Kokskonsum und Schussverletzung

Eine ganze Reihe von Delikten werden dem jungen Mann zur Last gelegt, der in Begleitung eines Polizisten vor dem Bezirksgericht Arbon steht. Der 19jährige Asylbewerber trägt einen Arm in der Schlinge.

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Eine ganze Reihe von Delikten werden dem jungen Mann zur Last gelegt, der in Begleitung eines Polizisten vor dem Bezirksgericht Arbon steht. Der 19jährige Asylbewerber trägt einen Arm in der Schlinge. Seine dauernd ausgekugelte Schulter – das Überbleibsel eines Sturzes vom Olivenbaum – ist der Grund, weshalb der junge Algerier überhaupt in die Schweiz gekommen ist. Doch statt sich wie gewünscht hier operieren zu lassen, beantragt er Asyl und beginnt zugleich Drogen zu konsumieren.

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Und damit beginnt das ganze Unglück. Delikt reiht sich an Delikt. Mit anderen Asylbewerbern steigt er zwischen Juni und August letzten Jahres in der Region in verschiedene Häuser ein, um an Bargeld und Wertsachen zu gelangen. Die kriminelle Karriere des jungen Mannes gipfelt schliesslich darin, dass er einen anderen Mann im Streit mit einer Pistole bedroht, die er bei einem der Einbrüche erbeutet hatte. Dabei wurde der Kontrahent durch einen Splitter eines Projektils geringfügig verletzt. Auf die Ereignisse angesprochen bricht der Beschuldigte, der kein Deutsch spricht, in Tränen aus: «Ich habe sehr bereut, was ich getan habe.»

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Ein Stück Kokain habe er vom Opfer gekauft, das habe aber derart gestunken, dass er das Geld zurückhaben wollte, schildert der Angeklagte die Vorkommnisse vom 1. September im Amriswiler Asylantenheim. Das Opfer habe sich geweigert, worauf es zu Diskussionen gekommen sei. «Ich habe die Pistole in der Hand gehalten und es hat sich versehentlich ein Schuss gelöst. Ich habe nicht gesehen, dass der andere Mann verletzt war.» Ob er dem Opfer mit den Worten: «I kill you this night» gedroht habe? Das verneint der Angeklagte. «Ich spreche kein Englisch und kenne diese Worte in dieser Sprache nicht. Ich schwöre bei Gott.»

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Während die Staatsanwaltschaft für die Vergehen 20 Monate Haft, zehn Monate davon bedingt, sowie eine Busse von 500 Franken beantragt, verlangt der Anwalt des Angeklagten gestern vor Gericht einen Freispruch vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens und der Drohung. Sein Strafmass für die verübten und vom Angeklagten zugegebenen Einbrüche: zwölf Monate bedingt.

Man habe versucht, seinem Mandanten sämtliche Einbrüche in der Ostschweiz in die Schuhe zu schieben und dabei sei er nur bei einigen wenigen dabei gewesen. In jenen Fällen, in denen der Angeklagte einen Diebstahl bestritten habe, müsse davon ausgegangen werden, dass sich die Bewohner der Liegenschaften unrechtmässig an ihrem Unglück hätten bereichern wollen, betont der Anwalt. Ausserdem sei sein Mandant nicht vorbestraft.

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«Ich entschuldige mich bei allen Geschädigten und beim Gericht», sagt der Angeklagte. «Es wird sich nicht wiederholen. Ich will nur meine Schulter behandeln lassen. Mir geht es sehr schlecht.» Die Schlussworte des Angeklagten und seine Beteuerung, künftig die Finger von Alkohol und Drogen zu lassen, vermochten das Gericht nicht milde zu stimmen. Es folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilt den Angeklagten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten, einer Busse von 500 Franken und der Bezahlung der Untersuchungs- und Verfahrenskosten. Das durch die Staatsanwaltschaft beantragte Strafmass hält das Gericht für gerechtfertigt. Tendenziell hätte durchaus sogar eine noch höhere Strafe dringelegen, betont Bezirksrichterin Mirjam Trinkler.

Maya Mussilier

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