich die Funktionsfähigkeit einer Behörde sichergestellt sein, betont Andreas Keller, Generalsekretär beim Departement für Inneres und Volkswirtschaft. Eine Stellvertreter-Regelung sei in Kreuzlingen gut möglich. Ausserdem habe Netzle der Stadt zehn Jahre gedient, da sei ein Rücktritt während der Amtsdauer, für die man grundsätzlich gewählt sei, legitim.