Kirchbürger pfeifen auf Vorwürfe

Ein neuer Orgelbauer beendet die ins Stocken geratene Sanierung der Orgel in der katholischen Kirche von Romanshorn. Im Streit mit dem alten Orgelbauer müssen vielleicht die Gerichte entscheiden.

Markus Schoch
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ROMANSHORN. Die katholische Kirchgemeinde steckt in einer schwierigen Situation. Doch die Behörde geniesst den vorbehaltlosen Rückhalt der Kirchbürger: Diese genehmigten am Mittwochabend einstimmig bei einer Enthaltung einen Zusatzkredit von 100 000 Franken für die Sanierung der Orgel. Nachdem sie bereits vor zwei Jahren 330 000 Franken dafür bewilligt hatten. Zur Debatte stand auch eine Schmalspur-Variante im Betrag von 60 000 Franken, bei der anstehende wichtige Arbeiten nicht ausgeführt worden wären. Die Behörde riet aber von einer solchen Lösung ab, die die Kirchgemeinde teurer zu stehen kommen könnte. Die Kirchbürger wollten dann auch nichts davon wissen.

Klage steht im Raum

Die Orgel sollte eigentlich seit letztem Dezember wieder in Betrieb sein. Tatsächlich ist sie noch immer eine Baustelle, nachdem es im Sommer zu Differenzen mit dem Orgelbauer gekommen ist, der den Auftrag bekommen hatte, das königliche Instrument aufzufrischen. Das Verhältnis zwischen ihm und der Kirchenbehörde ist längst so zerrüttet, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr in Frage kommt. Wo das Problem genau liegt, lässt sich nicht sagen: Der Orgelbauer nennt zwar Gründe, warum er die Arbeit vor bald einem Jahr Knall auf Fall niederlegte, die Kirchenvorsteherschaft hält sie jedoch für vorgeschoben. Im April trafen sich die beiden Parteien beim Friedensrichter, um die Angelegenheit gütlich zu bereinigen. «Wir konnten die Situation aber nicht klären, obwohl wir uns unserer Meinung nach sehr entgegenkommend gezeigt haben», sagte Kirchenpräsident Thomas Walliser Keel vorgestern.

«Vielleicht müssen jetzt die Gerichte entscheiden», meinte er. Im Raum steht eine Klage der Kirchgemeinde, die der Meinung ist, dass ihr der Orgelbauer noch im Minimum rund 40 000 Franken schuldet, weil er nicht alle Arbeiten erledigte, für die er eine erste Anzahlung über 83 000 Euro erhalten hatte. Der Orgelbauer sehe die Sache anders, sagte Walliser. Und drohe ebenfalls mit einer Klage.

Lichtblick: Neuer Orgelbauer

Doch es gebe auch Lichtblicke, meinte Walliser. Es sei der Behörde gelungen, einen neuen Orgelbauer zu finden, der die Sanierung zu Ende bringt. Seinen Namen wollte er noch nicht nennen. Soviel verriet der Kirchenpräsident aber: Es handle sich um eine ausländische Firma, die sich bereits vor zwei Jahren um den Auftrag bemüht hatte und unter anderem nur deshalb nicht zum Zuge gekommen war, weil der engagierte Orgelbauer eine längere Garantie-Laufzeit auf seine Arbeiten gewährte. «Die Offerte des neuen Orgelbauers war aber ähnlich gut», betonte Walliser. «Er hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen und sich kulant gezeigt.»

Der neue Orgelbauer kann aber nicht einfach dort weitermachen, wo der alte aufgehört hat, da die verwendeten Systeme nicht vollständig kompatibel sind. Will heissen: Er muss teilweise Komponenten seines Vorgängers ausbauen und seine eigenen installieren. Was mit ein Grund ist, warum die Sanierung teurer zu stehen kommt als geplant.

Lob von Kirchbürgern

Die Kirchbürger hatten zwar am Mittwoch viele Fragen. Vorwürfe musste sich die Behörde aber keine anhören. Niemand lastete ihr Fehler im Zusammenhang mit der Orgel-Sanierung an. Im Gegenteil: Ein Kirchbürger lobte die Vorsteherschaft sogar für ihre offene Information. «Es braucht Mut, hinzustehen und so ehrlich zu sein.»