Konrad Hummler: «Ich bin noch da»

Für eine Zinsprognose engagiert der Hauseigentümerverband Arbon und Umgebung einen «absolut neutralen Fachmann». Konrad Hummler, der Ex-Chef der an USA-Geschäften zerbrochenen Bank Wegelin, spricht wieder über das Finanzgeschäft.

Fritz Bichsel
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Als Referent gefragt: Konrad Hummer, früherer Wegelin-Teilhaber. (Bild: Fritz Bichsel)

Als Referent gefragt: Konrad Hummer, früherer Wegelin-Teilhaber. (Bild: Fritz Bichsel)

ARBON. «Alles, was Sie langfristig anbinden können, ist gut – auch wenn es vorerst etwas mehr kostet. Und wegen der unstabilen Situation sollten Sie mit genügend Eigenmitteln hohe Verschuldung vermeiden.» Das empfiehlt Konrad Hummler als Fazit seiner Erläuterungen zur möglichen Entwicklung der Zinsen. Die Hauseigentümer diskutieren weitere Aspekte – aber nicht die Vergangenheit von Hummler und Wegelin.

Einer zeigt Reue

Wegelin, die älteste Privatbank der Schweiz, liegt in Trümmern. Dem Hotel Metropol, wo Konrad Hummler am Montag-abend beim HEV Region Arbon spricht, steht dasselbe bevor. Beides löst noch immer Kopfschütteln aus. An diesem Anlass geht aber nur Hummler selber kurz darauf ein: «Ich bin noch da, und es geht mir den Umständen entsprechend gut.» Er verhehlt aber nicht, dass er «Ereignisse in der Vergangenheit» gerne ungeschehen machen würde.

Begrüsst wird er von Vorstandsmitglied Cyrill Stadler. Das erklärt, warum der HEV auf Hummler als Referenten kam: Die beiden arbeiteten früher bei der Bank Wegelin zusammen. Hummler ist nicht mehr als Banker tätig. So kann ihn Stadler als «unabhängigen Fachmann» ankünden. Wann und wie hoch die Zinsen steigen, kann auch Experte Hummler nicht sagen. Aber er weiss, warum sie so tief sind und dass sie bei geringeren Eingriffen von Notenbanken deutlich ansteigen würden. Der Finanzexperte verweist auf drei grundlegende Veränderungen seit gut zwanzig Jahren: weltweiter Markt mit höherer Kapazität an Gütern, Dienstleistungen und Arbeit seit der Öffnung des Ostblocks, neue Geschäftsmodelle und tiefere Kosten mit Computern und mobiler Kommunikation, explosionsartige Verbreitung von Wissen. «So konnte keine Inflation entstehen, weil Preise gefallen sind. Das gilt auch für die Zinsen.»

Katze beisst sich in den Schwanz

Es sei zu erwarten, dass diese Entwicklung der realen Wirtschaft anhalte. Aber: Westliche Staaten hätten sich hoch verschuldet für Konsumausgaben. Die dafür ausgegebenen Schuldenpapiere seien nicht werthaltig, deshalb müssten die Zinsen steigen. Das verhinderten Notenbanken aber mit dem Aufkauf solcher Papiere. «So beisst sich die Katze in den eigenen Schwanz.» Diese Situation sei unstabil und könnte sich entladen – mit steigenden Zinsen als eine der Folgen: «Wenn Notenbanken den Kauf nicht werthaltiger Papiere aufgeben müssen zum Schutz der Währung.»