Kleider und Kuscheltiere statt Abfall

Delegierte der Fellnähgruppen aus der Schweiz trafen sich in Hefenhofen zur Versammlung. Sie sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Denn immer mehr Gruppen lösen sich auf.

Michèle Häni
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hefenhofen. Nach der musikalischen Begrüssung durch die Jugendmusik Amriswil wurde am Samstagmorgen die 30. Delegiertenversammlung des Vereins Fellnähen Schweiz eröffnet. Eingeladen waren Fellnähgruppen aus der ganzen Schweiz, organisiert wurde die Versammlung von der Jugendgruppe und der Fellnähgruppe Amriswil und Umgebung. Insgesamt 131 Delegierte aus 44 Sektionen waren anwesend, rund 50 Fellnähgruppen nahmen nicht teil. Liliane Rietberger, Präsidentin des Vereins Fellnähen Schweiz, führte durch die Versammlung.

Nach einem Rückblick in die Geschichte des Fellnähens hiess Priska Schwarz, Gemeindeammann von Hefenhofen, die Delegierten in Mostindien herzlich willkommen.

Stutzig bei Fell

«Ich habe ja kaum einen Mann im Saal erwartet, wir sind schliesslich nicht so geschickt. Doch ich fühle mich vögeliwohl unter diesen vielen Frauen», freute sich der Thurgauer Kantonsrat Moritz Tanner. Er als Landwirt sei erst stutzig geworden beim Wort Fellnähen. Doch schliesslich habe er mit gutem Gewissen zugesagt und sich sehr gefreut. Denn die verwendeten Felle von Kaninchen oder Füchsen sind «Abfallprodukte», die sonst in der Kehrichtverbrennung landen würden. Zudem werden nur Kaninchenfelle aus tiergerechter Haltung und Wildfelle aus Schweizer Jagd verwendet. Jährlich sind dies einige tausend Felle, die zu Mänteln, Gilets, Accessoires oder Schmusetierchen verarbeitet werden.

Immer weniger Mitglieder

Die Mitgliederzahl des Fellnähvereins schlägt eine Abwärtsrichtung ein. Seit 10 Jahren müssen immer wieder Gruppenauflösungen bekanntgegeben werden. Waren es 1999 noch 138 Fellnähgruppen, so sind es heute nur noch knapp hundert. Auch letztes Jahr lösten sich vier Fellnähgruppen auf. Die Frauen werden immer älter, einige werden krank oder sind zu müde. Umso erfreulicher, dass seit 2007 zwei Jugendfellnähgruppen entstanden, eine davon in Amriswil. Letztere wurde von Silvana Howald gegründet, Präsidentin der Fellnähgruppe Amriswil, die am Samstag neu in den Vorstand des Fellnähen Schweiz gewählt wurde. Sie ist zuständig für das Ressort Protokoll und Nachwuchs.

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