KLEINTIERZÜCHTER: Schönheitskür im Taubenschlag

BERG/ARBON. Ob Thurgauer Mehlfarbige oder Süddeutscher Mohrenkopf, Paul Huber mag sie alle. Der Berger Gemeindepräsident und Präsident des Kleintierzüchter-Vereins Arbon züchtet seit 40 Jahren Tauben. Er weiss: Schönheit kommt mit dem Alter.

Corinne Allenspach
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Gemeindepräsident und Taubenzüchter: Paul Huber mit einer Sächsischen Flügeltaube. (Bild: Reto Martin)

Gemeindepräsident und Taubenzüchter: Paul Huber mit einer Sächsischen Flügeltaube. (Bild: Reto Martin)

 Wenn Paul Huber etwas macht, dann richtig. So zieht er bereits Monate vor einer Ausstellung einen weissen Arztkittel über, um seinen Tauben zu signalisieren: Achtung, Preisrichter, bitte von der besten Seite zeigen. Dann stellt sich der Berger vor den Taubenschlag und imitiert die Bewegungen und Geräusche eines balzenden Täuberichs. Worauf die Tiere prompt ins Balzgehabe einstimmen – und sich so beste Chancen auf einen Titel ertanzen.

Paul Huber greift nach einer Thurgauer Mehlfarbigen, die durch die Voliere flattert. Sofort entspannt sich das Tier, schmiegt sich in seine grossen, kräftigen Hände, die eigentlich festes Zupacken gewohnt sind. Huber ist gelernter Käser, führte 23 Jahre lang die Käserei Zwingensteinhueb. Vor acht Jahren sei diese zu klein und er durch Zufall Berger Gemeindepräsident im Nebenamt geworden, erzählt er, während er das Gefieder glattstreicht.

Thurgauer Lieblinge

Alles andere als Zufall ist seine Leidenschaft für Tauben. «Tiere lagen mir schon immer sehr nahe», sagt er, der auf einem Bauernhof aufwuchs. 40 Jahre sind es her, seit ein Onkel ihm vier junge Thurgauer Mehlfarbige geschenkt hat mit der Bemerkung: «Du sollst die Schönsten haben.» Huber, damals noch keine 20, erinnert sich noch gut, wie enttäuscht er war. «Die Tauben waren ziemlich farblos und überhaupt keine Schönheiten.

» Was er noch nicht wusste: Ihr Markenzeichen, der Goldkragen, entwickelt sich erst später. Längst ist die Thurgauer Mehlfarbige mit ihren feinen Pastellfarben und dem für Schweizer Tauben typischen Häubchen Hubers Lieblingsrasse. Und die einzige, welcher er all die Jahre treu blieb.

Züchten ist mehr als vermehren

Züchten, das heisst für Paul Huber nicht nur vermehren, sondern möglichst schöne Tiere hervorbringen. Grundvoraussetzungen: Die Tiere müssen sich wohl fühlen und die Weibchen möglichst vital sein.

Hubers Geduld und die Liebe zu den Tieren trägt Blüten. Bereits sechsmal holte er sich den Schweizer-Meister-Titel und gewann zudem die beiden grossen Schweizer Taubenzüchter-Preise: die Tierweltkanne und den Schönenberger Preis.

Auf Experimente lässt sich der Berger nicht ein. «Der Mensch neigt dazu, Dinge zu präsentieren, die andere nicht haben», sagt er. Damit niemand das Mass überschreite, müsse der Verband Gegensteuer geben.

Huber engagiert sich darum seit Jahren als Präsident von Rassetauben Schweiz und des Arboner Kleintierzüchtervereins sowie im Vorstand von Kleintiere Schweiz.

Er greift eine Sächsische Flügeltaube, deren Federn an den Füssen wie Fächer anmuten. «Eine Liebhabertaube, die viel Aufwand verlangt.» Einerseits dürften die Federn nicht zu gross werden, andererseits brauche jede Taube ihr eigenes Sitzbrett, damit sich die Füsse gut entwickeln. 26 Schweizer Taubenrassen gibt es, darunter eine Ostschweizerin, die St.

Galler Flügeltaube. Viele Rassen sind über 100 Jahre alt und werden als Kulturgut gepflegt. Weltweit sind 1000 Rassen bekannt. Was Huber beschäftigt: dass Tauben allgemein als lästige Tiere gelten, die Dreck machen. «In den Städten sind sie tatsächlich ein Problem.» Der schlechte Ruf sei sicher mit ein Grund, warum der Verband Rassetauben Schweiz mit seinen 1500 Mitgliedern Nachwuchsprobleme habe. Aber nicht nur: «Das Freizeitangebot ist heute einfach zu gross.»

Tauben als Kulturgut

Bei aller Liebe. Huber kann nicht alle Tauben behalten. «Bei uns gehören sie deshalb zum Speisezettel», sagt er, der die Vögel selber metzget und daraus Cordon bleu, Geschnetzeltes oder Taubenbrüstli zubereitet.

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