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Kopf gegen Herz

Die Salmsacher und die Romanshorner Stimmbürger entscheiden in einer Woche über eine Fusion. Ein Zusammenschluss ist nicht zwingend. Es wäre ein Herzensentscheid. Von Michèle Vaterlaus Salmsach hat bewiesen, dass es als eigenständige Gemeinde funktioniert. D
Michele.vaterlaus

Die Salmsacher und die Romanshorner Stimmbürger entscheiden in einer Woche über eine Fusion. Ein Zusammenschluss ist nicht zwingend. Es wäre ein Herzensentscheid. Von Michèle Vaterlaus

Salmsach hat bewiesen, dass es als eigenständige Gemeinde funktioniert.

D

rum prüfe wer sich ewig bindet». Die Redensart ist unromantisch, sollte aber zu Herzen genommen werden. Im Gegensatz zu Eheleuten können sich nämlich Gemeinden, die sich einst zu einer Fusion entschieden haben, nicht wieder trennen. Ein Zusammenschluss will deshalb wohl überlegt sein. Romanshorn und Salmsach haben ihre Hausaufgaben gemacht und im vergangenen Jahr ihre potenziellen Partner sehr genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der Workshops zeigen, wie bereits eine Studie der Fachhochschule St. Gallen: Eine Fusion ist nicht zwingend.

Anstoss kam von Salmsach

Das sah vor drei Jahren anders aus. Als die Salmsacher 2010 in einer Konsultativabstimmung den Gemeinderat damit beauftragten, einen Zusammenschluss mit Romanshorn zu prüfen, geschah dies vor dem Hintergrund einiger Turbulenzen. Der Gemeinde ging es schlecht. Der Gemeindeammann und fast der ganze Gemeinderat waren zurückgetreten. Davon hat sich das Dorf mittlerweile erholt. Unter Gemeindeammann Kurt Helg ist Ruhe eingekehrt, finanziell steht die Gemeinde wieder besser da und auch personell sieht die Situation gut aus. Für die zurückgetretene Gemeinderätin Mirjam Steigmeier konnte schnell Ersatz gefunden werden. Kandidaten gibt es auch für den freiwerdenden Sitz von Gemeinderat Reto Haltmeier. Das lässt hoffen, dass sich auch ein Nachfolger für Helg finden lässt, wenn er voraussichtlich im Frühling in Pension geht.

Salmsach hat bewiesen, dass es als eigenständige Gemeinde funktioniert. Es hat darum an Attraktivität gewonnen. Damit steigen die Chancen, dass Romanshorn einer Fusion zustimmen wird. Auf der anderen Seite steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Salmsacher Nein sagen werden.

In Romanshorn ist es still

Bereits in der Konsultativabstimmung sprachen sich 43 Prozent für die Eigenständigkeit aus. Es gab zwar eine befürwortende Mehrheit, doch diese war nicht allzu klar. So gehen auch heute noch die Meinungen über eine Fusion auseinander. In der kleineren Gemeinde haben sich Komitees gebildet.

Die IG eigenständiges Salmsach sieht nicht ein, weshalb sich Salmsach Romanshorn anschliessen soll. Das ist nachvollziehbar. Das Dorf verliere seine Identität und Autonomie. Das Vereinsleben werde sich verändern. Die eigene Feuerwehr müsse sogar aufgegeben werden. Und die Stimme eines Salmsachers hätte – im Vergleich zu jener eines Romanshorners – nur noch einen Achtel Gewicht in einer fusionierten Gemeinde.

Das Pro-Komitee Fusion Romanshorn-Salmsach hält dem entgegen, dass die Gemeinden längst zusammengewachsen sind – nicht nur geographisch. Die Fusion sei die logische Konsequenz daraus, dass bei Strom, Wasser, Abwasser, Gas, in der Sekundarschule sowie in den Landeskirchen bereits eine Zusammenarbeit bestehe. Durch eine Fusion könne auch in den Bereichen Raumplanung und städtebauliche Entwicklung besser zusammengearbeitet werden, Salmsach bekomme eine professionellere Verwaltung und die Gemeinden mehr Gewicht im Kanton. Das Zückerchen dazu: Insgesamt mache die Projektplanung durch eine Fusion ein mögliches Sparpotenzial von jährlich 500 000 Franken aus. Ob dieses Potenzial tatsächlich ausgeschöpft werden könnte, würde sich aber erst in der Praxis zeigen.

Es wäre das vierte Nein

Trotz der vielen Berührungspunkte haben die Salmsacher bereits dreimal Nein zu einer Fusion gesagt: 1945, 1967 und 1974. Erst im Jahr 2002 wehrte sich der Gemeinderat Salmsach erfolgreich gegen eine vom Kanton auferlegte Fusion mit Romanshorn. Das Dorf hat dem Willen zur Eigenständigkeit mehrmals Ausdruck verliehen. Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aufgrund der Argumente der Befürworter müssten nämlich auch Arbon und Roggwil fusionieren – weil sie geographisch längst eins geworden sind. Oder Dozwil, Uttwil und Kesswil – weil sie bei den Schulen, den Kirchen, der Versorgung und der Spitex längst gemeinsame Sache machen. Doch die Gemeinden wollen selbständig bleiben. Und das funktioniert – wie es auch in Salmsach und Romanshorn funktioniert.

Zudem greifen rationale Argumente nicht immer. Denn bei einer Fusion entscheidet das Herz mit. Die Angst der Salmsacher ist berechtigt, dass ihr Dorf in der Nachbarstadt aufgeht und seine Identität verliert. Bezeichnend dafür ist auch ,dass es in Romanshorn rund um die Fusion still geblieben ist. Die Stadt hat durch einen Zusammenschluss offenbar nichts zu verlieren.

Nach Abwägen von Pro und Kontra können die Salmsacher und die Romanshorn guten Gewissens Nein stimmen und als eigenständige Gemeinden in die Zukunft gehen.

@thurgauerzeitung.ch

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