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KRADOLF: Es muss nicht immer Weihrauch sein

Verseschmied Christoph «Stöff» Sutter und Musiker Udo Krummel waren beim Kulturverein Steinacker zu Gast. Im Publikum blieb kaum ein Auge trocken.
Tobias Bolli
Christoph Sutter und Udo Krummel bei ihrem Auftritt im Kirchenzentrum Steinacker. (Bild: Tobias Bolli)

Christoph Sutter und Udo Krummel bei ihrem Auftritt im Kirchenzentrum Steinacker. (Bild: Tobias Bolli)

Es ist ein ungewöhnliches Zusammenspiel: Da trägt einer aus einem dicken Buch seine Verse vor, während der andere mal dazu Klavier spielt, mal zu einem Flipchart tritt und das Gehörte illustriert. «Wir haben zuerst versucht, den Abend durchzuplanen – das ging nicht gut», verrät Christoph «Stöff» Sutter. Des- wegen spiele man sich lieber unverkrampft Ideen zu, und schaue, was der andere daraus macht.

Mit dem Musiker Udo Krummel improvisierte Sutter am Freitagabend im Kirchenzentrum Steinacker – und strapazierte die Lachmuskeln der Besucher. Der Romanshorner Sekundarlehrer begann mit dem Gedicht «Aller Anfang ist schwer». Darin kommt ein Säugling auf die Welt, um sogleich auch im übertragenen Sinn auf die Welt zu kommen: Aus dem Mutterschoss verbannt, findet sich das Neugeborene in einem sterilen Saal mit Neonlicht wieder und bekommt kopfüberhängend das Gesäss versohlt. Als es sich an der Brust der Mutter schadlos halten will, versagt diese ihren Dienst: «Und ich begriff den Ernst des Lebens / ein armer Schlucker saugt vergebens.»

Viele Gedichte drehten sich um Tiere. Sutter beklagte etwa das Schicksal des Ebers, der sich stets in verdorbener Gesellschaft aufhalten muss. Immerhin sind seine Kinder – wer will es bestreiten? – ausnahmslos Ferkel. Und: «Nicht nur die Frau, die Sau, alleine / nein, die Verwandtschaft, alles Schweine!» Krummel reagierte prompt und stimmte den «Skandal im Sperrbezirk» an.

Passend zur vorgerückten Stunde wartete Sutter mit einigen Liebesgedichten auf. Die meisten waren sogenannte «Anti-Jöh-Gedichte», behandelten das Thema also ohne viel Weihrausch und salbungsvolle Worte. So hörte man von Otto, der gern in einem Grotto Lotto spielt. «Solo-Susi – auch im Grotto» schwebt eine andere Art des Glücks vor: «Statt sechs Richtige im Lotto / möcht’ ich richtig Sex mit Otto.»

Tobias Bolli

bischofszell

@thurgauerzeitung.ch

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