«Kontakte bleiben in Erinnerung»

Seit 17 Jahren leitet Josef Gschwend die Raiffeisenbank Sulgen. In dieser Zeit hat sich die Anzahl der Mitarbeiter mehr als verdreifacht. Es gab aber auch einen Banküberfall. Mit 65 Jahren tritt der Bankleiter Ende August in seinen Ruhestand.

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Bankleiter Josef Gschwend vor der Raiffeisenbank Sulgen. (Bild: Hannelore Bruderer)

Bankleiter Josef Gschwend vor der Raiffeisenbank Sulgen. (Bild: Hannelore Bruderer)

Herr Gschwend, 1996 haben Sie Ihre Stelle als Leiter der Raiffeisenbank Sulgen angetreten. Wie sah die Bank damals aus?

Josef Gschwend: Sie war noch ganz anders strukturiert. Raiffeisen war mit Hypotheken und Sparheften stark auf Privatkunden ausgerichtet und betreute nur wenige gewerbliche Kunden. Anlageprodukte gab es kaum. Sieben Personen arbeiteten damals hier. In erster Linie waren das gute Allrounder, Spezialisten gab es noch wenige. Mit zwei PCs war die technische Infrastruktur noch bescheiden.

Welches waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Veränderungen in den vergangenen 17 Jahren?

Gschwend: Die Vereinheitlichung der Rechnungswesenstrukturen auf Konzernbasis. Sie ermöglichte eine Professionalisierung in allen Bereichen, unter anderem bei der Organisation, der Kundenbetreuung, der Aus- und Weiterbildung und beim Controlling. Die Regulatorien in der Bankenwelt haben sich massiv verstärkt. Ohne eine einheitliche Struktur wäre es heute nicht mehr möglich, diese Vorgaben zu erfüllen.

Gab es weitere Veränderungen?

Gschwend: Ein weiterer wichtiger Schritt war der Neubau, den wir realisieren konnten. Mit diesem haben wir unsere Sicherheitsstandards sowie unsere Infrastruktur für Kunden und Mitarbeiter weiter verbessert. Unsere Mitarbeiterzahl hat kontinuierlich zugenommen. Inklusive Teilzeitangestellte arbeiten heute 25 Personen bei der Raiffeisenbank Sulgen. Alles ausgewiesene Fachleute, die sich weiterbilden und auf verschiedene Fachgebiete spezialisieren.

Per Anfang 2014 wird, das Einverständnis der Genossenschafter vorausgesetzt, die Raiffeisenbank Sulgen mit der Raiffeisenbank Weinfelden fusionieren. Welche Chance sehen Sie darin?

Gschwend: Wir sind heute in verschiedenen Geschäftsfeldern tätig, dafür braucht es eine gewisse Grösse. Da sich viele Mitarbeiter in einem Fachgebiet spezialisieren, macht uns das auch als Arbeitgeber attraktiver. So können wir das Wissen besser in der eigenen Unternehmung halten. Davon profitieren dann auch die Kunden. So werden beispielsweise administrative Arbeiten vermehrt zentral erledigt, was unseren Angestellten mehr Zeit für eine noch intensivere Kundenbetreuung lässt.

Sie waren OK-Präsident der Gewerbeausstellung Gewea, Rechnungsrevisor und Fahnengötti bei diversen Vereinen und Institutionen der Region. Weshalb haben Sie sich im Geschäftskreis der Raiffeisenbank Sulgen auch für gesellschaftliche Anliegen stark gemacht?

Gschwend: In dieser Region, zwischen zwei Zentren, gibt es viele engagierte Leute, die mit ihren guten Ideen einen grossen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Viele sind in Vereinen organisiert. Die Raiffeisenbank unterstützt deren Bemühungen gerne mit Sponsorenbeiträgen. Ein finanzielles Polster erhöht die Möglichkeiten, etwas wirklich Gutes auf die Beine zu stellen. Ein aktives Vereinsleben gehört zu einer gesunden Gesellschaft.

Fällt Ihnen das Loslassen nach einer so langen Zeit nicht schwer?

Gschwend: Die Ablösung vom Erwerbsleben ist ein persönlicher Prozess, die jeder durchlaufen muss. Für mich war das kein Problem und ich kann heute sagen, dass ich mich auf die Zeit danach freue. Ich übergebe eine Bank mit hochmotivierten Mitarbeitern, sie ist finanziell gut aufgestellt und bereit für die bevorstehende Fusion. Diese umzusetzen ist nun die Aufgabe meines Nachfolgers.

Sie betonen immer wieder die persönliche Nähe zu den Kunden, welche die Raiffeisengruppe pflegt. Ist das manchmal nicht auch problematisch, wenn man Wünsche von jemandem, den man gut kennt, nicht erfüllen kann?

Gschwend: Ja sagen ist immer einfacher als Nein. Wenn einem Kundenwunsch nicht entsprochen werden kann, legen wir unsere Gründe offen dar und bemühen uns, andere Lösungen aufzuzeigen. Damit sind wir immer gut gefahren.

Welche Erfahrungen in Ihrer Zeit als Bankleiter werden Ihnen in guter Erinnerung bleiben?

Gschwend: Ganz klar die Kontakte zu den Menschen. Zu Kundinnen und Kunden, aber auch zu Mitgliedern des Verwaltungsrates. Ihren offenen Umgang und ihre Unterstützung habe ich sehr geschätzt. Dann hatte ich das Glück auf gute, teils langjährige Mitarbeiter zählen zu können. Zudem haben wir in dieser Zeit über 20 Lehrlinge ausgebildet und ihnen so einen guten Start ins Erwerbsleben ermöglicht.

Gab es auch negative Ereignisse?

Gschwend: Das Schlimmste war sicher der Überfall auf unsere Bank vor einigen Jahren. Das hat mich lange stark beschäftigt und persönlich betroffen gemacht.

Was werden Sie nun mit der freien Zeit nach Ihrer Pensionierung anfangen?

Gschwend: Da möchte ich endlich den vielen Einladungen nachkommen, die ich erhalten habe und bis jetzt noch nicht wahrnehmen konnte. Viel Zeit möchte ich mit der Familie verbringen, Reisepläne schmieden, Haus und Garten geniessen und meine Hobbies Kochen und Lesen pflegen.

Sie haben keine Angst, dass Ihnen langweilig wird?

Gschwend: Nein, dazu habe ich zu viele persönliche Interessen, denen ich nachgehen möchte.

Interview: Hannelore Bruderer