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KOMMENTAR: Über ein paar Schönheitsfehler muss man hinwegsehen

Vor der Abstimmung über die Sanierung und Erweiterung des Hallenbads Egelsee in Kreuzlingen hat sich die Politik ein kommunikatives Desaster geleistet. Doch ob Sauna oder nicht - matchentscheidend wird diese Frage nicht sein, schreibt Urs Brüschweiler, Leiter Ressort Kreuzlingen, im Kommentar.

Grosse Euphorie für die «Badi für Ali» mag vor der Volksabstimmung am 4. März nicht aufkommen. Wichtig und wegweisend für die Kreuzlinger Zentrumsentwicklung ist die Sanierung und Erweiterung des Thermalbads Egelsee alleweil. So richtig aus der Reserve lockt die Debatte um das Familien- und Freizeitbad die Menschen aber nicht. Es scheint, als sei die Sache bereits gelaufen. Im zweiten Anlauf wird es nun schon durchgehen.

2014 schickten die Kreuzlinger Stimmbürger das Vorgängerprojekt «H2O» bachab. Die Nein-Kampagne aus bürgerlichen Kreisen hatte Wirkung gezeigt. 37 Millionen Franken sei zu viel Geld, monierten die Gegner und schürten Ängste vor Steuererhöhungen. Jetzt liegt das neue Projekt «Natare» vor. Stossend ist, dass es nur unwesentlich weniger kostet, nämlich 35,5 Millionen Franken. 27,3 Millionen davon hat die Stadt Kreuzlingen zu tragen. 2015 hatte noch die Prämisse gegolten, dass sie maximal 20 Millionen Franken beisteuern werde. Hinzu kommt, dass das neue Bad – auf den ersten Blick – weniger bietet: Das 50 Meter-Becken ist auf 33 Meter Länge geschrumpft.

Eigentlich sind das miserable Voraussetzungen für die Verantwortlichen, um einen Abstimmungskampf zu gewinnen. Doch die Mahner und Bedenkenträger bleiben diesmal trotzdem ruhig. Es gibt keine nennenswerte öffentliche Opposition gegen das Projekt. Mag sein, dass den Gegnern die Energie fehlt, erneut einen Abstimmungskampf zu führen. Vielleicht hoffen sie aber auf eine stillschweigende Mehrheit für die Ablehnung. Oder – und das ist wahrscheinlicher – die meisten haben akzeptiert, dass die Argumente für die Sanierung und Erweiterung des Bades nachvollziehbar sind. Ausser den hohen Investitionskosten bleibt auch nicht mehr viel Stichhaltiges einzuwenden. Die Standortfrage wurde schon vor Jahren entschieden. Die Nähe zu den Schulen, zum Stadtzentrum und zur Thermalquelle sind zwingendere Gründe, als die Meinung, dass ein Hallenbad zum Freibad an den See gehört. Auch die Parkplatzdiskussionen wirken mittlerweile nur noch spiessig. Angesichts der guten ÖV-Anbindung im Zentrum und den vorhandenen und geplanten Parkierungsmöglichkeiten in direkter Nähe kann dies kein K.O.-Kriterium sein.

Auf der anderen Seite gibt es aber viel Positives hervorzuheben. Das «H2O»-Projekt vor vier Jahren war von vielen Seiten schon über den grünen Klee gelobt worden. Und dennoch konnte man bei der Entwicklung der Neuauflage noch viel dazulernen und verbessern: Ein 33-Meter-Becken reicht nämlich offenbar aus für die Schwimmer und Wasserballer. Die Schulgemeinde steht nicht mehr nur beobachtend daneben, sondern wirkt im Gesamtprojekt federführend mit. Den Nachbargemeinden kann man doch mehr Betriebsbeiträge aus ihrem Steuersäckel leiern, wenn man es frühzeitig und überzeugend angeht. Die wichtigsten Nutzer sind nicht die Sportler. Im Vordergrund steht nun die Nutzung durch den Normalbürger und die Familien. Für sie steht symbolisch die neue grosse Rutschbahn. Die Fokussierung auf Familien und Freizeit statt auf Sport war ein weiser Schachzug. Weil jene, die abstimmen und bezahlen, auch spüren sollen, dass sie davon profitieren werden. Und nicht zuletzt will man das Bad technisch und vor allem energetisch auf einen modernen Stand bringen. Das verteuert das Ganze zwar, wird sich aber langfristig auszahlen.

Ein kommunikatives Desaster leistete sich die Politik allerdings mit der Petition zum Erhalt der Sauna. Das Thema wurde von den Verantwortlichen schlicht unterschätzt. Der politische Eiertanz setzte sich bis in den Gemeinderat und in die Volksbotschaft fort: – «Falls es denn im Kreditrahmen möglich ist, bauen wir eine finnische Sauna ein», sagt man nun dem Volk. Diese Frage hätte vor der Abstimmung beantwortet werden müssen.

Matchentscheidend wird die Sauna aber nicht sein. Die Verantwortlichen – an erster Stelle sei Schulpräsident René Zweifel genannt, der als Initiator mutig voranschritt – haben ein stimmiges Projekt auf die Beine gestellt. Der Bedarf für die ganze Region ist unbestritten und finanzierbar ist es auch. Da die Abstimmung fast zeitgleich mit dem Amtsantritt des neuen Stadtpräsidenten Thomas Niederberger stattfindet, hätte ein Ja noch eine weitere Bedeutung. Es wäre ein Zeichen des Vertrauens in eine vorwärtsgewandte und harmonischere städtische Zukunft.

Urs Brüschweiler

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