Korruptionsverdacht rund um Tallinns Bürgermeister

Ich lebe nun schon recht lange in Tallinn und habe mich schon an fast alles hier gewöhnt. Einiges finde ich hier besser als in der Schweiz, anderes vermisse ich. Derzeit beschäftigt mich mal wieder ein politisches Thema: Korruption.

Stefan Kuhl
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Ich lebe nun schon recht lange in Tallinn und habe mich schon an fast alles hier gewöhnt. Einiges finde ich hier besser als in der Schweiz, anderes vermisse ich. Derzeit beschäftigt mich mal wieder ein politisches Thema: Korruption. Eine Gemeinsamkeit? In der Schweiz macht ja ein älterer Herr, der eine fast so schwierige Sprache spricht wie die Esten, Schlagzeilen. Ein paar Millionen sollen an diese und jene Person, Organisation oder Stadt geflossen sein. Und auch in Estland sorgt ein älterer Mann für Aufsehen: Edgar Savisaar. Richtig, Sie kennen ihn bereits, der geliebte und gehasste Linnapea, ewiger Bürgermeister Tallinns und Liebling aller heimischen Russen.

Im Moment ist die Staatsanwaltschaft dabei, verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens unter die Lupe zu nehmen. So ist bereits der Leiter des Hafens befragt worden, es wurden Firmen untersucht und jetzt eben auch das Bürgermeisteramt. Dass es um durchaus ernstgemeinte Vorwürfe geht, lässt sich daraus schliessen, dass Savisaar vorübergehend seines Amtes enthoben wurde. Dies, weil die Untersuchungsbehörden vermuten, er könnte seine Rolle ausnutzen, um mögliche Zeugen zu beeinflussen.

Worum geht es eigentlich? Savisaar soll Bestechungen im Wert von mehreren Hunderttausend Euro angenommen haben. Nicht nur Geld, sondern auch Immobilien und Ländereien sind darunter. Die Zentrumspartei, zu welcher der Beschuldigte gehört, wies die Vorwürfe vehement zurück und nannte sie politisches Kalkül der regierenden Parteien. Da nämlich der andere grosse Skandal, der den Hafen betrifft, ihnen nahestehende Personen angreife.

Edgar Savisaar hatte anfangs 2015 eine Infektion im Urlaub, welche ihn ein Bein kostete. Nach langer Abstinenz war das Urgestein estnischer Politik auf dem Weg zurück ins Amt. Es scheint, dass viele dieser undurchsichtigen Institutionen und Ämter im Moment bangen müssen. Kein Stein bleibt auf dem anderen, sowohl hier als auch auf dem Sonnenberg.