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KRADOLF: Wiener Schmäh im Kirchenzentrum

Der Kulturverein Steinacker hatte die Salonesses vom Untersee zu Gast. Stilgerecht gekleidet brachte das Quartett Musik und Anekdoten aus der Belle Epoque mit. Dazu gab es Wiener Kaffee und Sachertorte.

«Einen kleinen Schwarzen oder einen grossen Braunen, eine Melange oder vielleicht einen Einspänner? Dazu ein Stück Sachertorte?», fragt Lukas Tanner mit Schmäh und nur sein Dialekt verrät, dass der Co-Präsident des Kulturvereins Steinacker kein echter Wiener ist. Das Kirchenzentrum Steinacker hat sich an diesem Sonntagnachmittag in ein Wiener Kaffeehaus verwandelt. Erst als die vier «Salonesses» die Bühne betreten, verstummt schlagartig das muntere Geplauder und das Geklapper der Kaffeetassen und Kuchengabeln. Die vier Musikerinnen sind Regula Raas und Anna Katharina Rebmann an den Violinen, Suzanne Minder am Violoncello und Giovanna Fazio am Piano. Mit ihrer Musik und ihrer stilvollen Garderobe aus jener Zeit versteht es das Quartett, das Publikum auf eine Reise zurück in die Belle Epoque mitzunehmen. Ihr Repertoire besteht aus Musik, die zwischen 1880 und 1920 komponiert wurde und in jener Zeit in den Salons und Konzerthäusern der Metropolen für die Unterhaltung der gehobenen Klasse sorgte. Wissenswertes über die Musikstücke und ihre Komponisten oder spannende Anekdoten über das Weltgeschehen ergänzen das Programm. So erfuhr das Publikum, das die Belle Epoque, die schöne Zeit, nicht für alle rosig war. Während die Reichen feierten, musste das Arbeitervolk, bitterarm von den Auswirkungen der industriellen Revolution, ums Überleben kämpfen.

Salonmusik und Wiener Walzer

Die Musik der «Les quatre Salonesses» entführt die Zuschauer in eine Zeit, wo nicht nur Erfindungen wie zum Beispiel Auto, Luftschiff, Telefon oder Parfümflacon auf sich aufmerksam machten, sondern auch die Musik Geschichte schrieb. Das Repertoire wechselte von gediegener Salonmusik über eine rassige Polka, zum romantischen Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen und einer melancholischen Zigeunerweise. Nicht mehr ruhig sitzen konnte das Publikum beim bunten Strauss von Johann Strauss. Als der gehobenen Gesellschaft damals das Wiener Walzer tanzen zu viel wurde, komponierte der Strauss Junior kurzerhand eine Schnellpolka. Bald fanden südamerikanische Standardtänze Einzug in den Ballsälen Europas. Das Quartett schenkte diesem Musikstil ebenfalls Beachtung mit einem gefühlvollen Tango, welcher gesanglich vom Publikum begleitet wurde. Mit einem Ragtime, einer Mischung zwischen Gospel und Jazz endete das Konzert. Zurück in die Wirklichkeit, heisst es dann für die Zuhörer, denn die schöne Reise endet endgültig nach der Zugabe.

Ramona Riedener

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

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