Knatsch ums «roti Erdbeeri»

MÄRSTETTEN. Die Findungskommission in Märstetten schmückt sich mit fremden Federn. Per Inserat sucht sie einen Gegenkandidaten zu Gemeindeammann Jürg Schumacher – und nutzt dazu sein Logo.

Mario Testa
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Märstettens Gemeindeammann Jürg Schumacher vor dem Logo von «Märstetten – Mitten im Thurgau», das er selbst entworfen hat. (Bild: Archiv/Mario Testa)

Märstettens Gemeindeammann Jürg Schumacher vor dem Logo von «Märstetten – Mitten im Thurgau», das er selbst entworfen hat. (Bild: Archiv/Mario Testa)

Das Stelleninserat sieht aus, wie wenn es die Gemeinde Märstetten in Auftrag gegeben hätte. Oben prangen das Wappen der Gemeinde und das Logo mit dem Slogan «Mitten im Thurgau», dazu die rote Erdbeere. Es stammt jedoch von einer anonymen Findungskommission und war am 27. Dezember in der Thurgauer Zeitung abgedruckt. Gesucht wird im Inserat ein Kandidat als Gemeindepräsident von Märstetten für den zweiten Wahlgang vom 8. März.

Inserat führt in die Irre

«Das Inserat ist irreführend. Es macht den Eindruck, als stamme es von der Politischen Gemeinde Märstetten, dem ist aber nicht so», sagt Gemeindeammann Jürg Schumacher. Dass das Inserat verwirrt, beweise ein Anruf, den er gestern erhalten habe. «Mich hat ein Verkäufer einer Gratiszeitung kontaktiert und gefragt, ob denn die Gemeinde nicht auch in seinem Blatt das Stelleninserat publizieren wolle. Das war skurril.»

Die Nutzung des Wappens und des Logos in dieser Form durch die Findungskommission ist heikel (siehe Kasten). «Der Gemeinderat wird entscheiden, ob er gegen die Nutzung des Wappens vorgeht», sagt Schumacher. Das Logo mit der Erdbeere hat der Gemeindeammann vor sechs Jahren gar selber entworfen und er nutzt es für das Standortmarketing. «Gegen die missbräuchliche Nutzung meines Logos werde ich nicht rechtlich vorgehen. Aber es ist schon stossend, dass die Kommission ausgerechnet mit meinem Logo gegen mich arbeitet», sagt er.

Im Interesse vieler Märstetter

Zu den Vorwürfen der missbräuchlichen Nutzung des Wappens äussert sich ein Mitglied der anonymen Findungskommission. «Wir nützen das Gemeindewappen im Interesse eines grossen Teils der Märstetter. Ich sehe da kein Problem bezüglich der Urheberrechte.» Dass Schumachers Logo ausgerechnet gegen ihn eingesetzt werde, sei auch keine bewusste Provokation. «Ich denke nicht, dass die Gestalter damit provozieren wollten. Das kann auch Zufall gewesen sein», sagt das Mitglied der Findungskommission.