KREUZLINGEN: Abschied vom Einfamilienhaus

Die Stadt hat die Ortsplanung überarbeitet. Der neue Zonenplan und das Baureglement sind bereit für die Vorprüfung beim Kanton. In Zukunft soll dichter, höher und besser gebaut werden.

Martina Eggenberger Lenz
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Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Jetzt geht es ans Eingemachte. Der Zonenplan und das Bau­reglement einer Gemeinde zeigen konkret auf, was wie wo gebaut werden kann. Die aktuell gültigen Papiere sind 18 Jahre alt. Nun will man sich für die Zukunft fit machen. Die Stossrichtung ist klar: «Wir werden in erster Linie nach innen verdichten.» Das betont der zuständige Stadtrat Ernst Zülle. Die Verantwortlichen der Stadt folgen dem übergeordneten Ruf nach einem Stopp der Zersiedelung. Gleichzeitig müssen sie dafür sorgen, dass bis 2030 30000 sogenannte Raumnutzer in Kreuzlingen Platz haben. Das sind nicht alles Einwohner, es geht auch um 6000 Arbeitsplätze. Als kantonales Zentrum ist man zu Wachstum verpflichtet.

Niedrigste Ausnützung wird gestrichen

Damit die Kreuzlinger näher zusammenrücken können, wurden bei der Überarbeitung von Zonenplan und Baureglement einige wichtige Anpassungen vorgenommen. Zum einen wurde die klassische Einfamilienhauszone W33 gestrichen. «Wir wollen keine reinen Einfamilienhausquartiere mehr», sagt Ernst Zülle. Die nächst höhere Zone verspreche den Liegenschaftenbesitzern mehr Flexibilität und eine bessere Ausnützung, wodurch man dem Ziel der inneren Verdichtung näher komme. Einige der bisherigen Wohngebiete werden neu einer Mischnutzung mit Gewerbe zugeteilt. «Wir brauchen mehr Arbeitszonen», spricht der Bau-Stadtrat ein Defizit von Kreuzlingen an. Als Gegenpol zur Verdichtung sind Strukturerhaltungszonen vorgesehen. Das heisst, dass schöne Quartiere besonderen Schutz geniessen sollen.

Das Hochhauskonzept, das definiert, wo höhere Bauten gewünscht sind und wo eben nicht, hat ebenfalls seinen Weg in die neuen Reglemente gefunden. Ab einer Zone von W80 wird zudem eine Mindestnutzung vorgeschrieben, und es werden generell Anreize geschaffen, besser zu bauen. Wer Wettbewerbe durchführt, mit der Stadtbildkommission zusammenarbeitet, Parkplätze unterirdisch realisiert oder besonders energieeffizient baut, der wird mit einer höheren Ausnützung belohnt.

Stadt wächst im Leubern und im Sägenösch

Trotz aller Verdichtung: Es werden auch neue mögliche Bau­gebiete im Zonenplan definiert. In erster Priorität verbleibt das Gebiet Leubern hinter dem Ziilcenter. In zweiter Priorität wurde dieses Richtung Lengwil erweitert. Ebenfalls in Bauerwartung zweiter Priorität ist das Gebiet Sägenösch oberhalb der Schrebergärten. Ernst Zülle betont, dass diese Areale «nur wenn nötig und wenn Investoren vorhanden sind», definitiv der Bauzone zugeteilt werden sollen. Man habe darauf geachtet, einen sinnvollen Siedlungsrand zu definieren», begründet Ernst Zülle die Auswahl. Bei Neueinzonungen soll generelle Gestaltungsplanpflicht gelten. Der Stadtrat macht sich übrigens immer noch Hoffnungen, eines Tages eine Industriezone bei der Autobahnzufahrt Süd realisieren zu können. «Im Zusammenhang mit der Oberlandstrasse und Spange Süd muss das noch mal diskutiert werden.»

Eingeflossen in die ganzen Planungen und Überarbeitungen der Instrumente sind auch Ergebnisse aus dem Agglomerationsprogramm, der Naturgefahrenkarte oder den Richtplänen Verkehr, Energie und Infrastruktur. Stadtpräsident Andreas Netzle hält fest, dass der ganze Prozess schon mit der Entwicklung des Leitbildes 2006 begonnen habe. Danach habe es Teilstudien und Quartieranalysen gegeben.

Über den Stadtentwicklungsplan Step 2009 sei man zum kommunalen Richtplan 2011 gelangt. Den Zeitplan ins Stocken gebracht hat der Kanton, der 2013 sein Planungs- und Baugesetz geändert hat, was wiederum Anpassungen erforderte. Noch nicht genehmigt ist bekanntlich der kantonale Richtplan. «Wir erwarten aber, dass unsere Reglemente mit den Zielen des Kantons übereinstimmen», sagt der Stadtpräsident.