KREUZLINGEN: Alles noch ein bisschen perfekter

Am Dienstag um 7.05 Uhr fuhr der Ermatinger Thorsten Arp mit seinem Kajak in Chur los. Sein Ziel liegt 1161 Kilometer rheinabwärts in Rotterdam. Am Ende der verregneten ersten Etappe wartete ein grosser Bahnhof auf ihn.

Urs Brüschweiler
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Thorsten Arp legte am Dienstag kurz nach 21 Uhr am Steg des Paddelclubs Kreuzlingen an. (Bild: Urs Brüschweiler)

Thorsten Arp legte am Dienstag kurz nach 21 Uhr am Steg des Paddelclubs Kreuzlingen an. (Bild: Urs Brüschweiler)

KREUZLINGEN. Zuerst muss er sich strecken. Thorsten Arp klettert aus seinem Kajak. «Es ist das erste Mal heute, dass es nicht regnet, wenn er irgendwo anlegt», scherzt sein Bruder Mats. Es ist kurz nach 21 Uhr am Dienstagabend, der Rekord-Herausforderer aus Ermatingen ist nach etwa 150 Kilometern am Steg auf der Kreuzlinger Surferwiese angekommen. Die Crew, bestehend aus seiner Frau Monica, seinem Bruder Mats und Freund Lukas Geisser, erwartet ihn. Pressechefin, Koch und «Sherpa», im Team Arp gilt Aufgabenteilung. Der Sohn wird später auch noch zur kleinen Gruppe dazustossen. Auch die Vertretung des Kreuzlinger Paddel Clubs, wo Thorsten Arp Mitglied ist, begrüsst ihn herzlich beim Vereinsheim. Seit Arp bei Altenrhein vom Rhein in den See eingefahren war, hatten ihm Joel Lallemand und Björn Spyder mit dem Motorboot auch auf dem Wasser Geleitschutz gegeben.

16 Stunden täglich im Kajak

Zwischen den beiden Begleitfahrzeugen, in welchen auch übernachtet wird, ist ein Tischchen aufgebaut. Die Pasta steht parat. Thorsten isst im Stehen. «Bloss nicht sitzen, sagt er. Sein Kreuz tut weh. Kein Wunder, nach 14 Stunden im Kajak. «Da kannst du nichts machen.» Die Stimmung ist gut, aber ruhig und konzentriert. Der Pflegefachmann auf Rekordfahrt erzählt vom bisher Erlebten, seit er am Morgen um 7.05 Uhr in Chur losgefahren ist. Er sei mehrheitlich im Regen gepaddelt. Schlechtes Wetter und Hochwasser scheinen ihn zu verfolgen. Beides hatte ihm schon im Sommer 2014, bei seinem ersten Versuch, den Rekord des deutschen Martin Möllemann zu unterbieten, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auf dem Weg in weniger als sieben Tagen auf dem Rhein von Chur nach Rotterdam zu paddeln, musste er damals in Karlsruhe aufgeben. Diesmal sieht es gut aus. Arp und sein Team zogen ihre Lehren. Von der Ernährung über das Training bis zum Gaskocher; fast alles ist diesmal noch etwas perfekter organisiert.

Grosser Empfang am Untersee

Bis Ermatingen will der aus dem Schwarzwald stammende Thorsten Arp an diesem Abend unbedingt noch kommen. Die einbrechende Dunkelheit ist hier kein Problem. «Diese Strecke fahr ich auch mit geschlossenen Augen», sagt er und grinst.

Nach etwa einer halben Stunde Aufenthalt in Kreuzlingen drängt er zum Aufbruch. Um 22.30 Uhr kam er an seinem Wohnort an, berichtet die Gemeindeverwaltung Ermatingen gestern per Medienmitteilung. Das Dorf am Untersee verfolgt und unterstützt den Rekordversuch mit viel Enthusiasmus. Arps Kollegen von der Feuerwehr begrüssten ihn am Horn mit der Wasserkanone. Viele Freunde und Dorfbewohner hätten Thorsten Arp trotz später Stunde laut willkommen geheissen und ihm weiter viel Erfolg gewünscht. «Es war ein sehr schöner Empfang», erzählt Monica am anderen Tag am Telefon. Da ist Thorsten schon in Eglisau und hat den Rheinfall bereits hinter sich gelassen. Diesen, wie auch andere unpassierbare Stellen, muss er «übertragen», das heisst er lädt sein Boot auf einen Anhänger und muss ziehen.

Viele Fans und Begleiter

«Er hat keine Beschwerden, es läuft rund», sagt Monica Arp. Bereits hätten sich wieder sehr viele Interessierte und Fans gefunden, die mitfieberten. «Einer ist heute sogar ein Stück mit gefahren auf dem Fluss, damit ihm nicht langweilig wird.»

Der Rekord liege noch drin, sagt sie. Möllemann war an seinem ersten Tag bis nach Mannenbach gefahren, also nur unwesentlich weiter als Arp. Das diesbezüglich anvisierte Etappenziel des zweiten Tages liegt kurz nach Basel. «Er fährt einfach so weit es geht», sagte Monica Arp gestern nachmittag.

Auf www.rheinrekord.ch kann man Thorsten Arps Fahrt mitverfolgen.