Kostenexplosion: Zu viele Schüler

ARBON. Mehrere Sparrunden sind gelaufen, bis die Sekundarschulbehörde ihr Budget für 2013 jetzt geschnürt hat. Trotzdem sind die Zahlen tiefrot, die Schulpräsident Hanspeter Keller bei der Interpartei erstmals öffentlich vorlegte. Für 2014 steht gar eine Steuerfusserhöhung zur Debatte.

Max Eichenberger
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Stacherholz, eines von drei Arboner Sekundarschulzentren. Der Zuwachs an Schülern bringt die Schulgemeinde in einen finanziellen Engpass. (Bilder: Max Eichenberger)

Stacherholz, eines von drei Arboner Sekundarschulzentren. Der Zuwachs an Schülern bringt die Schulgemeinde in einen finanziellen Engpass. (Bilder: Max Eichenberger)

ARBON. Der budgetierte Aufwandüberschuss von 1,69 Millionen Franken bedeutet, bei einem Umsatz von 15,7 Millionen, ein negatives Rekordergebnis – dies trotz tiefer Zinsen. «Die finanzielle Situation der Sekundarschulgemeinde Arbon ist angespannt», sagt deren Präsident Hanspeter Keller unverblümt. Diesmal kommt zwar die Investitionsrechnung der SSG mit Vorhaben in der Summe von einer runden Million Franken unspektakulär daher.

Nach dem Bauen die Abschreiber

Dafür belastet jetzt das grosse Bauprogramm, das die SSG die letzten Jahre durchgezogen hatte, um die Sekundarschulzentren entweder zu sanieren oder zu erweitern, mit dem erhöhten Abschreibungsbedarf wie ein Schweif die Laufende Rechnung. Es seien 2013 nochmals 600 000 Franken mehr dafür nötig als im Vorjahr, zeigte Keller auf. Etwas Entlastung bringt zwar Ende Jahr der – nach neuem Modell – um ein Prozent tiefere Abschreibungssatz (3%). Doch der Druck bleibt.

Zusätzliche Klassen kosten

Den ganz grossen Kostenschub bringt jedoch ein Phänomen, das vergleichbare Schulgemeinden in diesem Ausmass nicht kennen würden, sagt Keller: «Markant steigende Schülerzahlen bringen unsere Schule in einen finanziellen Engpass.» Seit 2011 verzeichne die Sek Arbon nämlich einen jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 5 Prozent – eine Entwicklung, die von der Schule nicht zu beeinflussen sei. Das sei zum einen eine Folge des Wachstums der Stadt.

Die steigenden Schülerzahlen sprengten die Bestände und gipfelten «in einem Piek, den wir 2013/14 haben werden», macht Keller deutlich. Drei neue Klassen mussten daher letzten Spätsommer auf einen Schlag eröffnet werden, eine weitere sei auf den Beginn des Schuljahres 2013/14 zusätzlich zu führen, kündigt Keller an. «Im Blick auf die Kosten ist das matchentscheidend.» Rund eine Viertelmillion rechnet man pro Klasse. Um 800 000 Franken werden im Budget 2013 allein die Besoldungen steigen – was das hohe Defizit zur Hälfte erklärt.

Mehr Leistungsschwächere

Dabei komme kostentreibend hinzu, dass der Anteil der leistungsschwächeren Schüler zunehme, die in den sogenannten G-Klassen individueller betreut würden. Diese Klassen sind – bei einer Richtgrösse von 18 Schülern – dementsprechend kleiner als die E-Klassen. Eine Tendenz sei weiter auszumachen, dass eine grössere Zahl G-Schüler im Verlauf eines Schuljahres nach Arbon kämen, während E-Schüler in weiterführende Schulen «abwandern». Dies, so Keller, verstärke das Ungleichgewicht. Beiträge des Kantons flössen jeweils mit einem Jahr Verzögerung. «Mehr Schüler generieren erst einmal Kosten.»

160 000 Franken Mehrkosten entfallen zudem auf die mit der Primarschule zusammen installierte Einführungsklasse für fremdsprachige Schüler. Diese kämen «teilweise aus sehr bildungsfernen Ländern». Das System werde von Familienvätern im Flüchtlingsstatus mit dem Familiennachzug halt schon ausgereizt, stellt Keller fest.

Bildungsauftrag unumstösslich

«Wir reden jetzt über Zahlen und das Budgetdefizit. Die Schule hat aber auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen, nämlich die Schüler gemäss ihren Fähigkeiten zu fördern, möglichst individuell», betont Keller. Diesen könne man auch nicht einfach über Bord kippen. Der SSG-Präsident rechnet ab 2015 mit einer Entspannung, was den Schülerdruck anbelangt – eine Prognose, die allerdings mit Hinweis auf den heisslaufenden Wohnungsbau auf dem Platz und in der Region Arbon doch da und dort auf Skepsis stösst.

Steuerfuss kommt unter Druck

Bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 38 Prozent, auf dem das Budget basiert, würde laut SSG-Präsident Keller zwischenzeitlich der Finanzfehlbetrag bis auf 3,5 Millionen Franken steigen und auch der nächste Voranschlag noch ein Millionendefizit ausweisen. Die Schulbehörde hat aber im Finanzplan auch andere Szenarien gerechnet und stellt sie öffentlich zur Diskussion: den Steuerfuss um 2 oder 4 Prozent anzuheben, um nicht so hart an der Kante fahren zu müssen und rascher wieder mit den Finanzen in die Balance zu kommen. Eine Anpassung sollte, wenn, dann auf 2014 hin erfolgen.

Die SSG erwartet nun ein Feedback von den anderen Körperschaften, mit denen sie im Boot sitzt, was den Gesamtsteuerfuss betrifft, wie auch aus dem Kreis der Parteien und Schulbürger. Ein Abtausch mit der Stadt oder der Primarschule, die ebenfalls beide grosse Brocken zu bewältigen haben, dürfte utopisch sein. Der Steuerfuss ist für Keller letztlich «ein politischer Entscheid».

Hanspeter Keller, Präsident Se-kundarschulgemeinde Arbon.

Hanspeter Keller, Präsident Se-kundarschulgemeinde Arbon.

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