Kleine Kinder lernen unbelastet

Mit dem Projekt «Frühe Förderung» sollen Kinder mit sprachlichen Defiziten im Vorschulalter gezielt gefördert werden. Dazu wird nächstes Jahr das Spielgruppenangebot gezielt ausgebaut. Dies ebnet den Weg zu einer besseren Integration.

Ramona Riedener
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Denise Baumann Mitglied Primarschulbehörde (Bild: Ramona Riedener)

Denise Baumann Mitglied Primarschulbehörde (Bild: Ramona Riedener)

ARBON. Denise Baumann, Mitglied der Primarschulbehörde, stellte das Konzept einer künftigen Bildungslandschaft bei den SP-Frauen vor, nachdem Ruth Erat, Schriftstellerin und Germanistin, über den Spracherwerb und die Sprachentwicklung beim Kind referiert hatte. Das Projekt der Primarschulgemeinde in Zusammenarbeit mit der Stadt Arbon und der Spielgruppe steckt in der Umsetzungsphase. Im Dezember hatte die Behörde der Finanzierung für vier Jahre zugestimmt. Die Kosten belaufen sich auf 75 000 Franken pro Jahr. Finanziert wird das Frühförderungsprojekt gemeinsam von der Stadt, dem Kanton, der Primarschulgemeinde und von der Jacobs Foundation.

Sprachdefizite abbauen

Lanciert wurde das Projekt, nachdem festgestellt worden war, dass immer mehr Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen in die Spielgruppe oder in den Kindergarten eintreten und dann bereits mit einem Defizit ihre «Schulkarriere» beginnen. Vergleichszahlen aus dem Jahr 2014 zeigen, dass von 123 Kindern 23 keine und zehn nur teilweise Deutschkenntnisse hatten. Um dem entgegenzuwirken, sollen die Kinder möglichst früh sprachlich gefördert und somit besser integriert werden. Das Projekt sieht aber nicht nur eine Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund vor, sondern auch für Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien. Geplant ist, die Spielgruppe ab Sommer 2016 auszubauen. Die Kinder sollen dann nicht nur einmal, sondern zweimal pro Woche die Gruppe besuchen. Die Spielgruppen werden von je zwei Gruppenleiterinnen geführt, die nicht nur Motorik und Sozialkompetenzen, sondern auch das Erlernen der deutschen Sprache spielerisch in ihre Arbeit einfliessen lassen. Sie werden im Januar mit einer spezifischen Weiterbildung für ihre zukünftige Arbeit vorbereitet. Auch werden die Eltern aktiv in das Projekt mit einbezogen.

Kinder wollen kommunizieren

Das Projekt stützt sich auf die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Kinder im Vorschulalter besonders gut und motiviert lernen. «Sie lernen unentwegt», sagte Ruth Erat. Die Voraussetzungen, um Sprachen zu lernen, seien am Anfang für alle Kinder gleich. Aus den Lauten entstehen Wörter und einfache Sätze. «Die Kinder wollen aber nicht eine Sprache lernen, sie wollen kommunizieren, einen Teil der Gesellschaft sein. Ein kommunikatives Umfeld macht für sie den Spracherwerb sinnvoll», so Ruth Erat. Ob sie dabei eine oder zwei Sprachen lernen, spielt ihrer Meinung nach keine Rolle, denn die Kinder seien durchaus in der Lage, die Klanglaute und Grammatik verschiedener Sprachen auseinander zu halten. «Kleine Kinder lernen unverdrossen, weil sie sich nicht kritisieren. Die Lernfähigkeit und Motivation nimmt jedoch ab, wenn sie beginnen, sich selber kritisch zu beobachten», so die Referentin. So gehe ihre unbelastete Lernfreudigkeit verloren.