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KRADOLF: Die Zeichen stehen auf Schliessung

Die Tage der Poststelle am Bahnhof scheinen gezählt. Sollte dieser Fall eintreten, kann die Bevölkerung aber mit einer Ersatzlösung rechnen. In Frage kommen eine Agentur oder der Hausservice.
Georg Stelzner
René Wildhaber, Leiter Postnetz Region St. Gallen-Appenzell, erläutert am Informationsanlass seine Standpunkte. (Bild: Georg Stelzner)

René Wildhaber, Leiter Postnetz Region St. Gallen-Appenzell, erläutert am Informationsanlass seine Standpunkte. (Bild: Georg Stelzner)

Georg Stelzner

georg.stelzner

@thurgauerzeitung.ch

Die Teilnehmer der Informationsveranstaltung, zu der die Post eingeladen hatte, nahmen kein Blatt vor den Mund, machten aus ihrem Herzen keine Mördergrube und sprachen am Dienstagabend in der Mehrzweckhalle Klartext: Sie wollen ihre Poststelle am Bahnhof Kradolf, mittlerweile die einzig verbliebene in der Gemeinde Kradolf-Schönenberg, behalten.

Genauso unmissverständlich brachten die Vertreter der Post aber zum Ausdruck, dass dieser Wunsch nach menschlichem Ermessen nicht in Erfüllung gehen wird. Gemeindepräsident Heinz Keller gab sich kämpferisch: «Ich bin überzeugt, dass in eine Gemeinde von der Grösse Kradolf-Schönenbergs eine Post gehört. Wir wollen diesen Service nicht missen.» Das zahlreiche Erscheinen der Einwohner wertete Keller als klares Indiz dafür, dass das Schicksal der Poststelle von grossem öffentlichen Interesse ist.

Digitaler Tsunami zwingt die Post zum Handeln

Markus Werner, Kommunikationsverantwortlicher Postnetz Region Ost, erklärte, warum sich die Post Gedanken über Anpassungen machen muss: «Das Verhalten der Kunden hat sich gewandelt. Die Post spürt die Folgen der Digitalisierung.» Diesen Faden nahm René Wildhaber auf. Der für das Postnetz der Region St. Gallen-Appenzell Verantwortliche unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit, auf technische und gesellschaftliche Veränderungen rasch und adäquat zu reagieren, um auch in Zukunft stark und konkurrenzfähig zu sein.

«Wenn die Post unternehmerisch denkt, dann muss sie bei dieser Entwicklung mitmachen, sonst haben wir am Ende ein Museum», brachte es Wildhaber auf den Punkt. Rückläufige Einnahmen müssten kompensiert werden. Das Ziel der Post sei es aber, ihre Dienstleistungen weiterhin an möglichst vielen Orten anzu- bieten – entweder physisch oder digital. Den Vorwurf, dass die Post mache, was sie will, wies Wildhaber zurück. Man habe einen gesetzlichen Auftrag zu er- füllen. «Wenn man die Meinung vertritt, dass etwas nicht mehr gut ist, kann auf politischem Weg eine Änderung bewirkt werden.»

Auch wenn Wildhaber betonte, dass noch kein Beschluss gefasst worden sei, konnten seine Ausführungen realistischerweise nur so interpretiert werden, dass die Postfiliale am Bahnhof Kradolf wohl keine Zukunft mehr hat. In diese Richtung wiesen auch die Erklärungen von Bruno Bleisch. Der Spezialist für Netzentwicklung stellte zwei Modelle vor, die als Ersatzlösung in Frage kommen. Es sind dies der Betrieb einer Filiale mit einem lokalen Partner, bekannt unter der Bezeichnung «Postagentur», und der Hausservice. Die Frage- und Diskussionsrunde zeigte dann, dass die Post noch viel Überzeugungsarbeit leisten muss, damit sich die Einwohner für eines der beiden Modelle begeistern können. Beide haben Vor- und Nachteile, die heutige Postfiliale eins zu eins ersetzen kann aber weder das eine noch das andere Modell.

Vorgebracht wurden auch emotionale Argumente. «Es wäre schade, wenn wir den Kindern nicht mehr zeigen könnten, was eine Post ist», gab eine Einwohnerin zu bedenken. Auch die Sorge um die Arbeitsplätze wurde geäussert. René Wildhaber versicherte, dass bei einer Schliessung der Kradolfer Filiale niemand seinen Job verlieren werde. Dem Vorschlag eines Votanten, mit der Gemeinde ein Geschäftsmodell auszuhandeln, um die Postfiliale in der heutigen Form erhalten zu können, musste Wildhaber eine Absage erteilen: «Ein solcher Deal ist nicht zulässig.»

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