KNATSCH: Knall in Weinfelden: Pfarradministrator freigestellt

Die Katholische Kirchenvorsteherschaft trennt sich von ihrem Pfarradministrator Josef Wiedemeier. Wegen schwerwiegender Differenzen bei der Personalführung stellt sie ihn per sofort frei.

Mario Testa
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Die Kanzel in der katholischen Kirche von Weinfelden: einer der Arbeitsorte des Pfarrers. (Bild: Mario Testa)

Die Kanzel in der katholischen Kirche von Weinfelden: einer der Arbeitsorte des Pfarrers. (Bild: Mario Testa)

Mario Testa

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@thurgauerzeitung.ch

Plötzlich ging alles sehr schnell. Gestern Morgen hat Kirchenpräsident Markus Meier-Finazzi dem Katholischen Pfarradministrator von Weinfelden mitgeteilt, dass er per sofort freigestellt wird. Grund für den Entscheid der Vorsteherschaft, der mit der Bistumsregionalleitung St.Viktor abgesprochen wurde, seien schwerwiegende Differenzen bezüglich der Personalführung des Priesters. «Die Mitarbeitenden im Seelsorgeteam und unter den Katechetinnen hatten grosse Mühe mit seiner Art der Personalführung. Wir konnten die Situation trotz Konfliktmediation und struktureller Veränderungen nicht entschärfen», sagt Meier.

Die Differenzen hätten dazu geführt, dass zwei Mitarbeitende des Seelsorgeteams gekündigt haben. «Vor einem Jahr hatten wir noch ein fünfköpfiges Seelsorgeteam, zum Schluss waren es noch deren drei. Die Probleme haben sich akzentuiert.»

Die Kirche verliert einen guten Prediger

Mit Wiedemeiers Fähigkeiten als Prediger und Seelsorger habe die Freistellung nichts zu tun, betont Meier. «Die Kirchbürger haben seine liberale, aufgeschlossene Art geschätzt. Wir verlieren einen Geistlichen, der positive, geschickte und gehaltvolle Predigten hält.» Die Mitarbeiter der Kirchgemeinde hat die Vorsteherschaft gestern Morgen über die Freistellung informiert. Am Abend bot sie ihnen die Möglichkeit für eine Gesprächsrunde. «Die Mitarbeiter dürfen sich zum Thema äussern, sie haben von uns keinen Maulkorb erhalten. Die Kirchbürger werde ich an den Gottesdiensten am Wochenende informieren», sagt Meier. Zudem ist am 21. November ein öffentlicher Informationsanlass geplant. «Dann wissen wir sicher bereits etwas mehr, wie es nun weitergehen wird.»

Pfarradministrator Josef Wiedemeier wollte sich gestern nicht zur Freistellung äussern. Zuerst wolle er das Gespräch mit den Bistumsvertretern suchen und mehr zu den Gründen seiner Freistellung erfahren. Weil Wiedemeier seit über einem Monat zu 80 Prozent krank geschrieben ist, kann ihm die Vorsteherschaft nicht kündigen. «Wir hoffen, mit ihm eine Einigung zur Lösung des Arbeitsverhältnisses zu erreichen», sagt Markus Meier. «Die Behörde ist dankbar, dass alle Beteiligten nach aussen Ruhe bewahren und die Pfarrei nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.»

Hoffen auf eine langfristige Lösung des Bistums

Am Sonntag wird ein Aushilfspfarrer die Predigt in der katholischen Kirche halten. Für die Werktags-Predigten und die Beerdigungsbereitschaft springt der ehemalige Pfarrer ein, Domherr Theo Scherrer. «Langfristig vertrauen wir auf eine gute Lösung, die uns das Bistum vorschlägt», sagt Markus Meier. «Die Freistellung gibt den Mitarbeitenden den nötigen Raum, auch in ausserordentlichen Situationen gute Arbeit zu leisten.»