«Kleine Schule hat Chancen»

Der 47jährige Martin Haas (EVP) will Präsident der Salmsacher Schulkommission werden. Er spricht über die Querelen in der Gemeindebehörde, seine Frau, die Lehrerin an der Schule ist, und seine Ziele.

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«Die persönliche Freizeit wird sicher etwas leiden»: Martin Haas. (Bild: Daniel Walt)

«Die persönliche Freizeit wird sicher etwas leiden»: Martin Haas. (Bild: Daniel Walt)

Herr Haas, haben Sie eine dicke Haut?

Martin Haas: Ja, schon.

Eine solche werden Sie auch brauchen, wenn Sie als neuer Salmsacher Gemeinderat gewählt werden: Im Gremium hängt der Haussegen seit dem Streit um die zusätzlich geleisteten Arbeitsstunden des Gemeindeammanns schief. Was reizt Sie daran, der Behörde unter solchen Umständen beizutreten?

Haas: Mir geht es hauptsächlich um die Schule: Auch wenn es immer wieder Diskussionen um einen Zusammenschluss zu einer Volksschulgemeinde Romanshorn-Salmsach gibt, hat eine kleine Schule nach wie vor Chancen. Grundsätzlich wurde ich nach dem Rücktritt von Gaby Frick ja angefragt, ob ich fürs Präsidium der Schulkommission kandidieren würde, nicht als Gemeinderat. Klar, laut aktueller Gemeindeordnung ist es so, dass deren Präsident auch im Gemeinderat vertreten ist. Aber das muss ja nicht immer der Präsident sein. Wobei es sich im Moment kein anderes Mitglied der Schulkommission vorstellen kann, im Gemeinderat zu sein.

Tatsache ist: Werden Sie gewählt, sind Sie im Gemeinderat. Was können Sie beitragen, um die Stimmung in der Behörde zu verbessern?

Haas: Ich möchte mich mit einem normalen, anständigen Verhalten in die Behörde einbringen.

Haben Sie an der denkwürdigen Gemeindeversammlung vom Frühling den Anträgen der Gruppe Hungerbühl zugestimmt?

Haas: Ja.

Falls Sie jemals im Gemeinderat nicht durchdrängen und nicht mehr in den Spiegel schauen könnten: Würden Sie den gleichen Entscheid wie Gemeinderat Wilfried Häberlin fällen und an die Öffentlichkeit gehen?

Haas: Ein solcher Schritt eines Mitglieds einer Kollegialbehörde ist immer gewagt. Wobei ich Verständnis für den Entscheid von Wilfried Häberlin in dieser Situation hatte. Es ist traurig, dass das aus seiner Sicht die einzige Möglichkeit war, seinem Anliegen Raum zu verschaffen.

Sie würden als Ersatz von Gaby Frick an die Spitze der Schulkommission gewählt. Nun ist Ihre Frau aber Lehrerin an der Primarschule Salmsach…

Haas: Ja. Das war das erste, was ich gesagt habe, als mich der Gemeindeverein anfragte, ob ich kandidieren würde. Die Verantwortlichen hatten das bereits im Vorfeld mit dem Kanton abgeklärt. Dessen Auskunft: Aufgrund der Neuorganisation mit einem Schulleiter sei das kein Problem. Zudem gibt es die Möglichkeit, wenn nötig in Ausstand zu treten – die hat man auch als Präsident.

Trotzdem: Kann ein Schulleiter in gewissen Situationen frei entscheiden, wenn er weiss, dass der Gatte einer Lehrerin sein Chef ist?

Haas: Ich habe einen guten Draht zum Schulleiter. Er hat sich auch bereits dahingehend geäussert, dass er diesbezüglich kein Problem hat.

Welche hauptsächlichen Ziele möchten Sie als Präsident der Schulkommission und Gemeinderat verfolgen?

Haas: Ich möchte mich einsetzen für eine kleine Schule mit all ihren Chancen: Sie kann individueller auf einzelne Schüler eingehen als eine grössere, und die Kinder kennen sich noch eher. Zudem möchte ich zu einem positiven Schulklima beitragen und die Selbständigkeit der Primarschule Salmsach, so lange wie möglich und vertretbar, erhalten.

Wie lange wird eine Selbständigkeit denn noch vertretbar sein?

Haas: Das ist schwierig zu sagen, den Zeithorizont kann ich nicht genau abschätzen.

Sie sind hauptberuflich Diakon der evangelischen Kirchgemeinde und als engagiert bekannt. Zudem sind Sie Familienvater. Können Sie nach einer Wahl alles aneinander vorbeibringen, ohne dass ein Bereich leidet?

Haas: Die persönliche Freizeit wird sicher etwas leiden: Ich werde vielleicht die sportliche Betätigung zurückschrauben müssen oder das Spazierengehen mit dem Hund. Ich schaue es aber ein Stück weit als Aufgabe eines Bürgers an, Verantwortung für die Gesellschaft wahrzunehmen und sich zu engagieren.

Ist eine Reduktion des Diakon-Amtes für Sie eine Option?

Haas: Im Moment nicht.

Interview: Daniel Walt

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